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Sport aus Kelheim
Mittwoch, 20. September 2017 17° 6

Kraftsport

60-jähriger Bad Abacher drückt EM-Titel

Werner Wieninger ist in Finnland stärkster Mann seiner Gewichtsklasse. Bei der Nationalhymne „hab’ ich mit Tränen gekämpft“.
Von Gabi Hueber-Lutz

Werner Wieninger gewann in Finnland EM-Gold und nahm auch noch Bronze mit. Foto: Hueber-Lutz

Bad Abbach.Als der 60-jährige Werner Wieninger zum Training kommt, müssen die Übungen zunächst warten. Denn erst einmal sind die Gratulationen an der Reihe. Eine junge Frau fällt ihm um den Hals: „Wir sind soooo stolz auf dich!“ Männer klatschen ihn ab. Die Sportler des KKC Bodyfit Bad Abbach erweisen dem frisch gebackenen Europameister im Bankdrücken ihre Referenz.

In der Altersklasse III der 60- bis 69-Jährigen hatte er bei den Europameisterschaften im finnischen Ylitornio den ersten Platz in seiner Gewichtsklasse geholt. „G’scheit nervös“ sei er gewesen, bekennt der Athlet. Und das, obwohl sein direkter Konkurrent, ein Schwede, vor dem Wettkampf abgesagt hatte. Und ein weiterer Widersacher hatte sich in eine andere Gewichtsklasse gefuttert.

„Mir lief es eiskalt den Buckel runter.“

Werner Wieninger

Aber alleine anzutreten sei gar nicht so ungefährlich, erklärt Wieninger. In so einer Situation mache man nämlich gerne mal eine „Nullnummer“, sprich drei ungültige Versuche. Und dann ist man umsonst angereist. Gegen die Nervosität half ihm sein bewährtes Ritual. Er hatte sich in eine Ecke gesetzt, Handtuch über den Kopf und die Außenwelt abgeschaltet. In so einem Zustand dringt nicht viel zu ihm durch. Und als es dann geheißen hat, er ist dran, „da war ich dann in meinem Element“.

Ehefrau ist stolz auf ihren Mann

Da hat die Erfahrung gegriffen, denn „Meisterschaft ist Meisterschaft!“ Chef-Coach Anton Späth und er haben beschlossen, dass er mit 160 Kilogramm anfängt. Der erste Versuch sollte ein sicherer werden. Wieninger hielt die Konzentration hoch, schaffte den ersten Versuche, ließ 170 Kilo auflegen, stemmte den zweiten Versuch, ließ 175 Kilo auflegen und wuchtete auch dieses Gewicht.

Als er oben am Treppchen stand und die Nationalhymne erklang, das war ein Augenblick, den er nie vergessen wird. Eiskalt sei es ihm über den Buckel gelaufen und er musste mit den Tränen kämpfen. „Eine Minute länger und es hätt’ mich umgehauen.“

175 Kilogramm wuchtete der Athlet für den ersten Platz. Foto: Archiv

Eine zweite Medaille nahm der Abbacher Athlet auch mit. Neben dem Titel des Europameisters in seiner Gewichtsklasse bis 120 Kilo hat Werner Wieninger den dritten Platz in der Relativwertung belegt. Das heißt, dass er von allen 24 Startern in der Altersklasse Masters III (60 bis 69 Jahre) den dritten Platz erreichte. In der nächsthöheren Gewichtsklasse wäre er mit den gedrückten 175 Kilo Dritter geworden. Insgesamt 500 Athleten traten bei der EM an. Deutschland war mit dem zweitgrößten Aufgebot angereist.

„Er zeigt, was man in diesem Alter noch erreichen kann.“

Ilona Wieninger

Auch ein paar Tage nach seiner Rückkehr hat er sich die Aufzeichnung seines Kampfes noch nicht angesehen. Über die vielen Glückwünsche freut er sich sehr, relativiert aber auch ein wenig und hebt die hervor, die ihn unterstützt haben. An erster Stelle seine Frau Ilona und seine Tochter, zudem Klaus Deis vom Bodyfit, der ihn mit trainiert, und Norbert Beer, der ihn berät. So ein Netz aus Unterstützern braucht es. Und die eigene Disziplin. Die bescheinigt ihm seine Frau in hohem Maße. Sie ist sehr stolz, dass ihr Mann ein „wunderbares Beispiel“ dafür ist, was man im Alter durch Bewegung noch alles erreichen kann.

Die WM 2018 ist das neue Ziel

Nächstes Jahr ist die Weltmeisterschaft ebenfalls in Finnland. Dann in der Hauptstadt Helsinki. Automatisch qualifiziert dafür ist Werner Wieninger durch den Europameistertitel aber nicht. Dafür muss er erst noch an der deutschen Meisterschaft teilnehmen. Das hat er sowieso vor. Im Moment ist jetzt erst einmal leichtes Training für den Athleten angesagt. Erst in vier Wochen beginnt wieder die anstrengende Phase. Das Ziel hat Werner Wieninger vor Augen: Die WM 2018 in Finnland, denn anscheinend sei das Land ein gutes Pflaster für ihn.

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Vier Kilo „verloren“

  • Flug-Diät:

    Mit 113 Kilo ist Werner Wieninger nach Finnland geflogen. Als er drüben vor dem Wettkampf auf die Waage ging, waren es nur mehr 109 Kilo. Das sei optimal gewesen.

  • Waldbehausung:

    Untergebracht war das deutsche Team in einer Art Jugendherberge in einem Langlaufgebiet. Da waren nur ein paar Häuser und ansonsten Wald. Werner Wieninger hat es gefallen und die Organisation durch die Finnen fand er richtig Klasse.

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