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Sport aus Kelheim
Montag, 18. Dezember 2017 3

Geburtstag

Wettberg geht mit Jupp auf einen Kaffee

Das Trainer-Idol wird 76 und spricht über einen Deal mit dem FC Bayern-Coach, einen 97-jährigen Freund und die letzten Dinge.
Von Martin Rutrecht

Ein Prost dem Jubilar: Trainer-Legende Karsten Wettberg feiert am Freitag seinen 76. Geburtstag. Foto: Archiv

Elsendorf.Karsten Wettberg geht ins Seniorenheim. Jeden Donnerstagnachmittag besucht er einen 97-jährigen Freund. „Walter Beltinger war eine Art Ziehvater im Fußball für mich“, erzählt Wettberg. Wenn ihm sein strenger Vater, Pastor in Mainburg, wegen Flausen die Fußballschuhe wegnahm, brachte Obstlieferant Beltinger dem Buben, der sich trotzdem auf den Platz schlich, Schlappen ins Training. „Danach hat er sie wieder weg gepackt, daheim durfte sie keiner sehen.“

„Die Vorstellung, dement zu werden, macht mich schnell demütig.“

Karsten Wettberg

An seinem Mentor bewundert der Kult-Trainer die geistige Fitness. „Wir können uns rege austauschen. Ich hoffe, dass mir diese Klarheit im Kopf auch lange erhalten bleibt“, sagt der „König von Giesing“ aus Elsendorf, der am Freitag seinen 76. Geburtstag feiert. „Das Älterwerden lässt sich gut aushalten. Aber die Vorstellung, dement zu werden, macht mich schnell demütig. Das muss schlimm sein.“

125 Liegestützen pumpt Karsten Wettberg auch mit 76 noch täglich. Archivfoto: wo

Das Lied auf den erfolgreichsten Amateurtrainer Deutschlands wurde oft gesungen. Der Zweitliga-Aufstieg mit dem TSV 1860 München im Jahr 1991 macht den Elsendorfer bei den Löwen unsterblich. Wettberg führte den SSV Jahn Regensburg von der Landesliga in die damalige Regionalliga Süd, trainierte die FC Ingolstadt-Vorgänger MTV und ESV, die SpVgg Landshut, ASV Cham, den Freien TuS Regensburg, SV Seligenporten und zuletzt ATSV Kelheim, FC Mainburg und SV Donaustauf. Dort wurde er heuer Anfang August nach nur zweimonatiger Amtszeit abgesetzt. „Das Thema ist abgehakt, Donaustauf bleibt in guter Erinnerung“, sagt Wettberg sachlich.

125 Liegestützen am Tag

Der vorzeitige Abgang wirft nur einen kleinen Schatten auf seine Vita. Bei 54 Titeln und Aufstiegen sind die Chronisten bei seiner Person mittlerweile angelangt. Seit er in den 1970er-Jahren als Spielertrainer beim SV Saal begann, hat er über 15 Klubs gecoacht. Mit nun 76 Jahren neigt sich die Laufbahn dem Ende zu, deutet er selbst an. „Ich will nicht sagen, dass ich kein Traineramt mehr übernehme. Aber es müsste schon ein ganz besonderes Angebot sein.“ Anfragen habe er, „ich habe alles abgelehnt“.

Im Jahr 1989 griff FC Bayern-Coach Jupp Heynckes nach Manni Bender, der bei Wettberg in Unterhaching spielte. Foto: dpa-Archiv

Lange Anfahrtswege zu einem Verein will er nicht mehr auf sich nehmen. „Diese Fahrerei ist eine riesen Belastung geworden.“ Vor gut 40 Jahren bauten seine Frau und er in Elsendorf ein schönes Eigenheim „und wir genießen die herrliche Landschaft“. Noch immer macht Wettberg fast täglich eine Tour mit dem Rennrad. „Leider lassen die Spezln aus. Wir werden halt nicht jünger.“ Mal 30, mal 60 Kilometer strampelt er ab. „Früher haben wir immer einen Zwischenstopp in Bad Gögging oder Abensberg gemacht, wo der Judo-Macher Otto Kneitinger uns am Stadtplatz begrüßt hat.“

Und natürlich, seine täglichen Liegestützen gehören nach wie vor dazu, „125 Stück am Tag und zweimal in der Woche 150“. Mit einem Sit-Up-Gerät und speziellen Übungen hält er trotz einer künstlichen und zwei versteiften Bandscheiben die Rückenschmerzen in Grenzen. Sein Gewicht halte er bei 68 Kilogramm, „ich esse ganz wenig Fleisch, umso mehr freue ich mich mal auf ein Schnitzel. Ich fühle mich hervorragend. Ich tue viel dafür“, sagt Wettberg. „Aber der da oben“, deutet er himmelwärts, „muss mitspielen“.

