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Sport aus Kelheim
Montag, 11. Dezember 2017 4

Themenwoche

Die Gesichter hinter dem Fußball

Trainerfrau wäscht für Offenstettens Herren, 90-Jährige feuert Abensberg an, Willi tischt in Thaldorf auf und Fans brennen.

Heike Mühl ist einer der Menschen hinter den Vereinen der Region. Am Wochenende packt sie schon mal fünf bis sechs Wäscheladungen zusätzlich für den TSV Offenstetten in die Maschine. Foto: Pieknik

Sie heiratete einen Verein

Die Familie Mühl lebt für den Fußball. Foto: Pieknik

Heike Mühl wusste, auf was sie sich einlässt, als sie vor elf Jahren mit ihrem Sascha den Bund fürs leben einging. „Ich hab’ schon gewusst, dass ich da einen ganzen Verein mit heirate“, sagt die Schwäbin und lacht. Ihr Mann war fußballerisch ein Spätzünder. 1999 hat er mit 24 Jahren angefangen. „Aber ich hatte Glück, dass ich mal einen Torwarttrainer gehabt habe. Der war Jugoslawe, sein Sohn hat bei uns Fußball gespielt und der hat mit mir trainiert.“ Die Folge: Sascha Mühl machte 2012/2013 selber in Oberhaching beim Bayerischen Fußballverband die Ausbildung zum Torwarttrainer.

Heute ist er Torwarttrainer für alle Jugendmannschaften sowie für die erste und zweite Mannschaft und die Reserve. Selber spielt er noch aktiv bei den alten Herren (AH) und hilft bei Engpässen in der ersten und zweiten Mannschaft aus. Außerdem ist er Schriftführer in der Abteilung Fußball. „Summasummarum sind es drei Tage in der Woche, an denen ich nicht auf dem Fußballplatz bin.“ Der 13-jährige Sohn Daniel spielt schon seit acht Jahren im Verein. Wie Papa Sascha steht er im Tor. Und dank Papa Sascha hat er seinen Coach immer Daheim.

„Am Wochenende sind es fünf bis sechs Wäscheladungen.“

Heike Mühl

Damit das funktioniert, musste sich die Familie Mühl arrangieren. „Wir haben Kompromisse geschlossen und das klappt ganz gut“, sagt Heike Mühl. Sie selber bringt sich aber auch kräftig mit ein. Abgesehen von diversen Kuchenback-Aktionen zu Festen und sonstigen Gelegenheiten wäscht sie zum Beispiel Trikots. „Am Wochenende sind das fünf bis sechs Wäscheladungen zusätzlich zu unserer normalen Wäsche. Das sind drei Manschaften, für die ich wasche: Erste Mannschaft, Reserve und AH.“ Das sei aber nicht so schlimm, wie es sich anhört. „Dadurch, dass sich die Trikots fast von alleine waschen, dass man nicht bügeln braucht, und dass die Funktionswäsche relativ schnell trocknet, geht das schon.“ Was bleibe, sei lediglich das zusammenlegen und das einräumen. Und das gehe flott von der Hand. „Zumal ich ja wieder bis zur kommenden Woche Zeit habe. Bis die Trikots wieder gebraucht werden, kann ich mir die Zeit dafür relativ gut einteilen.“

Die Mühls sind eng mit dem Verein verbandelt. „Das ist das Thema Ehrenamt“, sagt Sascha Mühl. Er weiß, dass der Aufwand, den seine Familie betreibt nicht die Regel ist. „Aber jeder Verein braucht Leute, die sich einbringen. Sonst funktioniert kein TSV Offenstetten, kein Sandharlanden, kein Biburg et cetera – die ganzen kleineren Kelheimer Vereine würde es nicht geben. (sk)

Treuer Fan seit 75 Jahren

Josefa Paintl: Seit 1941 hat sie kaum ein Abensberger Heimspiel verpasst. Foto: Neumaier

