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Montag, 11. Dezember 2017 7

Playoffs

Ice Tigers sind bereit für die Panther

Am Mittwoch (19.30 Uhr) startet die Serie gegen Augsburg. Die NHL-Stars Auston Matthews und Mitch Marner drücken die Daumen.
Von Daniel Frasch

Die Thomas Sabo Ice Tigers bekommen es in den Playoffs mit Augsburg zu tun und hoffen, dann auch möglichst häufig nach Toren abklatschen zu können. Archivfotos: Eibner

Die Torhüter: Nürnbergs Keeper-Duo schwächelte zuletzt

Augsburgs Jonathan Boutin ist die Überraschung der Saison. Der 31-jährige Deutsch-Kanadier kam vor der Saison aus der DEL 2 vom EHC Freiburg, etablierte sich aber schnell in Deutschlands Eliteliga. Während der Hauptrunde absolvierte Boutin 36 Partien. Sein Gegentorschnitt lag bei 2,68, seine Fangquote bei 91,3 Prozent. Am Freitag verlängerte er seinen Vertrag beim AEV um ein Jahr.

Ihm gegenüber steht mit Andreas Jenike und Jochen Reimer das wohl beste Duo der DEL. In schöner Regelmäßigkeit wechseln sich beide im Tiger-Kasten ab. Mehr Spiele bestritt Reimer (31), die weitaus besseren Werte lieferte Jenike: Mit einem Gegentorschnitt von nur 2,05 ist der 28-Jährige drittbester DEL-Torwart.

Torwart Andreas Jenike zeigte zuletzt bessere Leistungen als Teamkollege Jochen Reimer.

Seine Fangquote von 93,2 Prozent toppte kein DEL-Goalie. Die Zahlen sprechen eindeutig für Jenike als Nürnberger Nummer eins in den Playoffs.

Fazit: Leichter Vorteil für Augsburg. Boutin konnte sich zum Saisonende hin steigern, bewies unter anderem beim 4:0-Heimsieg über Nürnberg, was er im Stande ist zu leisten. Bei den Ice Tigers wirkten Reimer und Jenike zuletzt unsicher. Soll nicht bereits im Viertelfinale Schluss sein, müssen sich beide steigern.

Die Defensive: Ausfälle von Jurcina und Teubert wiegen schwer

Unter allen gesetzten Viertelfinalisten stellt Augsburg mit 152 Gegentoren nach der Hauptrunde die schwächste Abwehr. Mit Brady Lamb und Mark Cundari stechen jedoch zwei Importspieler bei den Panthern heraus. Der US-Amerikaner Lamb, im dritten Jahr in Augsburg unter Vertrag, ist extrem schussgewaltig. Der Kanadier Cundari sammelte in seiner ersten DEL-Saison 31 Scorerpunkte (10 Tore, 20 Vorlagen).

Nürnbergs Jesse Blacker war lange Zeit der Top-Verteidiger der DEL. Doch beim Kanadier mit den schnellen Beinen ist schon länger der Wurm drin. Seit dem 23. Spieltag erzielte Blacker kein Tor mehr für die Franken. Besonders schwer wiegen die Ausfälle von Milan Jurcina und Colton Teubert.

Milan Jurcina fehlt seit Wochen verletzt.

Seit ihren Verletzungen wackelt die Tiger-Defensive gehörig, der Gegentorschnitt von 3,7 aus den letzten elf Spielen spricht Bände. Vor allem die körperliche Komponente ist den Franken durch die beiden Ausfälle verloren gegangen. Neuzugang Nichlas Torp zeigt gute Ansätze, die Lücke in der Abwehr konnte der Schwede aber (noch) nicht schließen.

Fazit: Ausgeglichen. Die Nürnberger Defensive muss deutlich stabiler, der Gegentorschnitt pro Spiel unter drei gedrosselt werden, sonst droht das frühe Aus im Viertelfinale. Doch nicht allein die Verteidigung ist gefordert, das ganze Team muss besser nach hinten arbeiten.

Der Angriff: Reimer, Reinprecht und Co. suchen ihresgleichen

Einmal mehr bewiesen die Verantwortlichen der Augsburger ein glückliches Händchen bei den Neuverpflichtungen: Evan Trupp und Trevor Parks (zuvor bereits Ben Hanowski und Andrew Leblanc) überzeugten in ihrem ersten DEL-Jahr und erzielten jeweils über 30 Scorerpunkte in der Hauptrunde.

Spielerische Klasse gepaart mit schnellen Schlittschuhläufern – das ist das Markenzeichen des Augsburger Angriffsspiels.

Mehr Tiefe in der Offensive besitzen allerdings die Ice Tigers. Die Paradereihe um Kapitän Patrick Reimer, der zum dritten Mal zum „Spieler des Jahres“ gewählt wurde, Steven Reinprecht und Yasin Ehliz spielt schon in der fünften Saison zusammen und bildet das gefährlichste Angriffstrio der DEL.

Auf Kapitän und „Spieler des Jahres“ Patrick Reimer wird es besonders in den Playoffs ankommen.

