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Sport aus Kelheim
Mittwoch, 21. Februar 2018 3

Bundesliga

Gaucho und Model für Abensbergs Judoka

Der Rekordmeister setzt auf Routinier Emmanuel Lucenti und drei deutsche Neuzugänge. „Wir bieten Hamburg die Stirn.“
Von Martin Rutrecht

Emmanuel Lucenti (blau) kämpfte bei zwei Olympischen Spielen. Foto: Orlando Barria/dpa

Abensberg.Der deutsche Judo-Rekordmeister TSV Abensberg hat den Fehdehandschuh aufgenommen. Das Hamburger Judoteam löste die Babonen mit den Titeln in 2016 und 2017 als Nummer eins der Nation ab. „Wir hören nicht auf zu kämpfen“, verspricht TSV-Trainer Jürgen Öchsner für die neue Bundesliga-Saison. Mit einigen Verstärkungen bestücken die Abensberger ihren Kader, darunter steht der Argentinier Emmanuel Lucenti aus den Top Ten der Welt.

„Mit Geld kann man leicht Stars abwerben.“

Fabian Seidlmeier

Nach der Rückkehr in die Bundesliga war im November des Vorjahres im Halbfinale Endstation gegen den alten und neuen Meister Hamburg. Die Truppe aus der Hansestadt köderte Topathleten an die Elbe – vor Jahresfrist auch Dimitri Peters und André Breitbarth vom TSV. „Hamburg bietet das Vier- bis Fünffache von dem, was ansonsten für einen Judoka aufgerufen ist“, sagt Öchsner. „Damit kann man natürlich leicht Stars abwerben“, ergänzt Teammanager Fabian Seidlmeier.

Kein Viertelfinale mehr

Die Abensberger wollen sich dadurch in ihrer Philosophie nicht beirren lassen. „Wir setzen mehr auf die eigenen Nachwuchskräfte und werden diesen Weg beibehalten“, so der Chefcoach. Auch Seidlmeier lehnt finanzielle Gewaltakte ab. „Wir haben unser Budget und das halten wir ein.“ Wieder mehr Sponsoren „ins Boot zu holen“, so Öchsner, sei dennoch Zielsetzung.

Olympiasieger Lukas Krpalek (l.) war erst kürzlich in Abensberg und bei Trainer Jürgen Öchsner zu Gast. Foto: Öchsner

Sportlich wollen sich die Babonen aufschwingen ins Titelfinale am 3. November 2018. Die Bundesliga-Gruppen Nord und Süd werden heuer auf neun Teams (bisher sechs) aufgestockt, was für jeden Verein acht Auftritte in der Vorrunde bedeutet. Das anschließende Viertelfinale fällt weg. Die beiden Gruppenersten aus Nord und Süd stehen direkt am Endrundentag im Halbfinale. „Unter diesen Top Vier sehen wir uns in jedem Fall, die Ausrichtung gilt klar dem finalen Titelduell.“

Mit Sven Maresch (81 kg) und Christopher Völk (73 kg) haben zwei Leistungsträger der Niederbayern ihre Karriere beendet. In diesen Gewichtsklassen sind nun Benjamin Münnich und Eigengewächs David Krämer die deutschen Zugpferde. Neu stoßen zwei richtige Jungspunde hinzu: Falk Biedermann (60 kg) zählt erst 17 Lenze, Nikolas Menzl (73 kg) ist 18 Jahre.

Für Judo-Anzüge vor der Linse

Leichtgewichtler Biedermann kam über eine besondere Rolle nach Abensberg: Der junge Bursche arbeitete als Fotomodel für Judo-Anzüge schon mehrmals beim Ippon-Shop in der Babonenstadt. „Er wollte schon immer zu uns“, erklärt Seidlmeier. Der Youngster aus Greven besucht das Sportinternat in Köln. Der 18-jährige Menzl stammt aus Neutraubling und trainiert schon länger in Abensberg. „Er hat im Vorjahr beim TV Erlangen Erfahrung in der 2. Bundesliga gesammelt“, so Öchsner. Der Fünfte der deutschen U21-Meisterschaft soll hinter Krämer eine Reihe jüngerer Athleten wie „Dodo“ Ennerst, Philipp Ohrt oder Max Volkmann anführen.

