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Sport aus Kelheim
Montag, 22. Januar 2018 5

Geburtsstunde

Pastor zählt zur neuen Fußball-Spitze

Fußballkreis Niederbayern-West steht, Polizist ist Chef, Pfarrer Jugendleiter. Kelheim geht im Verbund der 222 Vereine auf.
Von Martin Rutrecht

Die neue Kreis-Spitze stellt sich neben BFV-Präsident Rainer Koch (l.) auf: Thomas Klenner, Christoph Falterer, Bernhard Kumpfmüller, Christian Eichhorn und Vorsitzender Rudolf Hamberger (v. l.). Foto: BFV

Ergolding.Lauter Beamte: Mit Schmunzeln nahmen die 354 Stimmberechtigten die erstmals gewählte Führungsspitze des neuen Fußballkreises Niederbayern-West auf. Der erste Kreisvorsitzende des ab 2018 gültigen Verbundes heißt Rudolf Hamberger (59), war bisher Bezirksjugendleiter und ist Polizeibeamter. Wie auch seine weiteren Kollegen wurde er einstimmig von der Versammlung gewählt. „Packen wir gemeinsam die Herausforderung an!“, erklärte er nach seiner Wahl im bis auf den letzten Platz gefüllten Bürgersaal in Ergolding.

„Ich danke, dass ich als evangelischer Pfarrer von so vielen Katholiken gewählt wurde.“

Thomas Klenner

Kreisspielleiter wird Christian Eichhorn, bisher in selber Funktion im (aufgelösten) Fußballkreis Straubing tätig. Der 50-Jährige arbeitet als Beamter bei der Stadt München. Für geistlichen Beistand entschied sich das Plenum beim Kreisjugendleiter: Dieses Amt übernimmt der evangelische Pfarrer Thomas Klenner aus Geiselhöring. Vor 30 Jahren schon begann er im Fußball als Schiedsrichter. Nach seiner Kür sagte er zur Erheiterung der Anwesenden: „Ich danke, dass ich als evangelischer Pastor von so vielen Katholiken gewählt wurde.“

Als Ex-Kicker, Trainer und Referee bringt Bernhard Kumpfmüller Erfahrung aus allen Blickwinkeln des Platzes in seine Funktion des Kreisbeauftragten für Frauen- und Mädchenfußball ein. Bei ihm gab es eine Enthaltung. Bestätigt – weil vorher bereits von den Unparteiischen gewählt – wurde Christoph Falterer (40) als Kreis-Schirichef.

So sieht der neue Zuschnitt mit Niederbayern-West und -Ost aus.

Über Jahre wurden die neuen Grenzlinien im niederbayerischen Fußball erarbeitet. „Die großartige Art und Weise der Strukturreform unter Einbindung aller Vereine war vorbildlich“, lobte BFV-Präsident Dr. Rainer Koch, der bekundete: „Ich möchte keine fußballlosen Orte in Bayern.“

1349 Teams spielen im West-„Flügel“

Der Fußballkreis Niederbayern-West setzt sich aus den Landkreisen Dingolfing-Landau, Rottal-Inn, Landshut und Kelheim (Ausnahme sind die „Regensburger“ Klubs) sowie dem Alt-Landkreis Mallersdorf-Pfaffenberg zusammen. „Augenblicklich haben wir in der neuen Region 222 Vereine“, sagte Christian Bernkopf, Vorsitzender im Fußballkreis Passau, der mit Deggendorf, Freyung-Grafenau, Regen und Straubing-Bogen den Kreis Niederbayern-Ost bilden wird. Im Westen stehen 367 Herrenteams im Spielbetrieb, mit Jugend, Frauen (mit Freizeitligen) sowie Senioren kommt man auf 1349 Mannschaften.

