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Sport aus Kelheim
Samstag, 29. April 2017 13° 3

Judo

Mit Queen im Ohr auf die EM-Matte

Der Abensberger Judoka Manuel Scheibel kämpft bei der Europameisterschaft der Männer. „Wenn’s läuft, kann viel passieren.“
Von Martin Rutrecht

Manuel Scheibel (in weiß) reist als U23-Vizeeuropameister zur Männer-EM – „das ist eine ganze andere Kragenweite“. Fotos: Archiv

Abensberg.Alles folgt dem großen Plan. Auch wenn die Judo-Europameisterschaft der Männer ab Donnerstag in Polen gut drei Jahre vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio liegt, gilt sie für Manuel Scheibel als „eine Etappe“ auf dem Weg zum alles überstrahlenden Event im Zeichen der Ringe. „Ich würde mir das nicht alles antun, hätte ich nicht Tokio 2020 im Blick“, sagt der 23-jährige Athlet des TSV Abensberg. Die EM in Warschau ist die erste große Reifeprüfung für den Judoka aus Biburg – erstmals tritt er im Konzert der Männer an.

„Ein Medaillenkandidat bin ich als Neuling sicher nicht.“

Manuel Scheibel

Bereits am Donnerstag, dem ersten Turniertag, greift Scheibel ins Geschehen ein, noch am Dienstagabend saß er auf gepackten Koffern daheim in Biburg. „Der Ablauf ist ziemlich streng durchgetaktet“, erklärt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Erst am Mittwoch um 11 Uhr hob der Flieger ab nach Polen. „Ich bin die engen Zeitpläne gewohnt. In den unteren Gewichtsklassen hat man früh seinen Turniereinsatz“, sagt der 66 kg-Kämpfer. Der Anreisetag ist mit Quartier beziehen und dem Verfolgen der Auslosung mehr oder minder ausgefüllt. „Für ein Training bleibt keine Zeit mehr, aber man geht unmittelbar vor dem Wettkampf auch in keine hohe Belastung.“

Drei Kilogramm abnehmen

Die letzte fordernde Einheit absolvierte der Bauingenieur, der mittlerweile den Master an der TU München macht, am Ostermontagabend in der Landeshauptstadt. Von dort ging es noch zum Relaxen nach Hause zu den Eltern. „Da lasse ich es ruhig angehen.“ Eine Laufrunde zählte zu den letzten Aktivitäten. Scheibel muss drei Kilogramm Gewicht „machen“ (sprich abnehmen), um nicht über dem Limit der 66 kg-Klasse zu liegen. „Drei Kilo sind nicht dramatisch. Das schafft man als Judoka in ein, zwei Tagen.“

Manuel Scheibel (l., hier mit Philip Graf) arbeitet auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hin.

Unter sportlichen Schwergewichten findet sich der Biburger heute auf der Matte wieder. „Im Teilnehmerfeld stehen Medaillengewinner von Olympischen Spielen. Ein Kandidat auf einen Podestplatz bin ich mit Sicherheit nicht“, so Scheibel, der im November mit Silber bei der U23-EM in Israel seine erste internationale Großtat vollbrachte. „Ein Titelkampf der Männer ist nochmals eine ganz andere Kragenweite. Ich merke es auch an der Anspannung, die allerdings dazu gehört. Richtig umgesetzt, ist sie ein wichtiger Motivationsfaktor.“

„Ich hab’s nicht so mit den aktuellen Hits, ich steh‘ auf den alten Rock.“

Manuel Scheibel

In einen Turniertag geht der Abensberger Recke grundsätzlich sehr entspannt – und sehr früh. „Ich schaue immer, dass ich baldmöglichst in der Halle bin, mich dort eingewöhne, mir ein kleines Fleckchen suche und mich durch nichts ablenken lasse.“ Ein Hilfsmittel dazu ist „Musik in den Ohren“, wie Scheibel sagt. Er outet sich dabei als Fan älterer Rockmusik. „Von den aktuellen Hits kommt kaum etwas auf meinen Player – hauptsächlich sind es Gruppen wie Queen.“

Freddy Mercury soll ihm den Kick geben, um die gesteckten Ziele bei der EM zu erreichen. „Ich nehme mir keine Medaille vor, das wäre unrealistisch. Mir geht’s darum, in jedem Duell meine stärkste Leistung abzurufen. Ob es gegen die Top-Leute reicht, wird man sehen. Weil ich in der Männer-Weltrangliste noch weit hinten stehe, dürfte ich früh auf die Spitzenjudoka treffen“, formuliert Scheibel seine Aussichten und setzt dahinter: „Wenn es wie bei der U23-EM gut läuft, kann alles passieren.“

Eltern „müssen“ daheim bleiben

Über Lehrgänge in Berlin und Ungarn haben sich die deutschen EM-Starter über drei Wochen lang fit gemacht für die Wettkämpfe, die am Sonntag mit der Teamkonkurrenz enden. Auch dabei wird Scheibel mitmischen. Vor allem die jüngeren DJB-Athleten gehören dem EM-Tross an, „die andere Hälfte der Nationalmannschaft wird die WM bestreiten“. Mit einer starken Vorstellung in Warschau könnte der TSV-Bundesliga-Judoka („zum Start am 29. April bin ich dabei“) auf diesen Zug aufspringen.

Vereinskollege ist mit an Bord

  • Vizeeuropameister:

    Mit EM-Silber in der U23 im November schaffte Manuel Scheibel international einen Durchbruch. Heuer kämpfte er bislang nur den Grand Prix in Düsseldorf sowie die Weltcup-Turniere in Portugal und Italien, insgesamt mit überschaubarem Erfolg.

  • Weiterer TSV-Starter:

    Bei der EM in Polen wird mit Benjamin Münnich (81 kg) ein weiterer Abensberger Bundesliga-Judoka antreten. In der 60 kg-Kategorie, in der auch Philip Graf in Frage gekommen wäre, erhielt sein junger Rivale Moritz Plafky (Hennef) das Ticket.

„Vorgesehen ist aber, dass ich Mitte August bei der Universiade in Taipeh antrete. Das wäre ein neuerliches Highlight.“ Die heiße Phase für Tokio 2020 beginnt in zwei Jahren, wenn die Qualifikationspunkte für das Judo-Turnier vergeben werden, das nur die 32 weltbesten Akteure sieht. „Dann heißt es für mich, vorne dran zu sein.“ Bis dahin werde der Trainingsumfang wesentlich höher sein als die Wettkampfeinsätze. „Der Bundestrainer geht bewusst diesen Weg, um den Rückstand auf die Weltspitze zu verringern.“

„Als meine Eltern zuletzt dabei waren, lief‘s nicht so gut. Sie müssen jetzt daheim bleiben.“

Manuel Scheibel

Von Familie oder Freunden wird ihn trotz der relativ geringen Entfernung niemand nach Warschau begleiten. „Als meine Eltern zuletzt dabei waren, lief es nicht so gut – ich will daraus kein schlechtes Omen ablesen, aber die müssen mal daheim bleiben“, schmunzelt Manuel Scheibel, „mein Papa ist zu Hause mindestens so nervös wie ich in der Halle.“ Mitfiebern ist Ehrensache, wenn der Sprössling seine erste Herren-EM kämpft – 20 Jahre nachdem er als Dreijähriger in einer Kindergruppe mit Judo begann. Queen waren damals schon ein Vierteljahrhundert im Geschäft.

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