Tägliches Telefonat mit Heynckes

Der heutigen Fußballer-Generation fühle er sich nach wie vor verbunden. „Bei der Musik kann ich nicht mithalten, da bin ich bei Elvis und den Beatles stehen geblieben. Aber im Fußball bin ich stets aktuell dabei.“ Dazu tragen auch fünf Tageszeitungen sowie montags der Kicker bei, die er liest. „Und mit Jupp Heynckes sind die älteren Trainer ja im Kommen“, lächelt er.

Den Coach des FC Bayern München bezeichnet er als „alten Freund“. In der Tat waren Wettberg und Heynckes Ende der 1980er-Jahre eng miteinander im Austausch. Der Elsendorfer war damals Coach der SpVgg Unterhaching, Jupp trainierte erstmals die Bayern. „Es ging um Spieler Manni Bender. Die Bayern wollten ihn 1989 unbedingt von Haching zu sich holen. Wir hatten aber die Chance, über die Aufstiegsspiele in die zweite Liga hoch zu kommen. Deshalb gab es zwar einen Vorvertrag, aber Manni blieb noch.“

„Jupp hat gedroht, er schickt Manni mit Egon Cordes in den Wald.“

Karsten Wettberg

So entstand die fast kuriose Situation, dass Bender vormittags unter Heynckes schon bei den Bayern mittrainierte und am Nachmittag in Unterhaching unter Wettberg. „Jupp hat mich täglich angerufen und informiert, was gemacht wurde.“ Der ziemlich selbstbewusste Bender, der für die Bayern und dann für den Karlsruher SC und TSV 1860 München spielte, trat beim Rekordmeister nicht eben schüchtern auf. Einmal schimpfte Heynckes laut Wettberg am Telefon: „Sag dem Manni, wenn er sich noch einmal so aufführt, schicke ich ihn mit dem Egon Cordes in den Wald.“ Co-Trainer Cordes war ein gefürchteter Schleifer. Haching schaffte mit Bender übrigens noch den Sprung in die 2. Bundesliga, verletzte sich aber in einem der Aufstiegsspiele.

Durch den Zweitliga-Aufstieg mit den Löwen 1991 setzte sich der Elsendorfer bei TSV 1860 München ein Denkmal. Foto: Archiv

Später begegneten sich Wettberg und Heynckes noch einmal, als die Bayern in Jupps dritter Münchner Amtszeit ein Testspiel gegen Seligenporten absolvierten. „Seine alte Handynummer habe ich noch, die neue kriege ich raus. Ich möchte mit Jupp auf einen Kaffee gehen. Das sage ich nicht nur so, das mache ich auch“, erklärt Wettberg.

Dass das Herz des 2002 pensionierten Postoberamtsrats weiterhin für die Löwen schlägt, ist selbstverständlich. Der Elsendorfer freut sich über den „Glücksfall Bierofka“. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, schon an Titel und Drittliga-Aufstieg zu denken. Es wird noch hart.“

Für Wettberg wäre auch ein Nichtaufstieg verkraftbar, „wenn es die Löwen trotz Herzblut und Leidenschaft nicht schaffen sollten. Auftritte wie gegen den Jahn will aber keiner mehr sehen.“ Wichtig sei, dass man mit Investor Hasan Ismaik „mit Vernunft“ eine Lösung erziele. „Er hat rund 70 Millionen Euro reingesteckt und wird kein Interesse daran haben, dass alles den Bach runter geht.“ Wettberg selbst kann sich vorstellen, die Löwen im Scoutingbereich zu unterstützen. „Für die 60er tue ich alles.“

Sein erster Sohn starb als Baby

Die neue Fan-Euphorie löst auch beim ständigen Zaungast im Grünwalder Stadion Begeisterung aus. „Wie viele junge Menschen da dabei sind! Ich glaube, ein Teil von ihnen hat auch genug vom hoch bezahlten Profitum.“

Dem Beruf blieb er treu

  • Postler:

    Trotz seiner vielen Trainerengagements blieb Karsten Wettberg bis zu seiner Pensionierung im Postdienst. In den letzten Jahren vor seinem Ruhestand war er Personal- und Betriebsrat.

  • München:

    In der Landeshauptstadt hatte Wettberg zur Fußball-WM 1974 die Leitung der Sonderpostämter über. „Das war eine schöne Zeit, bald danach kam auch noch die Eishockey-WM.“

Ruhestand ist für den 76-Jährigen ein Fremdwort. Der SPD-Kreisrat übt auch eine ehrenamtliche Sportberater-Tätigkeit für den Kelheimer Landrat aus und will unter anderem Kunstrasen-Projekte anschieben. An seinem Geburtstag sitzt er in einer Kreistagung und besucht anschließend Versammlungen bei FC und TSV Mainburg.

Auch wenn Karsten Wettberg sehr aktiv ist, die letzten Dinge hat er schon geregelt. „Wir haben ein Familiengrab in Mainburg. Dort liegt auch unser erster Sohn begraben, der als Baby verstorben ist. 42 Jahre wäre er heuer geworden.“ Nicht jedem gönnt der da oben ein langes Leben.

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