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Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Eishockey

Neuer EVR-Weg mit jugendlicher Frische

Der 23-jährige Stefan Liebergesell tritt die Nachfolge von Ivo Stellmann-Zidek an. Es gibt noch eine zweite neue Nummer eins.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Nach fünf Spielen für den EV Regensburg über die volle Spielzeit ist Peter Holmgren zur neuen Saison wohl die Nummer eins im Regensburger Tor. Foto: Nickl

Regensburg.In der Fußball-Bundesliga sorgt Julian Nagelsmann in Hoffenheim als U-30-Trainer für Aufsehen. Der EV Regensburg macht es in der Eishockey-Oberliga ab sofort noch ein Stück jünger: Stefan Liebergesell heißt der neue Geschäftsführer und Nachfolger von Ivo Stellmann-Zidek. Der bisherige Presse- und Stadionsprecher, der für sich selbst einen Nachfolger am Mikrofon in der Donau-Arena sucht, wird am 2. August zarte 24 Jahre alt – und hat neben der Jugendlichkeit mit Nagelsmann auch das Sternzeichen Löwe gemeinsam. Fehlt nur noch der vergleichbare Erfolg.

„Die ersten Tage waren spannend und aufregend. Die nächsten Wochen werden aus Analyse der Situation, Klinkenputzen und Vorstellungen bestehen“, sagte Stefan Liebergesell bei der Präsentation der neuen EVR-Pläne bei der Rewag am Freitagmittag. Nach Tagen mit wenig Schlaf und vielen Anrufen hat der neue starke EVR-Mann einen Berg Arbeit in nächster Zukunft vor sich. Die Motivation aber ist groß. „Ich atme den Verein. Es ist mein Herzblut, das drinsteckt. Wir wollen künftig noch professioneller sein als wir es eh waren. Und da sind so viele Ehrenamtliche, die die Knochen hinhalten und privates Geld investieren. das ist es auch, was mich antreibt.“

Stellmann-Zidek ist doppelt stolz

Der doppelt so alte Ivo Stellmann-Zidek, der als alleiniger Gesellschafter und gleichzeitiger Vereinsboss Liebergesell ins EVR-Boot geholt hatte und jetzt seine Anteile an der EVR Eishockey GmbH zu 100 Prozent an neun neue Gesellschafter überschrieb, blickte mit Wehmut, aber auch erleichtert zurück. „Ich habe den EVR mit einem Schuldenberg von 450 000 Euro übernommen, den wir in den vier Jahren auf 160 000 Euro abgebaut haben“, blickte er auf seine Ära zurück. „Wir haben den EVR wieder zu einer starken Marke gemacht, waren zweimal im Halbfinale der Oberliga, haben mit den 30 Siegen in Serie einen einzigartigen Rekord aufgestellt und die Meisterschaft der Oberliga Süd errungen. Auf diese Erfolge bin ich stolz.“

Der bisherige EVR-Macher, der weiter EVR-Vorstand bleibt, benutzte das Wort „stolz“ noch ein zweites Mal. „Der Nachwuchs ist Teil meiner Philosophie, die nachweislich erfolgreich war. Viele sind auf dem Weg ins Profilager und das bestätigt meinen Weg.“

Miteinander!?Das Verhältnis von Nachwuchs und Profiteam ist eine der EVR-Herausforderungen, sagt Claus Wotruba, der Eishockey-Experte unseres Medienhauses.

Stefan Liebergesell war selbst „durchaus überrascht“ von der Entwicklung. „Ich habe niemals die Ambitionen gehabt, das Schiff führen zu dürfen. Am Montag kam der Anruf und am Mittwoch saß ich schon beim Notar“, sagt der neue Geschäftsführer.

