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Sport aus Kelheim
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Hitliste

Drei ungewöhnliche Torjäger

Kelheims Beste: Hasan Ibric spielte „irrtümlich“ in AH, Manuel Geiger liebt’s bodenständig und Florian Graml fehlt Ehrgeiz.
Von Martin Rutrecht

Hasan Ibric (gelb-schwarz) ist Torgarant beim TSV Neustadt. Fotos: Stöcker/Zeilhofer/Rutrecht/FuPa (2)

Neustadt.40 Tore erzielte Florian Graml in seinem letzten U19-Jahr. „Das hätten mehr sein müssen!“, fügt der 20-Jährige forsch hinzu, um sich für den „Ausbruch“ fast zu entschuldigen: „Wenn man mich kitzelt, gehe ich schon aus mir raus.“ Sonst aber gibt der Torjäger des SV Niederleierndorf ein eher ungewöhnliches Bild für einen Stürmer ab, der in der Kreisklasse Laaber mit aktuell 18 Treffern die Torschützenliste anführt. „Ich bin eigentlich nicht so richtig ehrgeizig und auch im Training nicht der Fleißigste“, gesteht der Langquaider.

„Bitte nicht zu viel über ihn reden, sonst schnappen ihn uns andere weg.“

Stefan Dykiert

Der Lehramtsstudent zählte im Fußballherbst 2017 zu den besten Goalgettern im Kelheimer Fußball. Sein Pendant in der Kreisklasse Kelheim heißt Hasan Ibric vom TSV Neustadt, der es auf 16 Stück brachte. Getoppt werden beide vom erst 19-jährigen Manuel Geiger vom TV Schierling aus der Kreisliga Landshut – der Großmußer liegt bei 21 Treffern. „Bitte nicht zu viel über ihn reden, sonst schnappen ihn uns andere weg“, sagt sein Coach Stefan Dykiert, weiß aber gleichzeitig: „Manuel ist unheimlich bodenständig. Der räumt nach dem Training auch die Hütchen oder Leibchen weg. Da habe ich keine Sorge.“

Von der Torte auf den Platz

Die besten Kelheimer Torjäger spielen eigentlich in den A-Klassen (siehe ganz unten), allerdings mitunter gegen Vereine, die für ein Dutzend Gegentreffer gut sind – in einem Spiel. Neustadts Stürmer Hasan Ibric spornen stärkere Angreifer an. „Wenn jemand besser ist, versuche ich, noch besser zu werden“, sagt der 23-Jährige aus Bosnien-Herzegowina. Er stammt aus der Stadt Gracanica und kam vor ein paar Jahren nach Deutschland. „Er und seine Familie arbeiten rund um die Uhr“, sagt Abteilungsleiter Daniel Neubaur über den Estrichleger.

Florian Graml vom SV Niederleierndorf führt die Torschützenliste der Kreisklasse Laaber an.

Ibric verirrte sich zunächst in Neustadt mehrere Wochen ins Training der AH-Truppe, für die er viel zu jung war und ist. „Einem Vereinskollegen fiel er auf“, erzählt Neubaur. Unschwer war zu erkennen, dass der Bosnier in seiner alten Heimat von Jugendbeinen an gekickt hatte. „Für uns ist er ein Glücksfall. Als er zu den Herren stieß, haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinen Spielerpass aus Bosnien umschreiben zu lassen.“

„Nur mit den Freistößen klappt’s noch nicht.“

Manuel Geiger

Manuel Geigers Wege nach Schierling waren nicht so weit. Der Youngster machte seine fußballerische Ausbildung beim SSV Jahn Regensburg, wo er bis in die U17-Bayernliga spielte. Als Azubi in einer Großkonditorei dachte er aber nicht an eine ausgeprägte Fußballlaufbahn. „Die erlernte Qualität sieht man in seiner Schusstechnik. Letztlich macht ihn eine Bündelung der Komponenten aus, die ein Stürmer braucht“, sagt sein Trainer Dykiert.

Instinkt und Kaltschnäuzigkeit

Nur beim Abfeuern von Freistößen hapert’s. „Was ich im Training manchmal hin bekomme, haut im Spiel einfach nicht hin“, so Geiger schmunzelnd. „Dafür weiß er als Stürmer klassischer Art, wo das Tor steht“, ergänzt der Coach. Und: Für Dykiert beginnt beim Goalgetter auch die Defensivtaktik. „Er ist der Erste, der drauf gehen, der arbeiten muss. Er erobert sich so auch die Bälle“, lobt der Übungsleiter. Mit Maximilian Treitinger (7 Tore bisher) hat der 19-Jährige einen kongenialen Sturmpartner.