Sie hat schon einige Generationen von Spielern kommen und gehen sehen. Wie viele Trainer sie beim TSV Abensberg schon erlebt hat, daran kann sie sich nicht mehr erinnern. Sie ist die treueste der Treuen. Wenn ¨Josefa „Bepperl“ Paintl bei den Heimspielen des TSV nicht an der Seitenlinie steht, dann fehlt etwas. Die 90-Jährige hat seit 1941 kaum ein Heimspiel der Babonen verpasst, sagt sie. „Nur wenn ich krank war, war ich mal nicht dabei.“

Lediglich bei Auswärtsspielen reißt ihre 75-jährige Serie mittlerweile regelmäßig, „weil das meine Schwester nicht mehr mitmacht. Sie müsste mich ja fahren“, sagt Bepperl Paintl. Denn: Die 90-jährige Abensbergerin kann nicht selbst Autofahren, hat es nie gelernt, ist sie doch seit ihrer Kindheit an den Rollstuhl gefesselt. Dass ihr dadurch selbst eine sportliche Karriere verbaut war – „ob ich selbst gerne Fußball gespielt hätte, weiß ich aber gar nicht“ –, hat ihren Ehrgeiz als Zuschauerin nur angefeuert: „Am liebsten sehe ich natürlich Abensberger Siege oder zumindest Unentschieden – auch wegen dem heimatlichen Frieden: Denn wenn wir verlieren, muss meine Familie zu Hause meine schlechte Laune ausbaden.“ Auch daheim dreht sich 24 Stunden am Tag alles um Fußball. Bepperl Paintl zeichnet sogar Spiele auf, nur um sie bei einem zweiten Durchlauf genauer zu analysieren.

„Wenn wir verlieren, habe ich daheim schlechte Laune.“

Josefa Paintl

Die Analyse der vergangenen Abensberger Saison fällt klar aus: „Wir haben ein bisschen Glück gehabt, aber in der Rückrunde endlich zu unserem Spiel gefunden. In der kommenden Saison möchte ich aber bitteschön nicht mehr so lange zittern müssen“, sagt sie. Die Bezirksliga sei für Abensberg genau die richtige Liga – darauf musste der Edelfan der Babonen allerdings geschlagene 45 Jahre warten. „Ich habe noch die alten Bezirksliga-Zeiten erlebt, im Alten Stadion – schön, dass ich den Aufstieg noch mitfeiern durfte.“

Bei aller Freude gebe es aber auch einen Nachteil am Aufstieg vor drei Jahren: „Ich finde es schade, dass I. und II. nun oftmals an verschiedenen Tagen spielen, denn so sehe ich weniger und die Jungs der II. und III. haben nur wenig Zuschauer. Die spielen auch guten Fußball und hätten mehr Interesse durchaus verdient.“

Paintl ist aber nicht nur treuer Fan, sondern sozusagen auch Mäzen: Seit zig Jahren sponsert sie mindestens einen Spielball pro Jahr – natürlich immer den neusten und besten Adidas-Ball, versteht sich. „Das ist mir ein persönliches Anliegen“, sagt sie. (nb)

Beim Willi (86) zum Schafkopfen

Beim SC Thaldorf-Wirt Willi Wimmer treffen sich Kicker und Schafkopf-Runden. Foto: Stöcker

Eine schwarzharige Schönheit schäkert vom Balkon des Gasthauses Wimmer mit den Burschen unten im Hof, eine Bedienung trägt einen Schwung Maßkrüge zu ihnen, am Boden dösen Hunde in der Sonne. Diese gemalte Szene ziert eine Wand in der Gaststube in Unterwendling. Sie ist alt. In der Luft hängt der Geruch von unzähligen erkalteten Holzfeuern, auf zwei Tische verteilen sich sieben ältere Herren, vier von ihnen sind beim Schafkopfen, einer von ihnen ist Willi Wimmer. Und der Wirts Willi ist auch alt. 86 Jahre um genau zu sein.

