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Sport aus Kelheim
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Dramatik

Aufstiegs-Ringen schlägt jeden Krimi

ATSV Kelheim unterliegt AC Regensburg 13:15, aber ein Duell fehlt. Neue Perspektive vor Rückkampf: Beide rücken in Liga zwei.
Von Martin Rutrecht

Der ATSV Kelheim (in blau) bewahrte sich alle Chancen auf den Aufstieg. Foto: Brüssel

Kelheim.Zahlen und Fakten können nicht täuschen. Der ATSV Kelheim hat den Hinkampf im Aufstiegsderby zur Bayernliga bei AC Regensburg mit 13:15 verloren. Fakt? Eben nicht, denn ein Einzelduell fehlt. Kelheims Paradeyoungster Johannes Mayer musste zu einem internationalen Kaderturnier und wird sein Match gegen Stefan Höpfl erst am Freitag bestreiten. Nach diesem Nachholfight und dem Rückkampf am 23. Dezember in Kelheim steigt der Sieger in die Bayernliga auf. Auch diese Tatsache wackelt: Winkt der Bayerische Ringerverband am 10. Februar 2018 eine angedachte Reform durch – stünden beide Vereine in der Oberliga (!), der zweithöchsten Klasse Deutschlands.

Noch so eine vermeintlich untrügliche Zahl: Mit 0:14 lagen die Kelheimer am Samstagabend vor 300 Zuschauern beim AC hinten. Debakel in Sicht? „Nein, ich wurde keine Spur nervös, die Kämpfe sind erwartungsgemäß verlaufen. Ich wusste, dass wir unsere Punkte noch machen werden“, so ATSV-Trainer Helmut Wild.

„Ich sehe jetzt leichte Vorteil für uns, 60:40.“

ATSV-Trainer Helmut Wild

In der ersten Phase des Nachbarduells der beiden Landesliga-Meister konnte einem als Kelheimer Fan – die Gäste stellten die Hälfte der Zuschauer – schwindlig werden. Ben Böswald (Freistil, 57 kg) hielt sich gegen das Regensburger Talent Magomed Kartojev nur gut eine Minute auf der Matte. Korbinian Knauf hatte im Schwergewicht (gr.-röm) die undankbar Aufgabe, die angeschlagene ATSV-Stammkraft Tolga Izci vertreten zu müssen. Gegen den Ex-Kelheimer Robert Heinrich sah er in der Bodenlage kein Land.

Bei 0:14 startet die Aufholjagd

Bei 8:0 für den AC schaffte auch Ebrahim Salmeh (61 kg, gr.-röm.) nicht die Wende. Er wehrte sich gegen Markus Langmantel aber nach Kräften und verkürzte immer wieder seinen Rückstand. Mit dem 8:20 gingen drei Zähler an die Hausherren. Ebenfalls seinen Meister fand Daniel Ritter (98 kg, Freistil) in Yannic Schmid. Der Regensburger erntete auch drei Punkte.

Korbinian Knauf (l.) musste im Schwergewicht gegen den früheren Kelheimer Robert Heinrich ran. Foto: Huber

Das 0:14 roch nach Abschied von den Bayernliga-Träumen. Aber nun begann die Aufholjagd der Niederbayern. Csongor Knipli (66 kg) leistete Schwerstarbeit in der für ihn ungewohnten Freistilkategorie. Unermüdliches Wertungssammeln endete in technischer Überlegenheit für den Ungarn, der vier Zähler gut schrieb. Der reaktivierte Andreas Dewiwje (71 kg, gr.-röm.) ließ gegen Tazshko Bankaev seine Klasse aufblitzen. Der ATSV fand die Aktionen des Routiniers zu gering bewertet und so musste ihr Mann den langen Weg zum Punktsieg gehen, Kelheim lag nur noch 6:14 hinten.

Die letzten Schritte zum Aufstieg

  • Eine Ligareform

    brächte (unbesehen des Rückkampfs am 23. Dezember) sowohl dem ATSV als auch AC Regensburg den Aufstieg, da die Bayernliga abgeschafft und die Oberliga aufgestockt werden soll.

  • Der Rückkampf

    geht am Samstag, 19.30 Uhr, in der Kelheimer Dreifachturnhalle über die Bühne. „Auf die mögliche Reform werden wir uns nicht verlassen – wir wollen den Aufstieg!“, so Coach Wild.

Mike Fischer (80 kg, Freistil) warf seine ganze Leidenschaft in das Duell mit Gabor Csoti. Mit riesen Kämpferherz ließ der Kelheimer nur einen 3:1-Punktsieg des AC-Ringers zu (15:6). Die letzten beiden Auftritte wurden zum Schaulaufen für den ATSV. Johannes Mayerhofer (75 kg, Freistil) hatte Anton Roth bald in Bodenlage und verbuchte eine Drei. Felix Henneberger steckte im Griechisch-Römisch dieser Gewichtsklasse eine frisch genähte Platzwunde aus dem Training weg und zwang Iheb Ben Ghozlem mit technischer Überlegenheit 16:1 nieder.

Reform käme ATSV zugute

Beim 15:13 für den ACR fehlt noch das Duell von Mayer gegen Stefan Höpfl. „Auch wenn Johannes nicht gewinnen sollte, sehe ich im Rückmatch leichte Vorteile für uns. Die Stilarten werden gewechselt und da sind unsere Ringer besser. Außerdem setzen wir auf die Fans in Kelheim“, so Coach Wild.

Felix Henneberger (r.) setzte trotz genähter Platzwunde einen glanzvollen Schlusspunkt für Kelheim. Foto: Huber

Abseits des Mattenringens sorgt eine angedachte Reform für ungeahnte Perspektiven: Auf Anregung einiger Vereine soll die Bayernliga aufgelöst und die darüber stehende Oberliga in zwei Staffeln aufgeteilt werden. Kelheim stünde bei einem Aufstieg in dieser Oberliga – der zweithöchsten in Deutschland. Aber auch der AC Regensburg fiele nicht durch: Die auf Basis dieser Veränderung erstellte Ligaeinteilung sieht den ATSV und die Oberpfälzer in der Oberliga Nordbayern. Die Entscheidung über die Reform fällt am 10. Februar 2018, zuvor werden alle Vereine auf Bezirksversammlungen gehört.

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