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Sport aus Kelheim
Sonntag, 19. November 2017 7

Zugkraft

Dresden gibt ein friedliches Fußballfest

Dynamo lockt 1000 Zuschauer in das Sandharlandener Waldstadion. Die Fans vom Traditionsklub feiern ihre Helden.
von Wolfgang Abeltshasuer

  • Zweitligist Dynamo Dresden (gelb) und Drittligist SpVgg Unterhaching lieferten sich in Sandharlanden eine abwechslungsreiche Testpartie.Foto: eab
  • Dresden (gelb) wendete im zweiten Durchgang das Blatt. Foto: eab
  • Einlaufkinder bei der Vorbereitung.
  • Hachinger Wasserträger

Sandharlanden.Der Vorsitzende des FSV Sandharlanden Reinhold Huber hat schon einige Profiteams auf seinem Sportplatz kicken sehen. Sogar ein Superstar wie Xavi hat dort schon den Ball getreten. Und trotzdem war der Samstagnachmittag etwas besonderes für den Funktionär. Obwohl da „nur“ ein Zweit- gegen einen Drittligisten antrat.

Der FSV-Vorsitzende Reinhold Huber mit dem Polizeichef. Foto: eab

Es war eben Dynamo Dresden. „Das ist halt ein absoluter Traditionsclub“, freute sich Huber eine halbe Stunde vor Beginn des Kicks der Sachsen gegen die SpVgg Unterhaching. Rund 1000 Zuschauer sahen einen 3:2 Sieg der Ostdeutschen. Die meisten von ihnen trugen Fankleidung von Dynamo. Es waren aber auch Spielerbeobachter wie etwa der ehemalige Profi Mirco Votava anwesend. Auch Eintracht Frankfurt und der Karlsruher SC hatten Kiebitze geschickt.

Am Ende stand ein unterhaltsames Spiel, bei dem die Dramaturgie stimmte. Doch dazu später mehr. Wichtig ist auch: Von irgendwelchen Ausschreitungen am Spielfeldrand gibt es nichts zu berichten. Die eine oder andere Befürchtung in diese Richtung hat es ja gegeben. Denn die Ultras von Dresden haben eben ihren Ruf.

Fans nehmen weite Anreise auf sich

Von ihnen war in Sandharlanden aber nichts zu sehen. Wobei genügend hundertprozentige Fans des Clubs den Weg ins Spargeldorf gefunden hatten. Und es war zu sehen, dass da nicht irgendein Fußballclub Station gemacht hatte. Denn schon eine Stunde vor Spielbeginn waren die meisten der Zuschauer vor Ort. Sie wollten sich nichts entgehen lassen. Auch das Aufwärmprogramm der Profis wurde genau unter die Lupe genommen beziehungsweise per Video für die Ewigkeit festgehalten.

Ein Blick auf die Parkplätze rundherum offenbarte bei Leibe nicht nur Kelheimer Autonummern. In der Tat waren da auch welche aus Dresden dabei. „Dresdenfans gibt es aber überall“, klärte Roberto Uhlig den MZ-Reporter auf.

Silvia und Roberto Uhlig sowie Alexander Voß. Foto: eab

Er war mit Ehefrau Silvia aus Moosburg nach Sandharlanden gekommen. Dort leben sie seit 2001. Wo immer es geht, sind sie mit dabei, wenn Dynamo spielt. „Wir waren auch in Heimstetten.“ Da hatten die Sachsen, die bis gestern ein Trainingslager in Bad Gögging absolvierten, einen 2:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart geholt. Zumindest einige Male im Jahr versuchen sie, Heimspiele in Dresden zu erleben. Sie waren nicht allein gekommen. Freunde vom Fanclub „Exil Dynamos“ waren dabei. Der rekrutiert sich aus ehemaligen Sachsen, die mittlerweile in der Hallertau und den Landkreisen Freising und Erding leben.

