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Sport aus Kelheim
Montag, 11. Dezember 2017 3

Nimbus

Der 100-Tore-Meister gewinnt alle Spiele

Abensbergs AH holt makellos die Bezirksliga-Schale. Teamgeist, ein Ex-Jahn-Kicker und „drakonische Strafen“ stehen dahinter.
Von Martin Rutrecht

Florian Eder (rechts) war mit 24 Toren der gefährlichste Abensberger AH-Kicker in der abgelaufenen Saison. Fotos: Kahler/Neumaier/Zirzlmeier/Archiv

Abensberg.Knallhart sind sie da, die Alt-Herren-Fußballer des TSV Abensberg. „Schließlich stehen wir nicht für eine Spaßtruppe“, sagt ihr Trainer Hans Zirzlmeier schmunzelnd. Mit breitem Grinsen verrät er die „harten Konsequenzen“ bei Vergehen wie falschem Einwurf oder verschossenem Elfmeter. „Der betreffende Spieler muss im nächsten Training die Power Drinks für die dritte Halbzeit besorgen. Da kommt er nicht aus.“ Das Power-Getränk trifft in einer Kiste ein und nennt sich auch Gerstensaft.

„Wir haben 82 Tore erzielt und 18 kassiert – ergibt 100.“

Hans Zirzlmeier

Die „drakonischen Strafen mit Nachhaltigkeit“, wie Kapitän Ralf Huber sagt, verfehlen ihre Wirkung nicht: Die Ü32-Fußballer des TSV Abensberg gewannen heuer den Titel in der AH-Bezirksliga makellos – mit 16 Siegen aus 16 Spielen in der von April bis Oktober laufenden Saison. „Wir nennen uns auch 100-Tore-Mannschaft: In den 16 Partien haben wir 82 Tore erzielt und 18 Treffer kassiert, macht 100, und bedeutet in Angriff und Abwehr den Bestwert der Liga“, führt Coach Zirzlmeier aus.

Abwehr trifft Ball – oder Gegner

„Ich weiß nicht, ob es einem Verein so schnell wieder gelingen wird, ohne Punktverlust Meister zu werden“, ergänzt Huber. Freilich liegt es nicht zuvorderst an der flüssigen Nachbesprechung im Training, sondern an einer schlichtweg „guten und eingeschworenen Truppe“, so der 38-Jährige. In aller Bescheidenheit darf man bei Ralf Huber selbst beginnen: Der Biburger kickte für den SSV Jahn Regensburg in der Regionalliga (damals dritthöchste Klasse), zudem für den 1. FC Feucht, ASV Cham und Freier TuS Regensburg. Ausklingen ließ er seine Karriere von 2007 bis 2013 beim SV Ihrlerstein.

Die AH des TSV Abensberg gewinnt den Ü32-Bezirksliga-Titel 2017 ohne Punktverlust.

Der offensivstarke Mittelfeldspieler sieht sich aber nicht im Zentrum des Teams. „Es wäre traurig, wenn man es mir nicht ansehen würde, dass ich mal höherklassig gespielt habe, aber Fußball funktioniert nur über den Mannschaftsgedanken.“ Trotzdem stehen meist die Stürmer im Fokus. Mit Florian Eder (24 Tore), Tobias Weiler (17) sowie Huber (16) verfügen die Babonen über die drei besten Torschützen der AH-Bezirksliga. Eder schoss noch vor vier Jahren 30 Tore für die zweite Mannschaft in der A-Klasse Nord – in nur 17 Spielen.

„Für ein Spiel verschwinden manche vom eigenen Geburtstag.“

Ralf Huber

Die Qualität beginnt schon im Kasten mit Heiko Giere und Alternative Manfred Schmid, die früher beide in der Bezirksliga aufliefen. Alternative im Kasten ist Christian Fertl. „Daran erkennt man, dass wir relativ breit aufgestellt sind“, sagt Coach Zirzlmeier. Im Training erscheinen im Schnitt 15 Spieler. „Viele Kicker stellen fürs Team private und selbst berufliche Dinge hintan. Sie verschieben den Urlaub oder die Schicht, um mitkicken zu können. Oder sie sind beim eigenen Geburtstag mal kurz nicht anwesend“, lacht Huber.

