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Sport aus Kelheim
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Themenwoche

„Es braucht mehr Typen im Fußball“

Der Kelheimer Fußball steht eine Woche lang im Brennpunkt der MZ – Karsten Wettberg legt vor. Ein Gewinnspiel läuft mit.
Von Martin Rutrecht

Karsten Wettberg lebt für den Fußball, seit über 40 Jahren als Trainer. Archivfoto: Eibner

Kelheim.Die EM in Frankreich geht in die Endphase. Während auf der großen Bühne die Entscheidungen fallen, heftet sich die MZ Kelheim dem Amateurfußball an die Fersen. Wie steht es um den Fußball im Landkreis Kelheim? Eine Woche lang wird unsere Kelheimer Redaktion ab diesem Montag vielfältige Aspekte rund um diese Frage beleuchten. Das Spektrum reicht von Pro- und Contra-Thesen, das Schiedsrichterwesen über eine Diskussionsrunde mit Vereinsvertretern, den Frauenfußball, die Kosten für einen Klub bis hin zu Porträts von unverzichtbaren Geistern.

„Als Trainer muss du einiges aushalten.“

Karsten Wettberg

Wer wäre besser geeignet, für diese Themenwoche vorzulegen, als das bekannte Trainer-Idol Karsten Wettberg aus Elsendorf?! Die Meinung des 74-Jährigen hat Gewicht, sie ist aber beileibe nicht unumstritten. „Als Trainer musst du einiges aushalten. Ich stelle mich gerne der Kritik oder Diskussion, so lange sie sachlich bleibt“, sagt der frühere Coach von Klubs wie TSV 1860 München („König von Giesing“), SpVgg Unterhaching, SpVgg Landshut, SV Seligenporten oder SSV Jahn Regensburg. „Ausleben kann ich mich am Fußballplatz“, ergänzt der vitale Senior, der noch immer neuen Zielen entgegen strebt.

„Strukturen“ heißt das Zauberwort

Wettbergs ehrgeizige Ansprüche sind kein Geheimnis – dieses Bekenntnis zur Leistung fehlt ihm weitgehend im Kelheimer Fußball. Veranschaulichen lasse sich das für ihn etwa am ATSV Kelheim, den er als Coach im Vorjahr in die Landesliga brachte. „Der sportliche Erfolg hat gezeigt, was man bewegen kann. Aber die Chance, diese Begeisterung zu nutzen, wurde vertan, nicht von der Abteilungsführung, aber von Gesamtverein, Stadt und auch möglichen Sponsoren. Man hat weitergemacht wie bisher.“ Wettbergs Zauberwort heißt „Strukturen“: „Das reicht von Verbesserungen an den Sportanlagen bis hin zu einem Kunstrasenplatz, den eine Kreisstadt durchaus haben dürfte.“

„Heute fragt schon ein junger Spieler: Was krieg’ ich?“

Karsten Wettberg

Dass man dazu „etwas Geld“ in die Hand nehmen müsse, ist für den Elsendorfer unstrittig. „Der Fußball hat sich über die Jahrzehnte gewaltig verändert. Zum einen ist er wesentlich gesellschaftsfähiger geworden, wodurch er auch finanzkräftige Kundschaft anzieht. Zum anderen ist die Zeit vorbei, als gute Fußballer für einen Handschlag spielten.“ Wettberg erinnert an die Jahre vor Einführung der Bundesliga. „Da sind selbst die besten Kicker Deutschlands einer Arbeit nachgegangen. Heute fragt schon ein junger Fußballer: Was kriege ich bei euch?“

EM-Ball oder Trikot gewinnen

  • Mitmachen:

    Die Themenwoche zum Kelheimer Fußball wird von einem Gewinnspiel begleitet. Die Gewinne haben natürlich etwas mit Fußball zu tun. Vom Erdinger-Meistercup wartet ein Paket mit Spielball und Erdinger-Weißbierglas. Das Sportgeschäft Wochinger in Kelheim spendet einen EM-Ball. Von Sport2000 in Kelheim wird ein Fußballtrikot zur Verfügung gestellt – der Gewinner kann zwischen Deutschland oder FC Bayern-Trikot wählen.

