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Fussballerleid

Karriere-Aus nach fünf Operationen

Bastian Schmiofski, der für Jahn, TuS und Abensberg kickte, muss mit 30 aufhören. Er spielte gegen Hummels – und Nagelsmann.
Von Martin Rutrecht

Bastian Schmiofski (l.), hier noch in den Farben des Freien TuS, muss seine Laufbahn abhaken. Archivfoto: Brüssel

Abensberg.Möglicherweise geht’s ins Bauerntheater. Zur Wahl stünde auch ein Vortrag über Fernreisen oder ein Kinobesuch. „Ich hätte nicht gedacht, dass man hier so viel machen kann“, sagt Bastian Schmiofski. Der 30-jährige Abensberger ist auf Reha in Bad Reichenhall und zumindest das Abendprogramm gestaltet sich abwechslungsreich. Tagsüber, so der frühere Bayernliga-Kicker, „arbeite ich an der Schmerzgrenze und darüber hinaus“. Auch wenn er gesund zurückkehrt – seine Fußballer-Laufbahn ist nach fünf Knie-Operationen innerhalb von nur dreieinhalb Monaten vorbei.

„Anfangs habe ich gehofft, dass es irgendwie weiter geht. Aber es geht nicht.“

Bastian Schmiofski

Junioren-Bundesliga-Spieler beim SSV Jahn, Bayern-Auswahlkicker in der Jugend, Landesliga- und Bayernliga-Spielzeiten mit den Rothosen und dem Freien TuS Regensburg, Bezirksliga-Aufstieg mit dem TSV Abensberg 2013 als Spielertrainer: „Es waren tolle Zeiten“, sagt Schmiofski, den sie „Ba“ rufen. Auf einen Schlag ist all das vorüber. „Mit 30 Jahren wollte ich noch nicht aufhören.“ Als „heftigen Schock“ erlebte er die Nachricht vom Karriere-Aus, verursacht durch einen Knorpelschaden im rechten Knie.

Vor fünf Jahren war der Babone vom Freien TuS zu seinem Heimatverein TSV Abensberg zurückgekehrt. In der Frühjahrsvorbereitung 2016 verspürte der Fußballer etwas vorher kaum Gekanntes: Schmerzen im rechten Knie. Er nahm sich Auszeiten, es wurde besser, er spielte, es wurde schlechter. Der Weg zu einem Fachmann war unausweichlich. Im MRT-Bild zeigte sich die Ursache: „Der Knorpel im Knie war großflächig abgenutzt. Was eigentlich wie ein Puffer zwischen Kniescheibe und Ober- und Unterschenkelknochen liegt, war nicht mehr vorhanden.“ Die Knochen knarzten aneinander.

Meniskuseinriss mit 15 Jahren

Knorpel sind Stützgewebe und sitzen wie eine Abfederung an den Knochen. Sie dämpfen Belastungen des Knies, etwa beim Sport. „Das Problem bei mir ist, dass ich mit 15 Jahren einen Meniskuseinriss hatte. Damals wurde ein Teil des Meniskus entfernt“, berichtet Schmiofski. Da dieser Stabilisator danach nur noch eingeschränkt wirkte, bekam der Knorpel höhere Belastung ab – „und wurde im Lauf von 15 Jahren so abgenutzt, dass er bis auf die Ränder verschwunden ist“.

Nach der ersten Diagnose hatte der Abensberger „noch die Hoffnung, dass es mit Fußball irgendwie weitergeht“. Denn zum Wiederaufbau des Knorpels gibt es einen Weg: Reste des Gewebes werden entnommen und in einem Labor zu neuem Knorpel gezüchtet.

„Die Entzündung im Knie hat meinen ganzen Körper ausgelaugt.“

Bastian Schmiofski

Die erste Operation zur Entnahme des Gewebes brachte die ernüchternde Erkenntnis, „dass die Schäden noch größer waren als angenommen“. Am 5. April 2017, erinnert sich Schmiofski genau, erfolgte dieser Eingriff. „Da war klar, dass es mit Fußball vorbei ist.“ Die Transplantation mit dem neu gezüchteten Knorpel erfolgte drei Wochen darauf in einer zweiten Operation. Dritter Eingriff war ein Teilersatz am Meniskus, um auch diesen „Stoßdämpfer“ mehr ins Spiel zu bringen.

Es lief alles nach Plan – bis sich eine Entzündung im Knie einstellte. „So schlecht wie in diesen Wochen ist es mir noch nie gegangen. Eine solche Entzündung haut den ganzen Körper zusammen. Wenn ich aufs Klo und zurück ging, brauchte ich eine Stunde, um wieder zu Kräften zu kommen.“

Im Video gibt es einen Bericht über den TSV Abensberg und ein Interview mit Bastian Schmiofski und seinem damaligen Trainer-Kollegen Max Glamsch:

Zumindest waren keine Bakterien ins Knie eingedrungen, was noch größere Komplikationen gebracht hätte. So genügte die Spülung des Knies – Operation Nummer vier – zur Säuberung der Schleimhäute. Doch der Eingriff brachte keine Besserung. „Im Gegenteil: Die Entzündungswerte sind gestiegen.“ Erst der fünfte Eingriff brachte die erhoffte Linderung. „16 Tage lang war ich mit einer Schiene von Oberschenkel bis Knöchel völlig ruhig gestellt, damit das Knie komplett ausheilen kann.“