Nicht nur ist er Gründungsmitglied des SC Thaldorf. Seine Gaststätte ist zugleich Gründungsort und Vereinslokal. Neben den zahllosen Pokalen aus 48 Jahren Vereinsgeschichte, Fotos der Mannschaften und einer Ahnengalerie der verstorbenen Mitglieder fällt der Blick auf ein mit Filzstiften handgemaltes Plakat: Es ist die original Einladung zur Gründungsversammlung des SC Thaldorf am 21. September 1968. Ein Zeitdokument mit den Unterschriften der Gründungsmitglieder. Hier finden alle Spielersitzungen statt. Hier hat der SC Thaldorf sein Wohnzimmer. Hier gibt’s seit der Gründung WWW – Wirts Willis Wurstsalat. Und hier entstanden Anekdoten.

„Mal wollten’s nicht heimgehen. Da hab’ ich die Sicherungen raus’draht.“

Willi Wimmer

„Früher hatten wir hartgesottene Kartenspieler im Verein, die nach der Spielersitzung oft die ganze Nacht Schafkopf spielten“, plaudert Vorsitzender Rudi Gaillinger aus dem Nähkästchen. „Da kam es schon mal vor, dass Willi ins Bett ging. ‚Wenn’s fertig seit’s, dann schalt’s as Liacht aus...‘, hat er gesagt.“

Willi Wimmer hat die Geschichte anders in Erinnerung: „Die wollten nicht heimgehen. Da hab’ ich ihnen die Sicherung rausgedreht und bin ins Bett. Da haben die im Schein von übrig gebliebenen Geburtstagskerzen bis zum Morgen weitergespielt...“ Aber das ist lange her.

Bis heute steht Willi Wimmer bei allen Heimspielen an der Seitenlinie. „Und den letzten Aufstieg haben die gefeiert, wie der FC Bayern. Da gibt’s Fotos, auf denen die Mannschaft auf meinem Balkon steht – wie am Marienplatz“, erzählt Wimmer und lacht. „Hat halt am nächsten Morgen a bisserl aus’gschaut da herinnen.“

Außer nach Spielen des SC sperrt der Wirts Willi auf, „wenn wer kommt“. Mittwoch und Donnerstag sind da gesetzt: Am Donnerstag sind die Spielersitzungen und am Mittwoch treffen sich die Senioren zu Schafkopf, Bier und Fachgesimpel. „Früher waren da alle Tische voll. Wir paar sind halt noch übrig“, sagt einer. (sk)

Ein Trainerherz groß wie ein Lkw

Der Lastwagenfahrer Jens Dialler (r.) ist ein Jugendtrainer mit Herz, Hans Roth (mit Bällen) unterstützt ihn. Foto: Roloff

Die Trainerkarriere von U11-Coach Jens Dialler begann wie bei vielen seiner Kollegen: Als vor drei Jahren der Posten bei den Nachwuchskickern der F-Jugend im TSV Langquaid vakant wurde, sprang der 44-jährige Lkw-Fahrer in die Bresche. „Niemand war bereit, das Ehrenamt zu übernehmen. Die Jungs standen nach dem Sommerurlaub ohne Coach da“, blickt Dialler zurück auf seinen Beginn. Weil auch sein zehnjähriger Sohn Maxim in der Nachwuchstruppe kickt, habe es für ihn trotz der beruflichen Belastung eines Zwölf-Stunden-Arbeitstags als Brummifahrer kein langes Überlegen gegeben und er nahm sich der Kicker als Talentförderer an.

Unterstützt wird Dialler vom gleichberechtigten Mitbetreuer Hans Roth – und natürlich von den hilfsbereiten Eltern. Beide Coaches sind mit Herzblut bei der Sache und steuern die Geschicke ihrer Schützlinge mit viel Feingefühl. „Wir stellen den Kindern altersgemäße Aufgaben und fordern sie“, sagt das Trainergespann. Neun Buben und ein Mädel kickten sich unter der Regie von Dialler und Roth zum Titelgewinn in der Gruppe Play-off Laaber 2.

„Mit ein bisschen Zuspruch lassen sich die Kinder rasch trösten.“

Jens Dialler

Bei der Bewältigung der vielschichtigen Aufgaben ergänzt sich das Trainerduo. „Da kann man sich auch auf das Torwarttraining konzentrieren und den anderen den Rücken zukehren“, so Dialler. Auf sich allein gestellt könne er sich den Luxus dieser Spezialisierung nicht erlauben. „Da würden die übrigen ganz schönen Blödsinn treiben“, schmunzelt der Coach.