Teamkapitän Ralf Huber (l.) spielte früher für den SSV Jahn, den Freien TuS (Bild), ASV Cham und SV Ihrlerstein.

Um Libero Thomas Meier baut sich eine kampfstarke Verteidigung auf. „Wir spielen mit Libero, auf Viererkette lernen wir nicht mehr um“, erklärt der Trainer. Das Motto der Defensive: „Es kommt entweder der Ball oder der Gegner an uns vorbei, aber niemals beides!“ Tatsächlich steht der TSV auf dem letzten Platz der Fairnesstabelle. „Wir haben eben eine gewisse Zweikampfhärte, unfair sind wir nicht“, so der Coach. Richtig zur Sache ging es am 6. Spieltag in der Partie bei der SG Pfaffenberg/Mallersdorf. 13 Gelbe Karten wurden verteilt, Abensberg kassierte zweimal Gelb-Rot – und siegte mit 2:0.

„Abdu“ mit Waschbrettbauch

„Schwarze Perle“ im Aufgebot des Meisters ist Aboudou Tchatakoura aus dem Togo – der Einfachheit halber nennen sie ihn „Abdu“. „Wenn er in der Dusche seinen Waschbrettbauch zeigt, erblasst man vor Neid“, gesteht Huber, „der Mann ist bald 48 Jahre alt.“ Weitere Kicker sind in Abdus Alter und trotzdem noch überaus fit. „Dank unserer Oldies wie Gerwin Neuhauser und Bernhard Ramler hatten wir selbst bei dünner Personaldecke immer drei Mann Ersatz“, so Trainer Zirzlmeier. Mit von der Partie ist auch TSV-Abteilungsleiter Sebastian Kneitinger, der den Sechser gibt.

Auf ein Wiedersehen mit dem FC Bayern

  • Niederbayern-Finale:

    Als AH-Meister spielt der TSV Abensberg im nächsten Jahr um den Titel im gesamten Bezirk. Traditionell heißt der Gegner TSV Velden oder TV Geisenhausen, die den Rest Niederbayerns abdecken.

  • Bayern-Endturnier:

    Gewinnen die Babonen das Bezirksfinale, ziehen sie in die bayerische Endrunde ein. Highlight für jedes Team ist es, dort auf den FC Bayern zu treffen. Vor zwei Jahren rang der TSV den Bayern ein 0:0 ab.

Schlüsselspiele für das Team waren der 4:3-Auftaktsieg gegen den bisherigen Meister SG Saal/Teugn sowie im vorletzten Durchgang das hart erkämpfte 3:1 bei Vizemeister TSV Bayernbach um den Langquaider Ex-Bezirksliga-Kicker Bastian Haselbeck. „Bayerbach wollte uns unbedingt unsere makellose Bilanz verderben“, erinnert sich Huber.

Mit die wichtigste Funktion hat Spieler Christian Mayr – er ist Grillmeister am selbst gezimmerten Bruzzler. „Beim Spansau-Essen hat er seinen großen Auftritt“, sagen Trainer und Kapitän. Gemeinsam geht die Truppe auch auf Vatertagsausflug, zum Hellring oder zum Entenessen.

Über das Niederbayern-Finale wollen die Babonen ins bayerische Endturnier, wo wie vor zwei Jahren der FC Bayern warten könnte.

Coach Hans Zirzlmeier schaut drauf, dass auch alle dabei sind. „Und wichtig ist immer ein Grund für die Getränkelieferung zur dritten Halbzeit. Geburtstag, Einstand im Team, Gelbe Karte – irgendwas find’ sich schon.“ Die nächste drakonische Bestrafung zieht wohl Ralf Huber auf sich, der über den Trainer lächelnd sagt: „Gut, dass er den gesellschaftlichen Teil übernimmt. Fürs Match stellt er zwar auf, aber es spielt sowieso jeder, wie er will.“

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