  • Hotline:

    Von Montag bis Freitag, 1. Juli 2016, um 13 Uhr ist die Gewinnerhotline 01379/ 88 58 14 (0,50 €/Festnetzanruf; Mobilfunk ggf. abweichend) frei geschaltet. Die drei Preise werden am Ende der Woche unter drei Anrufern verlost. Viel Glück!

Die Entwicklung möge man gut oder schlecht heißen – „sie ist Fakt“. „Wenn ich in die Landes- oder Bayernliga will, brauche ich Strukturen, die auch ein vernünftiges Finanzkonzept enthalten.“ Entscheidend sei aber die Nachwuchsarbeit, „eine leistungsorientierte“. „Viele Vereine ziehen jeden Spieler mit hoch. Ich muss, wenn ich etwas erreichen will, aber den Mut haben zu sagen: Für dich wird’s schwierig bei uns.“ Eine solche Haltung sei streitbar und rufe Widerstände hervor. „Aber ein ambitionierter Jugendtrainer darf sich nicht von den Eltern die Aufstellung diktieren lassen.“

Wo steht (bzw. liegt) der Kelheimer Fußball? Schau mehr mal. Foto: Pieknik

In der Region Kelheim seien durchaus Spieler für höherklassigen Fußball vorhanden. „Um diese Kicker muss ich mich bemühen, vielleicht eine Arbeitsstelle beschaffen, beim Studienplatz helfen oder sonst wie unterstützen. Mit wachsendem sportlichen Erfolg gewinnt ein Verein Attraktivität, dann bieten sich Spieler selbst an.“ Die fußballerische Ausbildung über DFB-Stützpunkte befürwortet Wettberg. „Davon kann jeder Verein profitieren, auch wenn ich die Angst verstehe, das Talente weg gehen. Einen außergewöhnlichen Spieler kann man ohnehin nicht halten, dem darf man auch nichts in den Weg legen. Dafür kommt er später zu seinem Heimatverein zurück.“

Retortenklubs geht irgendwann die Luft aus

In einem leistungsorientierten Klub braucht es laut Wettberg „mehr Typen unter den Funktionären, positiv Verrückte, die den Erfolg wollen. Solche Menschen müssen Ecken und Kanten haben und auch etwas aushalten.“ Fatal wäre die Abhängigkeit von einzelnen Mäzenen. „Man sieht, was mit Vereinen passiert, wo einer den Stecker rauszieht. Ein Niedergang wirkt viele Jahre nach. Solchen aufgeplusterten Modellen rede ich auch nicht das Wort. Aber noch mal, man kann keinen guten Fußball mehr bieten, ohne für Qualität bei Trainern und Spielern Mittel aufzubringen. Sofern ich gute eigene Spieler habe, lehne ich Verpflichtungen aber ab.“

„Die soziale Kompetenz des Fußballs ist seine wichtigste Aufgabe.“

Karsten Wettberg

Bei alledem verliert Karsten Wettberg die geleistete Arbeit in vielen Vereinen im Landkreis nicht aus den Augen. „Was dort von Ehrenamtlichen getan wird, ist unschätzbar. Der Fußball wirkt als bindende Kraft, die Gemeinschaft lebt, die Jugend und Menschen mit Migrationshintergrund haben eine Anlaufstation. Diese soziale Kompetenz des Sports ist seine wichtigste Aufgabe.“ Dann wäre doch alles, so die Frage an Wettberg, in schönster Ordnung, man müsse doch nicht in höhere Ligen rauf? „Das wäre nicht meins. Wo es Möglichkeiten gibt, sollte man anpacken. Ich möchte keinen Kelheimer Fußball im Dornröschenschlaf. Wir müssen den schlafenden Riesen wecken.“

Pro und Contra zum Kelheimer Fußball lesen Sie hier.

Weitere Kelheimer Sportnachrichten finden Sie hier.

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