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Sport aus Kelheim
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Behandlung

Die wundersame Heilung des Ilias Iliadis

Nach Verletzung drohte Abensbergs Judo-Superstar das Aus. Otto Kneitinger verwies ihn an einen „Handaufleger“ in Hallein.
Von Martin Rutrecht

  • Riesen Erleichterung bei Ilias Iliadis: Der Olympiasieger und dreifache Weltmeister kann seine Karriere fortsetzen. Foto: dpa-Archiv
  • Mohamed Khalifa half dem Abensberger Judo-Start. Foto: najms

Abensberg.Er ist ein Superstar im Judo: Als erst 17-Jähriger wurde er im Jahr 2004 Olympiasieger, in London 2012 war er Olympiadritter, dreimal gewann er den WM-Titel, zweimal die EM-Krone – es gibt nichts, was Ilias Iliadis nicht in seiner Trophäensammlung hat. Der 28-jährige Grieche vom TSV Abensberg, der in Georgien geboren wurde, gilt als Ausnahmeerscheinung auf der Matte. Trotz seiner Erfolge ist er nicht satt. „Wenn ich auf die Tatami gehe, will ich gewinnen.“ Iliadis kennt keine andere Losung.

„Mein Leben ist Judo. Ich denke immer an Judo. Wenn ich schlafe, träume ich vom Judo“, sagte der Athlet jüngst in einem Porträt des Internationalen Weltverbandes. Sein ganzer Lebensinhalt wäre in den vergangenen Wochen fast mit einem Schlag verschwunden. Eine Verletzung schien das Aus für seine Karriere zu bedeuten. „Er hat geweint, als er von diesen Aussichten erfuhr“, erzählt Otto Kneitinger, der TSV-Ehrenabteilungsleiter.

Es begann im Krafttraining vor einigen Monaten. Der 28-Jährige verspürte Schmerzen im Ellenbogen. Iliadis konsultierte einen Arzt in Athen. Die Bänder seien wohl gerissen, konstatierte der Mediziner. Die Kunde mochte der Abensberger Legionär nicht wahrhaben. Der Olympiasieger flog nach London, um einen Spezialisten aufzusuchen. Die Diagnose wurde nicht besser. Operation oder eine lange Phase der Ruhigstellung waren die aufgezeigten Alternativen. Beim Grand Prix in Düsseldorf im Februar, zu dem Iliadis wegen der Verletzung nicht antrat, sprach der verzweifelte Athlet weitere Mediziner an, unter anderem Ärzte von Nationalteams. Teilweise wurden die Nachrichten noch schlimmer: Am Gelenk könnten auch Knochenabsplitterungen vorliegen.

Boris Becker und Co. in der Praxis

„Ilias war richtig fertig“, sagt Kneitinger. „Er hätte von heute auf morgen aufhören müssen. Sicher heilt eine Verletzung wieder, aber wann? Und ist er dann noch voll belastbar? In der Weltspitze kann man mit halber Kraft nichts holen. Mit 28 Jahren ist die Zeit für ein langsam aufgebautes Comeback kaum mehr vorhanden. Nächstes Jahr sind die Olympischen Spiele.“

Otto Kneitinger wollte dem TSV-Aushängeschild unbedingt helfen. Er verwies Ilias Iliadis an einen besondern Mediziner: den Ägypter Mohamed Khalifa, der im österreichischen Hallein eine Praxis betreibt und rein mit manueller Therapie arbeitet. „Ich kenne ihn seit Jahren über unseren früheren Judoka Patrick Reiter aus Österreich. Wir sind gut befreundet und ich war mit Khalifa schon auf Heimaturlaub in Kairo.“ Der Abensberger Physiotherapeut Kurt Nowak machte bei Khalifa ein Praktikum.

Der gebürtige Ägypter behandelt seit mehr als 40 Jahren Muskel- und Gelenkverletzungen ohne Operation, nur mit seinen Händen. Intensiv massiert und knetet Khalifa verschiedene Stellen am Körper – und die Patienten gesunden in vielen Fällen. Was sich für manche Ohren und traditionelle Schulmediziner wie Hokuspokus anhört, ist wissenschaftlich untersucht. Khalifas Handauflegungen und Massagen erhöhen die Stammzellenkonzentration im Blut um bis zu 60 Prozent. Die Durchblutung und Sauerstoffsättigung im verletzten Gewebe steigt um 20 Prozent. Khalifas Mantra lautet: „Der Körper kann sich selbst heilen, wir helfen ihm nur ein wenig.“ Mit Dutzenden Liegestützen auf den Fingern stärkt der Manualtherapeut jeden Morgen seine Hände.

Es gibt erstaunliche Befunde: Patienten, die mit einem Kreuzbandriss in die Halleiner Praxis kommen, können nach einer Stunde Behandlung das Knie wieder belasten und auf dem Bein springen. Ein Forschungsteam begleitete 15 Fälle von Kreuzbandrissen, die von Khalifa behandelt wurden – 90 Prozent waren nach drei Monaten völlig ausgeheilt. Tennis-Stars wie Boris Becker, Steffi Graf und Roger Federer suchten beim Ägypter schon Rat, auch Spitzenathleten anderer Sportarten. Namen früherer und aktueller Fußball-Nationalspieler, die zu Mohamed Khalifa fuhren, machen die Runde. Verbands- und Vereinsärzte springen nicht immer vor Begeisterung, weshalb mancher Ausflug ins Salzburgerische eher unauffällig verläuft.

Blockade strahlte auf Ellenbogen

„Ich habe Khalifa die Röntgenaufnahmen von Ilias geschickt“, berichtet Kneitinger. Der Manualtherapeut studierte die Bilder und Iliadis bekam einen Termin in Hallein. Dort erfuhr der Grieche Erstaunliches: Khalifa sah nicht im Ellenbogen die Wurzel des Übels, vielmehr tippte er auf eine Blockade der Halswirbelsäule, die bis in den Arm wirkt. „Er hat an ihm rum geknetet und gedrückt. Binnen kurzer Zeit war die Blockade gelöst, Ilias verspürte keine Beschwerden mehr“, erzählt Kneitinger von der bemerkenswerten Heilung. „Ilias ist ein Stein vom Herzen gefallen. Er hat sich überschwänglich bedankt.“

Der große Grieche kann seine Laufbahn fortsetzen. Sein Dank gilt nicht nur dem Halleiner Therapeuten, sondern auch dem TSV Abensberg. Ilias Iliadis gibt gerne etwas zurück: Beim Regionalliga-Heimkampf am 16. Mai hält der Olympiasieger und dreifache Weltmeister einen Lehrgang für alle Judoka ab. Der Superstar kann auf der Matte wieder kraftvoll zupacken.

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