Kommunikation wird beim Trainergespann groß geschrieben, denn Erklärungen würden bei den jungen Kickern gut ankommen. „Freilich muss man auch mal trösten“, ergänzt Dialler. „Die Kids geben immer alles und sind auch mal unglücklich mit ihren Leistungen. Oder sie kriegen auf die Socken. Da fließen durchaus Tränen“ Mit ein bisschen Zuspruch ließen sich Rückschläge rasch überwinden und die Kinder würden wieder mit frischem Feuereifer zur Sache gehen.

Letztlich komme es auf die langfristige Entwicklung sowie die Fortschritte des Einzelnen und der Mannschaft an. „Wir probieren auch taktisch vieles aus. Da läuft mal etwas schief. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wir lernen aus unseren Fehlern.“ So sei etwa ein Test mit Dreierkette „voll in die Hose“ gegangen. „Macht nichts. Niederlagen gehören speziell in der Vorbereitung dazu. Die Saison ist schließlich hervorragend verlaufen.“ (ear)

Wahre „Hooligans“ mit Malpinsel

Die Fans des FSV Sandharlanden brachten ihre Unterstützung auf Stoff zum Ausdruck. Foto: privat

Fan-Kultur rief beim FSV Sandharlanden heuer Anhänger und Kicker in Form von „Aktionskünstlern“ auf den Plan. „Wir feiern das 70-Jährige und wollten dazu beim Frühjahrsauftakt etwas machen“, so Reservespieler Raphael Stautner (21), der ein Faible für Kurvenshows in Stadien hat und die „Choreo“ anschob. Zwei Elemente gab es: einen überdimensional gemalten Geburtstagskuchen und ein 20-Meter-Spruchband („Seit 70 Jahren, fast auf den Tag genau, schlägt Sandharlanden’s Fussballherz nur für den FSV“).

„Als sich Buchstaben-Maler und Zeichner eingespielt hatten, lief’s.“

Raphael Stautner

„Pro Buchstaben brauchten wird anfangs einen ganzen Abend. Als sich Buchstaben-Maler und Kontur-Zeichner eingespielt hatten, ging’s.“ Am Geländer der Vereinsheimterrasse prangte auch eine Zaunfahne (Foto: Stautner, im Bild Peter Beckenbauer): „Von Anfang an die härtesten Fans – Sandharlandner Hooligans“. Angespielt wurde auf – freilich kreuzbrave – Herren, die am FSV-Platz unüberhörbar die letzte Instanz darstellen. Das Spruchband hängt seit der ersten Partie bei Heimspielen. (mar)

Fans gehen im Rauch auf – ein Klick-Hit

„Schöne Grüße aus dem schönsten Dorf Bayerns“, setzt Vorsitzender Markus Amann vom SV Großmuß gerne hinzu. An Selbstbewusstsein mangelt’s nicht bei den Fußballern, zumal sie heuer in die Kreisklasse Kelheim aufstiegen. Hinter der Truppe steht seit etwa zwei Jahren ein eingeschworener Fanhaufen – die „Kranken Ranker“. „Der Name kommt daher, dass es bei uns neben dem Fußballplatz eine kleine Anhöhe, also einen Ranken, gibt, wo diese Anhänger stehen“, erläutern Amann und der Fan-Sprecher Stefan Zwerg.

Ebendort trafen sich vor einem Jahr gut ein Dutzend Fans und drehten mit Gesang und Feuerraketen – freilich gut gesichert – ein Video. Auf Youtube zählt der zweiminütige Mitschnitt mittlerweile über 8800 Klicks. Vor allem eines macht das Filmchen zum Hit: Die Raketen entwickeln derart viel Rauch, dass die Fans kaum mehr zu sehen sind – sie aber singen unbeirrbar weiter. (mar)

Hier das feurige Video:

Alle Teile der MZ-Themenwoche Kelheimer Fußball finden Sie hier.

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