„Ohne Egoismus geht’s nicht. Du ziehst lieber ab, als noch mal quer zu legen.“

Florian Graml

Niederleierndorfs Florian Graml belagert gemeinsam mit Burim Shala (8 Tore) des Gegners Kasten. „Wir verstehen uns super“, sagt Graml, der einen Angreifer ohne Mitspieler sowieso aufgeschmissen sieht. „In Niederleierndorf haben wir Kicker, die extrem gute Vorlagen liefern.“ Er selbst steuere „Instinkt und Kaltschnäuzigkeit“ bei und verfüge trotz 1,94 Meter Körpergröße über eine gewisse Schnelligkeit. „Kopfballstärke zeichnet mit allerdings nicht aus.“

Manuel Geiger kickte in der Jugend beim SSV Jahn und trifft nun für den TV Schierling.

Der 20-Jährige wurde in der JFG Laaber Kickers groß („Ich spielte schon immer vorne“), mit besagten 40 Treffern im letzten Jugendjahr. Danach versuchte er sich beim TSV Langquaid in der Bezirksliga, wurde allerdings von einer langen Adduktorenverletzung gebremst. „Danach wollte ich ehrlich gesagt nicht mehr den Aufwand für eine Bezirksliga betreiben. Für mich soll Fußball vorrangig Spaß sein“, so Graml. Und den erreiche man am ehesten über eine „tolle Kameradschaft“ – und Erfolge. „Als Spitzenreiter wollen wir natürlich zurück in die Kreisliga. Ich hoffe, ich kann weiter mit Toren dazu beitragen, will aber auch mannschaftsdienlich mitarbeiten.“

Klassische Neun stirbt nicht aus

Mit knapp 1,90 Meter ist auch Neustadts Ibric ein Turm. „Er ist schnell und verdammt kräftig“, attestiert ihm Abteilungsleiter Neubaur. Der 23-Jährige sagt über sich selbst: „Ich bin sehr ehrgeizig. Ich möchte möglichst viele Tore machen und mit Neustadt aufsteigen.“ Da scheint auch der Egoismus durch, der Angreifern gemeinhin nachgesagt wird. „Aber ohne ein gewisses Maß funktioniert’s nicht vor dem Tor“, sagt auch Florian Graml. „Du ziehst halt lieber ab, als noch einmal quer zu legen und die Chance ist vielleicht dahin.“

„Ich brauche Pässe in die Schnittstelle, dann kann ich meine Schnelligkeit ausspielen.“

Hasan Ibric

Entscheidend sind für den 23-jährigen Ibric „Pässe in die Schnittstelle, dann kann ich meine Schnelligkeit ausspielen“. Durch seinen Job und als zweifacher Familienvater – sein jüngster Spross kam erst zur Welt – ist es für den Bosnier nicht einfach, rechtzeitig im Training zu sein. Wichtig für den Aufwand ist der „Wohlfühlfaktor“ im Verein, den etwa Manuel Geiger sehr heraus streicht.

Von der bisweilen diskutierten Abschaffung des klassischen Stürmers halten die Torjäger nichts. „Du wirst immer einen brauchen, der die Buden macht“, sagen sie. Trainer Dykiert fügt hinzu: „Man schaue nur, wo Klubs ohne klassische Neun stehen – siehe 1. FC Köln ohne Modeste.“

Besondere Marken vor und im Tor

Andreas Hinz machte mit 23 Stück die meisten Tore im Kelheimer Fußball.

Top-Torjäger der A-Klassen ist Andreas Hinz vom TSV Offenstetten mit 23 Buden. Nur einen Treffer weniger hat Dominik Listl, ebenfalls Stürmer der A-Klasse Kelheim. Er geht im Winter von FC Teugn zu TSV Herrngiersdorf.

Josef Kellerer gelangen in einer einzigen Partie acht Treffer.

Acht Tore in einer Partie glückten Josef Kellerer (SG Siegenburg/ Train), der 22 Treffer in der A-Klasse Hallertau zählt. Der bedauernswerte Kontrahent beim 12:1-Sieg hieß SC Pfettrach.

Timo Westermeier (r.) vom SV Kelheimwinzer hat gemeinsam mit seinem Ersatzmann Philipp Kolar nur zehn Gegentore kassiert.

Bester Keeper ist Timo Westermeier vom SV Kelheimwinzer aus der A-Klasse Kelheim mit nur zehn Gegentoren. Zur guten Bilanz trug auch sein Ersatzmann Philipp Kolar mit zwei Einsätzen bei.

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