„Am meisten tut weh, dass ich nie mehr Teil eines Teams sein kann.“

Bastian Schmiofski

In der Reha wird nun an der Rückkehr zur Beweglichkeit gearbeitet. „Ich kann das Knie nur bis 90 Grad abwinkeln und das Bein nicht durchstrecken. Erschreckend war, wie schnell der Oberschenkelmuskel abgebaut hat.“ Über Gymnastik, Wasseranwendungen, Magnetfeld-, Ultraschall- und Elektrotherapie und Massagen geht es Stück für Stück voran. „Ich sehe Fortschritte und dafür bin ich bereit, mich zu quälen.“

Theoretisch könnte er nach zwei, drei Jahren an ein Fußball-Comeback denken. „Aber die nächste Stufe wäre ein künstliches Knie. Darauf habe ich mit Anfang 30 keine Lust.“ Deshalb finde er sich mit dem Karriereende ab. „Am meisten tut weh, dass ich nicht mehr Teil eines Teams sein kann.“

Ein Mitspieler wechselte zu Donezk

Erreicht hat der Teamkoordinator für Glasfasernetz-Ausbau bei der R-kom in Regensburg in seiner Laufbahn einiges. Als vierjähriger Bub begann er beim TSV Abensberg, angestachelt vom Papa und seinem älteren Bruder Johannes. Über den Vater von Marian Faltermeier, der für den 1. FC Nürnberg II, SV Seligenporten oder BC Aichach bis in die Regionalliga kickte, kam Schmiofski zum Jahn. „Sein Vater war mein Coach in der B-Jugend und fragte mich, ob ich beim SSV zu einem Probetraining vorbei schauen möchte.“ Der junge Spieler präsentierte sich und gefiel auf Anhieb.

Bastian Schmiofski als Jungspund beim Jahn in der Jugend-Bundesliga – hier gegen den VfB Stuttgart. Foto: Archiv-Schneider

Mit 15 Jahren wechselte er zum Jahn. Es begann eine sportlich starke Zeit. „Wir wurden mit der U17 Landesliga-Meister und sind in die Bayernliga aufgestiegen. In der U19 haben wir den Bayernliga-Titel geholt und sind über Aufstiegsspiele gegen den FC Augsburg 2005 in die Bundesliga hoch gekommen“, erinnert sich Schmiofski. Aus der folgenden Bundesliga-Saison sind ihm noch Gegenspieler anderer Klubs geläufig, die heute im Profi-Fußball stehen: Sandro Wagner, Mats Hummels, Lars Bender, Sven Ulreich, Adam Szalai oder Ömer Toprak – und Julian Nagelsmann, der heutige Trainer der TSG Hoffenheim.

„Ich selbst hatte keine größeren Ambitionen auf eine Profi-Laufbahn. Mir war schon damals eine berufliche Ausbildung wichtig, allein wegen der Verletzungsgefahren im Fußball“, sagt „Ba“. Aus seinem Team schafften es später Keeper Rouven Sattelmeier (Jahn, FC Bayern II, 1. FC Heidenheim, Bradford City), Anton Shynder (Shakhtar Donezk) und Florian Tausendpfund (TSV 1860 München II und Heidenheim) in den Bezahlfußball.

„Sport bleibt Teil meines Lebens“

Er selbst wurde in der Jugend zum bayerischen Auswahlspieler und erinnert sich noch lebhaft an ein internationales B-Junioren-Turnier mit dem Jahn in Aberdeen gegen Teams aus USA, Schweden, Schottland, England und Belgien. Der Vizemeistertitel bei der bayerischen Hallenmeisterschaft 2006 war ein weiteres Highlight in der U19. Fürs zweite Herren-Team des SSV spielte er in Landes- und Bayernliga.

„Ich versuch’s mal mit Radfahren. Aber ein Ball wäre mir lieber.“

Bastian Schmiofski

Vor genau zehn Jahren ging Schmiofski zum Freien TuS. „Das Umfeld beim Jahn war damals nicht optimal, der TuS hatte mich schon im letzten Juniorenjahr angesprochen.“ Die Regensburger erlebten mit dem Abensberger 2010 mit Landesliga-Titel und Bayernliga-Aufstieg eine Sternstunde. 2012 kehrte „Ba“ zu seinem Heimatverein zurück. „Meine Frau Daniela eröffnete damals eine Ergotherapie-Praxis in Abensberg und ich hatte das Pendeln nach Regensburg zum Kicken satt.“ Seine Eltern und seine Frau hätten ihn im Lauf der Jahre immer wieder unterstützt, ergänzt er.

2012 übernahm Bastian Schmiofski zusammen mit Max Glamsch das Traineramt bei seinem Heimatverein TSV Abensberg. Foto: TSV Abensberg

Sport, sagt Bastian Schmiofski, werde Teil seines Lebens bleiben. „Ich brauche das zum Auspowern, zum Rausschwitzen.“ Der Gedanke an Betätigungen wie Radfahren weckt aber noch keine große Begeisterung. „Schau mer mal, ob mir das Spaß bereitet. Im Fußball habe ich jede Konditionseinheit mitgemacht, aber die größte Freude hatte ich am Ball.“

Bei seinen Abensberger Teamkollegen hat er in der Verletzungspause immer wieder vorbei geschaut. „Mich kitzelt’s nicht. Ich stehe vor einem neuen Lebensabschnitt.“ Sorge macht ihm nur, dass ein neuerlicher Eingriff nötig werden könnte, wenn die Beweglichkeit im Knie nicht hergestellt werden kann. Es wäre Operation Nummer sechs.

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