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Sport aus Kelheim
Sonntag, 23. Juli 2017 30° 2

Rückkehr

Der TSV Abensberg kam, sah und siegte

Der Rekordmeister feiert den perfekten Einstand in der Judo-Bundesliga – kein Wunder, wenn ein DEL-Physio fürs Team kämpft.
Von Martin Rutrecht

Dominik Gerzer (in blau) wurde zum Held des Tages. Fotos: Steffl (1)/Rutrecht (3)

Abensberg.Franz Hueber verbrachte zwei karge Jahre. „Ich habe auf Diät gelebt“, sagte der Vorsitzende des Fanclubs von Judo-Rekordmeister TSV Abensberg schmunzelnd. Nun aber war sie zurück in der Babonenstadt, die höchste Liga der Nation. Und eindrucksvoll meldeten sich auch die Abensberger Judoka zurück: Mit einem 10:4 über den JC Ettlingen glückte ein perfekter Einstand nach dem Wiederaufstieg.

„Der Gegner is’ ein bissl ein Ungustl.“

Aaron Fara

Die Vorfreude war groß im Lager der Hausherren, dem Gegner schwante dagegen Übles. „Abensberg ist genauso gut wie vor dem Rückzug“, erklärte Ettlingens 66 kg-Athlet Sebastian Hofäcker, „für uns wird das heute schwierig.“ Abensbergs neuer Teammanager Fabian Seidlmeier, der als aktiver Kämpfer mit einem echten Gamsbart und einem Anhänger für die Charivari-Trachtenkette verabschiedet wurde, übte sich derweil als Hallensprecher und lief im Verlauf des Abends zur Hochform auf, als er Sven Maresch (81 kg) die „Ausdauer eines Pferdes“ attestierte.

Trainer Jürgen Öchsner (l.) freut sich mit dem starken David Krämer.

Zum neuen Publikumsliebling bei den Babonen könnte der österreichische U21-Europameister Aaron Fara avancieren, auch wenn er zum Auftakt beide Duelle bis 100 kg gegen Routinier Dino Pfeiffer verlor. „Das is’ ein bissl ein Ungustl“, schnodderte der 19-jährige Bundesheer-Korporal vor seinem Auftritt im schönsten Wienerisch. Danach gestand er, sich zu „büllig“ verkauft zu haben. Mit Bairisch habe er kein Problem, „meinte Mutter is’ aus Salzburg.“

Neue und „alte“ Recken überzeugen

Die erste Niederlage des Österreichers eröffnete den Kampftag. Doch David Krämer (73 kg) korrigierte umgehend. „Ich habe schon im ersten Bodenansatz gemerkt, dass ich meinen Gegner festmachen kann. Als seine Kräfte nachließen, hat’s geklappt.“ Neuzugang Benjamin Münnich (81 kg) aus Köln machte gegen den DM-Siebten Soshin Katsumi dort weiter und Philip Graf (60 kg) unterstrich, dass seine zuletzt schwächeren Leistungen nur Ausrutscher waren.

Der gehörlose TSV-Judoka Daniel Scheller (l.) durfte zum ersten Mal ran.

Als Mann des Tages entpuppte sich der 29-jährige Dominik Gerzer. Sein erster Fight gegen den Georgier Daviti Loriashvili ging bei Gleichstand in die Verlängerung. Erst nach insgesamt 6:12 Minuten stand der TSV-Athlet als Sieger fest, nachdem sich sein Kontrahent eine unerlaubte Attacke geleistet hatte. „Das war Schwerstarbeit. Mit meinem Griffkampf bin ich nicht hingekommen und konnte nur versuchen, über die Länge des Duells Vorteile zu erarbeiten.“ In seinem zweiten Kampf gegen Sergej Ryapalov packte Gerzer eine sehenswerte Technik zur entscheidenden Wertung aus.

Krafteinheit neben den Eishockey-Profis

Auf die Frage nach seiner erstaunlichen Kondition als Teilzeit-Judoka verwies „Gerz“ auf seinen neuen Job. „Ich arbeite als Physiotherapeut beim DEL-Klub ERC Ingolstadt. Für mich ist das ideal: Während die Eishockey-Profis im Training sind, gehe ich in den Kraftraum. Und am Abend bin ich auf der Judo-Matte.“ In der Judo-Bundesliga hätten sich die Kräfteverhältnisse angeglichen. „Aber wir haben einen Teamgeist, der noch größer ist als vor unserer Auszeit.“

„Ich bin so glücklich, dass ich antreten durfte.“

Daniel Scheller

Diesen Spirit unterstrich auch U23-Vize-Europameister Manuel Scheibel (66 kg), obwohl er nach Trainingslagern mit dem Nationalteam und seiner ersten Männer-EM „völlig leer“ war. Im ersten Kampf gegen Hofäcker unterlag der Biburger im Golden Score. Im zweiten Durchgang gegen Philipp Dahn hätte er sein Duell abgeben können (der Gesamtsieg stand fest), aber Scheibel war nach Rückstand derart heiß, dass er sein Gegenüber noch richtig vermöbelte. „Vor den Fans und den Jungs will ich nicht mit zwei Pleiten von der Matte.“

Debüt für gehörlosen Athleten

Mit dem 5:2-Pausenstand war der Weg geebnet. Fara verlor zwar erneut, aber der sehr konzentrierte Christopher Völk (73 kg) und „Pferde-Lunge“ Maresch sorgten für die Vorentscheidung. Beide Athleten verkörpern die neue Mitte des Babonenkaders: International haben sie abgedankt, aber in Deutschland können sie jeden schlagen. Dorthin muss Bundesliga-Neuling Daniel Scheller (60 kg) erst kommen. Der gehörlose Youngster bekam die Chance auf sein Debüt, sah aber gegen den Georgier Giorgi Brolashvili kein Land, überstand aber zumindest die vier Minuten Kampfzeit. „Ich bin so glücklich, dass ich antreten durfte“, sagte der 19-Jährige, „ich wollte mein Bestes geben und nur nicht vorzeitig verlieren. Das ist mir gelungen. Jede Minute nehme ich als Erfahrung mit.“

Und schon feiern sie wieder, die Abensberger.

Den Haken unter den Kampftag machten Gerzer, Scheibel und Odenthal mit geschmeidigen Erfolgen. „Wir haben die Aufgaben voll erfüllt“, zeigte sich Teammanager Seidlmeier sehr zufrieden. „Wenn man bedenkt, dass Sebi Seidl und Robert Dumke noch verletzt fehlen, sieht man, dass wir wieder mitten im Geschäft sind. Es muss uns erst jemand schlagen.“ Dumke hatte sich übrigens beim Fußball den Ellbogen ausgekugelt – „das gibt wieder Gespött“, lachte der Athlet.

Coach Öchsner war stolz auf die Truppe. „Das Ergebnis zeugt von unserer Klasse.“ Für ein paar Fernsehaufnahmen sollte er dann noch ein paar TSV-Athleten auf die Matte bitten. „Du, Marc, komm’, wir brauchen ein paar gute Judoka!“, griff er nach dem Rio-Olympioniken Odenthal. „Ich meld’ mich, wenn ich welche seh‘“, gab der Spitzenmann schlagfertig zurück. Die Stimmung in Abensberg war gelöst nach zwei Jahren Diät.

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