Aushängeschilder wie Sebastian Seidl, Manuel Scheibel und Marc Odenthal (v. l.) bleiben dem TSV treu. Foto: Archiv

„Wir wollen beide Neuzugänge so oft wie möglich einsetzen, so dass sie in ein paar Jahren feste Größen im Kader sind“, sagt der TSV-Teammanager. Schon jetzt eine feste Größe in der Bundesliga ist der dritte neue Mann, Simon Glockner aus Mainburg. Der 26-Jährige kämpfte bereits für den TSV Großhadern und zuletzt für JSV Speyer. Als früherer Recke im Nationalteam soll er das Schwergewicht verstärken.

Einen spannenden Heimkampf werden die Fans am 9. Juni gegen den TSV Großhadern sehen. Hier ein Video vom Vorjahresduell:

Der bekannteste Neuzugang heißt Emmanuel Lucenti und kommt aus Argentinien. Mit Rang sieben bei den Olympischen Spielen in London, neun Medaillen bei den Panamerikanischen Spielen (vergleichbar mit EM) sowie Siegen bei Weltcup-Turnieren hat der 33-Jährige seine internationale Klasse längst bewiesen. Und er zählt nicht zum alten Eisen, wie der Grand-Prix-Sieg 2017 in Mexiko belegt. „Ich werde mich beim Grand Slam in Düsseldorf erstmals mit ihm treffen“, berichtet Öchsner.

Schweizer vermittelt Argentinier

Der Kontakt zum Südamerikaner kam über einen Fitnesstrainer in der Schweiz zustande. Lucenti bereitet sich bei diesem immer wieder auf Turniere vor. „In den nächsten Monaten wird er viel in Europa sein. Sein Fitnesscoach hat für ihn einen Verein gesucht und uns angeschrieben“, erzählt der TSV-Trainer. Der Argentinier soll kein Platzhalter auf der Liste sein. „Acht der zehn Termine, die samt Finale in der Bundesliga anstehen, könnte er wahrnehmen.“ Lucenti wird in den Kategorien 81 und 90 kg antreten.

Robert Dumke (in weiß) hängt eine weitere Saison an. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Alle bisherigen ausländischen TSV-Athleten bleiben auch für die neue Saison im Kader, darunter die Olympiasieger Lukas Krpalek (100 kg) aus Tschechien und Fabio Basile (66 kg) aus Italien. „Lukas war erst kürzlich in Abensberg und hat uns zugesichert, dass er für den Finaltag bereit stehen würde. Und wir hoffen, dass auch Fabio mal für uns kämpft“, sagt Öchsner.

Die deutschen Aushängeschilder Sebastian Seidl, Manuel Scheibel (beide 66 kg) und Marc Odenthal (90 kg) halten dem TSV weiterhin die Stange. Die Altmeister Robert Dumke (90 kg) und Dominik Gerzer (100 kg) machen unverdrossen weiter, Philip Graf (60 kg) will nach einer Weltreise wieder einsteigen. „Es steht für unseren Teamgeist, dass uns keiner hängen lässt“, so die Verantwortlichen.

Abensbergs Bundesliga-Einsätze

  • Heimkämpfe

    stehen gegen Samurai Offenbach (14. April), TSV Großhadern (9. Juni), JSV Speyer (30. Juni) und JC Leipzig (22. September) an.

  • Auswärtskämpfe

    bestreitet der TSV bei TV Erlangen (7. April), JT Heidelberg-Mannheim (26. Mai), JC Rüsselheim (19. Juni) und KSV Esslingen (15. September).

Ob es zum großen Wurf – sprich dem 21. Titel – reicht, wissen weder Seidlmeier noch Öchsner. „Wir haben einen guten, hoch motivieren Kader.“ Entscheidend sei, wer zu den wichtigen Duellen verfügbar ist. „Der Olympia-Zyklus für Tokio läuft voll an. Wer weiß, wo Hamburgs Starensemble zur Endrunde am 3. November ist, wenn Nationaltrainer oder wichtige Turniere rufen.“ Für die Ausrichtung des Final Four will sich der TSV Abensberg bewerben. Vielleicht glückt „dahoam“ die Rückkehr auf den Bundesliga-Thron.

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