Übrigens: Mit den Typen, die den Verein immer wieder mit ihren Ausschreitungen in Verruf bringen, wollen sie nichts zu tun haben. „Davon distanzieren wir uns“, betonten die Zwei. Für sie sei es einfach wichtig, ihrer Mannschaft nahe zu sein. Und da sei der sportliche Wert eines Vorbereitungsspiels kurz vor der Saison eher nebensächlich.

In der zweiten Hälfte war die Freude groß. Foto: eab

Das mit der Freude hielt sich während der ersten 45 Minuten jedoch in Grenzen. Denn die SpVgg Unterhaching kam besser ins Spiel. Während von Dynamo lediglich eine Chance gezählt werden konnte, waren es bei den Bayern doch etliche. So gingen sie auch folgerichtig in der 25. Minute durch Dominik Stahl in Führung. Er überwand Keeper Markus Schubert aus rund 20 Metern. Neun Minuten später schien das Spiel schon entschieden. Ein feine Einzelleistung von Stephan Hain sorgte für den zweiten SpVgg-Treffer.

Dann war erst einmal Halbzeit. Die große Zeit der FSV-Recken war angebrochen. Die waren nämlich dafür zuständig, Hunger und Durst der Gäste zu stillen. Was sie an gleich drei Verpflegungsständen taten. Huber ist da stolz. Denn er könne sich auf die Seinen verlassen. Wobei da das gesamte Dorf mithelfe. Das betont Franz Handschuh. Er ist Chef des örtlichen Bayernfanclubs und war ebenso mit von der Partie. In Sandharlanden stimme eben die Gemeinschaft.

Dresden wendet das Blatt

Spätestens jetzt waren auch letzte Bedenken zwecks Krawallen verflogen. Und so machte der Kelheimer Polizeichef Erich Banczyk ein zufriedenes Gesicht. Ein Spiel auf einem Platz wie dem in Sandharlanden sei aber immer eine spezielle Sache. Fanlager zu trennen sei da schwierig. Deshalb sei nicht jede Begegnung hier möglich. Samstagnachmittag gab es aber ohnehin nicht viel zu trennen. Die sichtbare Gruppe der SpVgg-Anhänger war nicht stärker als 20 Leute.

Rund um das Spiel

  • Organisation:

    Über hundert Helfer waren rund um das Spiel im Einsatz. Zu den 80 Sandharlandener Freiwilligen kamen noch der Sicherheitsdienst und Rettungssanitäter, die aber nicht eingreifen mussten.

  • Kooperation:

    Laut Reinhold Huber waren neben der hiesigen Polizei auch Kräfte aus Dresden und Unterhaching vor Ort. Über die genaue Zahl der Gesetzeshüter gab es keine Auskünfte.

Nachdem Bundesligaschiri Robert Hartmann die Partie wieder angepfiffen hatte, ging es schnell. Nach 60 Sekunden war das nächste Tor gefallen. Binyam Beley belohnte sich nach einem Alleingang auf‘s Tor. Nur zwei Minuten später war er wieder zur Stelle, umkurvte Gegenspieler und schoss zum 2:2 ein.

Der zweifache Torschütze für Dynamo Binyam Beley (am Ball) drehte die Partie. Foto: eab

„Dynamo, Dynamo“ schallte es über den Platz. Umso mehr als wiederum zwei Minuten später Marcel Hilssner einen Freistoß für die Sachsen einnetzte. Danach verflachte das Spiel wieder. Die SpVgg kam an Ende noch einmal auf. Das Ergebnis blieb aber.

Die Fans gingen auf Tuchfühlung.Foto: eab

Die Dynamo-Spieler wussten danach, was sie ihren Fans schuldig waren. Geduldig blieben sie nach dem Schlusspfiff auf dem Platz. Sie gaben Autogramme und stellten sich als Fotomotive zur Verfügung. Schon vor dem Spiel hatten sie sich dem nicht verweigert.

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