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Judo

TSV Abensberg setzt eine Europacup-Zäsur

Seit 25 Jahren stehen die Judoka in der Königsklasse. Heuer fehlen sie, trotz einer Wildcard – was der TSV zu spät erfuhr.
Von Martin Rutrecht

Sieben Mal gewann der TSV Abensberg in den letzten 25 Jahren den Europacup, zuletzt 2013 mit Weltstars wie Ilias Iliadis (Mitte). Foto: Archiv

Abensberg.Im Jahr 1994 gewann Michael Schumacher seinen ersten Formel 1-WM-Titel. In den USA jubelte man Fußball-Weltmeister Brasilien zu. Weniger geläufig dürfte sein, dass in jenem Jahr das Abkommen über den Erhalt der europäischen Fledermauspopulation in Kraft trat. Und weltumspannend war auch nicht die Nachricht vom ersten Europacup-Sieg des TSV Abensberg – doch im Judosport galt es als Sensation.

„Wir hatten den Europacup nicht auf dem Zettel – plötzlich rief der DJB an.“

Jürgen Öchsner

Insgesamt sieben Mal sicherten sich die Abensberger seit damals den Titel bei der Vereins-Europameisterschaft, die heute als „Golden League“ tituliert wird. Zum ersten Mal traten die Babonen 1992 an. Ein Vierteljahrhundert danach werden die Niederbayern heuer erstmals fehlen. „Wir starten 2017 nicht im Europacup. Weil wir im vergangenen Jahr in der zweiten Liga kämpften, haben wir kein Startrecht. Dafür ist ein Medaillenplatz in der Bundesliga erforderlich“, erklärt TSV-Cheftrainer Jürgen Öchsner.

1994 feierte Abensberg in Paris zum ersten Mal den Triumph. Foto: Archiv

Trotz ihres Rückzugs in die Regionalliga vor zwei Jahren waren die Abensberger 2015 und 2016 dabei – weil sie in der „Golden League“ jeweils einen Podestplatz schafften, was die Qualifikation fürs nächste Jahr bedeutet. Im Vorjahr erreichte der TSV „nur“ Rang fünf – und stieg so in die Europa-Liga ab, quasi die Europa-League wie im Fußball. Dort kann man nur mit einem Podestplatz in der Bundesliga teilnehmen, was Abensberg als Zweitligist im Vorjahr freilich nicht realisieren konnte. „Deshalb spielte der Europacup heuer in der Planung auch keine Rolle, wir haben den Fokus auf den Einzug ins Bundesliga-Finalturnier gelegt, was wir auch souverän geschafft haben“, so Öchsner.

Die Abensberger Judoka haben eine neuen Imagefilm. Hier sehen Sie ihn:

Doch Anfang Oktober erhielt der TSV einen Anruf vom DJB (Deutscher Judobund). „Wir wurden gefragt, ob wir in der Europa-Liga Ende November starten“, gibt der Coach die verblüffende Anfrage wieder. „Wir hatten keine Ahnung, dass wir ein Startrecht haben. Offensichtlich ist das so eine Art Wildcard, weil der Wettbewerb heuer in Wuppertal steigt.“

DJB will schnell eine Antwort

Der DJB bat um Zu- oder Absage binnen weniger Tage – und setzte hinzu, dass die TSV-Aushängeschilder Sebastian Seidl und Manuel Scheibel beim Europacup wegen eines Trainingslagers in Japan fehlen würden. „Im Grunde hätten wir ab da nicht mehr nachdenken müssen, aber wir sind trotzdem mit der Anfrage in die Teambesprechung gegangen. Der einhellige Tenor war, dass wir aus personellen und wirtschaftlichen Gründen nicht teilnehmen können.“

MZ berichtet live vom Bundesliga-Finale

  • Finalturnier:

    In zehn Tagen steigt am Samstag, 4. November, das „Final Four“ der Judo-Bundesliga. Der TSV Abensberg trifft dabei in Leipzig im Halbfinale auf Meister Hamburg. Bei einem Sieg würde der Gewinner aus der Paarung JC Leipzig gegen KSV Esslingen warten.

  • Live-Schaltung:

    Am 4. November wird die Mittelbayerische Zeitung mit Ticker, Videos und Interviews aus Leipzig berichten. Den Link finden Sie dann unter: www.mittelbayerische.de/kelheim

Hinter dem wirtschaftlichen Aspekt verbergen sich Ausgaben für Reise, Quartier und ausländische Judoka, die anreisen müssten. „Man braucht Legionäre, sonst ist man selbst in der Europa-Liga verloren. Im Wuppertal kämpfen 13 Klubs um vier Aufstiegsplätze“, so Öchsner. Deutschland wird von Meister Hamburg JT und KSV Esslingen vertreten. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Info über unser Startrecht früher eingetroffen wäre.“

Teammanager sieht kein Comeback

Für den TSV Abensberg bleibt der Vereins-Europacup „eine riesen Plattform. Da wir heuer einen Medaillenrang in der Bundesliga sicher haben, fassen wir 2018 die Europa-Liga ins Auge.“ Einen Blankoscheck fürs Comeback will Öchsner nicht unterschreiben. „Wir stehen im Umbruch, Chris Völk und Sven Maresch hören auf. Wir müssen sehen, welche neuen Kräfte kommen.“

2012 brachte der damalige Coach Radu Ivan den Pott aus Istanbul heim. Archivfoto: Pieknik

Zurückhaltend gibt sich Teammanager Fabian Seidlmeier: „Im Moment kann ich es mir nur schwer vorstellen, in den nächsten Jahren wieder daran teilzunehmen. Es macht nur Sinn, wenn wir sportlich konkurrenzfähig sind.“ Emotional sprechen die vielen „tollen Geschichten“ im Europacup für ein Comeback. „Im Vorjahr hatten wir in der Golden League eine Armdrückmeisterschaft laufen. Olympia-Starter Marc Odenthal hat unseren Trainer im Finale besiegt“, schmunzelt der frühere Athlet.

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