Eine breitere Basis statt einer Ein-Mann-GmbH – das ist eine Konsequenz der Saison. „Unsere Erwartungen wurden bei weitem nicht erreicht. Deswegen habe ich mich entschlossen, dass ich das persönliche und finanzielle Risiko nicht mehr alleine tragen kann und will. Es ist die Entscheidung gefallen, dieses Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen“, erklärte Stellmann-Zidek, für den die vier Jahre wohl ein teurer Spaß werden, weil seine Ansprüche verloren gehen. „Ich wollte das nie alleine machen und ein derartiges Gremium langsam aufbauen.“

Durch den Ernst der Lage veränderte sich die Sichtweise in diesen Tagen schneller als gedacht. Mato Schwarzer (Safety clean), Thomas Hirlinger (Hista), Stephan Deibel (Bavaria Hauskonzept), EVR-Zahnarzt Dr. Bernhard Lauerer, Christian Volkmar (Projekt 29), Klaus Maria Weigert (beide Micro Music) sowie Steuerberater und Gremiumssprecher Stefan Penka sind die namentlich genannten Halter von GmbH-Anteilen, dazu kommen ein stilles Mitglied und drei weitere Geldgeber ohne Anteile.. „Auch mein Vater Thilo hängt mit einem Haufen Geld drin, ist aber nicht in der GmbH, alleine schon, um jeder Art von Interessenskonflikt aus dem Weg zu gehen“, erklärt Stefan Liebergesell.

In den nächsten Tagen warten die sportlichen Weichenstellungen. Zuvorderst geregelt werden soll die Nachfolge von Doug Irwin auf der Trainerbank. „Es gibt drei Kandidaten unterschiedlicher Nationalitäten“, erläuterte Liebergesell und will sich Anfang der nächsten Woche mit dem – angeblich deutschsprachigen – Wunschkandidaten treffen. Auch ob es einen sportlichen Leiter geben könnte, lässt Liebergesell angesichts der Finanzierungsfragen zunächst unbeantwortet. „Das müssen die Gespräche ergeben.“

Wieder top? „Das wäre vermessen“

Auf eine sportliche Zielsetzung will sich Liebergesell ebenfalls noch nicht einlassen. „Es wäre vermessen, eine Kampfansage rauszuhauen, dass wir unbedingt unter die ersten Vier müssen. Wer wird Trainer? Wie ist das Budget? Erst dann werden wir sehen“, sagt Liebergesell, gesteht aber, dass „wir schon um das Heimrecht spielen wollen“. Klar ist, dass „der Umbruch im Kader größer als erwartet ausfallen wird. Mit einigen Spielern müssen wir noch sprechen, die Gespräche haben ja erst am Mittwoch begonnen, aber die Signale sind so.“

Stefan Liebergesell: „Dafür brenne ich“Eishockey-Vita, Motivation und Pläne: Lesen Sie hier ein Interview mit Stefan Liebergesell.

Den Spielern, von denen nur Peter Flache und Sebastian Wolsch bestehende Verträge haben, sollen durch die Bank erst einmal reduzierte Angebote vorliegen. Wie groß die Zwänge sind? „Jeder spart, wenn es eine Option gibt“, bleibt Liebergesell auch hier vorerst nebulös. „Wir müssen erst noch sehen, was möglich ist.“

Bekannte Gesichter in neuen EVR-Rollen wurden wie so oft bei wichtigen Vereinfragen bei der Rewag präsentiert: Peter Holmgren, Stefan Liebergesell, Ivo Stellmann-Zidek, Martin Gottschalk und Stefan Penka (v. l.)Foto: Wotruba

Auf einer Position ist dieser Umbruch schon klar – im Tor. Der während der Saison nachverpflichtete Peter Holmgren bleibt und dokumentiert seine Ansprüche schon mit dem Wechsel der Rückennummer: Der 29-jährige Deutsch-Schwede trägt 2017/18 die Eins. Der Ex-Duisburger bekräftigte, dass er sich sehr schnell für den EVR entschieden habe und blickte voraus: „Wenn wir am letzten Spieltag sagen können, dass wir alles unternommen haben, dann werden wir auch etwas erreicht haben.“

Brenner geht nach Deggendorf

Holmgren hatte sich im Saison-Endspurt die Arbeit im Tor mit Youngster Cody Brenner geteilt. Parallel zur EVR-Pressekonferenz verkündete Ligarivale Deggendorf die Verpflichtung des 20-Jährigen als Nachfolger von Sandro Agricola. Brenner trifft bei seinem Heimatverein wie in Regensburger DNL-Tagen auf Daniel Filimonow als Partner: Das Duo erhält gemeinsam auch eine Förderlizenz beim DEL-Team der Straubing Tigers.

Kommentar

Miteinander!?

Ivo Stellmann-Zidek hat vor vier Jahren den Verein gerettet. Punkt. Im Nachwuchs gedieh der EVR unter seinen Fittichen zu einer Vorzeigeadresse – bundesweit....

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