Leo Pföderl hat mit 52 Scorerpunkten die beste Saison seiner Karriere gespielt, und auch Brandon Segal, David Steckel, Phil Dupuis und Andrew Kozek punkteten konstant in der Hauptrunde. Nicht zu vergessen ist die körperliche Robustheit der Franken. Nur wenige Teams sind in der Lage, den Tigern Paroli zu bieten. Augsburg gehört nicht dazu.

Fazit: Klarer Vorteil Nürnberg. Neben der spielerischen Klasse spricht auch die enorme Erfahrung für die Franken. Steven Reinprecht, David Steckel und Brandon Prust können alleine auf 1708 NHL-Spiele zurückblicken. Mit Reinprecht steht sogar ein Stanley Cup-Gewinner in den Reihen der Ice Tigers.

Das Über- und Unterzahlspiel: Tiger-Powerplay ist ausbaufähig

Im Powerplay haben die Panther klar die Nase vorn. Mit einer Erfolgsquote von 21,7 Prozent brachte Augsburg während der Hauptrunde das drittbeste Überzahlspiel auf das Eis. Allen voran Trevor Parks stach dabei mit zehn Treffern hervor.

Aber auch Verteidiger Brady Lamb trug sich mit seinen gefürchteten Schüssen von der blauen Linie fünfmal in die Torschützenliste ein. Nürnberg traf bei numerischer Überlegenheit nur in 18,7 Prozent der Fälle ins Schwarze – eine ausbaufähige Quote. Zu durchsichtig ist das Überzahlspiel der Franken, zu oft nehmen die Ice Tigers Schüsse aus aussichtslosen Positionen.

Die NHL-Profis Auston Matthews, Mitch Marner und Brian Boyle drücken ihrem Ex-Kollegen Brandon Prust und den Ice Tigers via Facebook die Daumen:

Deutlich besser läuft es dagegen in Unterzahl: Mit 83,9 Prozent rangiert Nürnberg hier auf Rang vier. Spieler wie David Steckel oder Marius Möchel stören bereits im gegnerischen Drittel das Aufbauspiel und machen es somit dem Gegner schwer, in Position zu kommen. Vor dem Tor räumen Brett Festerling und Co. rigoros auf und lassen nur wenig Nachschüsse zu.

Fazit: Ausgeglichen. Die Stärken der Panther sind die Schwächen der Tiger – und andersrum. Beide Teams müssen versuchen, von der Strafbank wegzubleiben. Die „Special-Teams“ entscheiden in den Playoffs oft über Sieg oder Pleite.

Die Trainer: Zwei harte Hunde stehen hinter der Bande

„Harter Hund“ – diese Bezeichnung trifft definitiv auf beide Trainer zu. Sowohl Nürnbergs Rob Wilson als auch sein Gegenüber Mike Stewart waren bereits als Spieler ob ihrer harten und kompromisslosen Gangart gefürchtet.

Stewart bekam während seiner Zeit beim Villacher SV nicht umsonst den Spitznamen „Iron Mike“ verliehen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit zwei Jahren stehen beide als Cheftrainer in der Verantwortung ihrer Vereine.

Hier lesen Sie ein Interview mit Ice Tigers-Coach Rob Wilson.

Hinter der Bande kann Rob Wilson von den Ice Tigers bislang mehr Erfolge vorweisen: 2006 gewann er mit Newcastle die Meisterschaft in Großbritannien, 2014 folgte der Triumph mit Ritten Sport in Italien. Am Samstag wurde Wilson zudem zum „Trainer des Jahres“ der DEL gewählt.

Rob Wilson, „Trainer des Jahres“

Mike Stewart ging den Weg über die DEL 2, wo er mit den Fishtown Pinguins Bremerhaven 2014 die Meisterschaft gewann. Während Wilson ein Freund von Schaubildern ist („Menschen müssen Dinge visualisieren, um sie zu verstehen“), gilt Stewart als akribischer Analytiker, der in der weltweiten Eishockeyszene bestens vernetzt ist.

Fazit: Ausgeglichen. Fachlich stehen sich die beiden in nichts nach, Wilson und Stewart gehören zu den Besten ihrer Zunft in Deutschland. Mehr noch: Beide sind Motivatoren und können ihr Team auf den Punkt heiß und fit machen.

Die Prognose: Die Serie könnte über die volle Distanz gehen

Die Thomas Sabo Ice Tigers gehen favorisiert in dieses Viertelfinale. Mehr Talent, größere Erfahrung und ein intaktes Mannschaftsgefüge sprechen für Nürnberg. Nicht zuletzt auch das Heimrecht, das sich die Franken durch den dritten Platz nach der Hauptrunde sicherten. Kein anderes DEL-Team erzielte zu Hause mehr Punkte (52) als Nürnberg.

Aber Vorsicht ist geboten: Dass mit den Panthern nicht gut Kirschenessen ist, mussten Reimer und Co. bereits in der Hauptrunde feststellen. Von vier Partien gewann Nürnberg nur zwei. Augsburg ist top motiviert und möchte die beste Saison seit zwölf Jahren mit dem Einzug ins Halbfinale krönen.

Ein Sweep (vier Siege in Folge) scheint ausgeschlossen, zu stark und ausgeglichen spielten beide Teams in der Hauptrunde. Gut möglich, dass die Serie, wie schon beim letzten Aufeinandertreffen 1998/99, über die volle Distanz, sprich über sieben Spiele, geht.

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