Sobald junge Spieler 18 werden, sollen sie künftig bei den Herren mitspielen dürfen. Foto: Daniel Rohn/BFV

Die drei Schiedsrichter-Gruppen für Niederbayern-West stellen 740 Unparteiische. Von mehreren Seiten wurde betont: „Wir brauchen mehr Schiris.“ Einen „konkreten Anreiz“ will Verbandschef Koch mit einer Erhöhung der Schiri-Kosten um zwölf Prozent schaffen. „Seit zehn Jahren sind die Gebühren für Spielleitungen unverändert.“

Gegen fünf Auswechselspieler

Die neu angebotene Spielform „Neun gegen Neun“ wurde in 359 Partien angewandt. Trotzdem blieb es bis zur Winterpause bei 79 Absagen in Niederbayern-West.

Beim Kreistag wurden Meinungsbilder zu drei angedachten Reformen im Spielbetrieb eingeholt; die Entscheidung trifft letztlich der Verbandstag. Eine große Mehrheit der Delegierten (70,5 Prozent) sprach sich für die Abschaffung des „Doppelspielrechts“ für Kicker in erster und zweiter Mannschaft aus. Bisher dürfen auf Kreisebene (ab Kreisliga abwärts) Spieler, die in der ersten Halbzeit im ersten Team auflaufen, mit einer Sperrfrist von zehn Tagen oder zwei Spielen auch für die Reserven im aufstiegsberechtigten Spielbetrieb kicken. Vereinfacht gesagt: Stammspieler der Ersten können für Team II antreten.

Die Vereine müssen den 1,5 Millionen Euro höheren BFV-Etat mitfinanzieren, mit 120 Euro je Klub. Foto: Oliver Berg/dpa

„Zu Saisonende wird das über die Maßen ausgenutzt, wenn es für die Reserve um Auf- oder gegen Abstieg geht“, erklärte Bezirksspielleiter Christian Engl. Dem schloss sich das Plenum an, der Ausnahmepassus soll gestrichen werden.

Vereine müssen 120 Euro mehr zahlen

Ähnlich eindeutig votierten die Vereinsvertreter (65,4 Prozent) für ein Herren-Spielrecht bei A-Junioren aus dem jüngeren Jahrgang, sobald sie 18 Jahre werden. „Die Sache ist zweischneidig: Einerseits kann ich jungen Kickern Einsatzzeit bei den Männern geben, andererseits läuft das U19-Team Gefahr, während der Saison ausgedünnt zu werden“, sagte Engl.

Ablehnung signalisierten 59,7 Prozent der Teilnehmer beim Vorschlag, die Zahl der Auswechslungen auf Kreisebene auf fünf Spieler zu erhöhen. Vier Wechsel sind genug, befand die Mehrheit.

„Die Zuschauerzahlen sinken und werden nicht mehr zunehmen.“

Dr. Rainer Koch

BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher berichtete von einem jährlichen Mehrbedarf des Verbandes von 1,5 Millionen Euro (Etat 2016: 18,8 Mio.). Zurückzuführen sei das auf erhöhte Ausgaben beim „Haus des Fußballs“ (600 000 Euro), wo der Pachtvertrag mit dem Volkstheater endet, die Sanierung der Sportschule Oberhaching (300 000), höhere IT-Kosten (250 000) sowie Gehalts- und andere Anpassungen (350 000). Die Vereine schultern den Aufwand zu einem Drittel, was 120 Euro pro Jahr für einen Klub bedeutet, gekleidet wird das in eine Anpassung der IT-Gebühren. Das Finanzierungskonzept wurde mit der Basis erarbeitet, betonte Faltenbacher.

Dr. Rainer Koch strich die Bedeutung des Amateurfußballs heraus und forciert die Digitalisierung. Foto: BFV

Einen flammenden Appell zur „unschätzbaren Bedeutung des Amateurfußballs“, hielt BFV-Präsident Dr. Koch. „In einer verrückten Welt“ mit 636,7 Millionen Euro Transferausgaben in der Bundesliga (2004/05: 85,73 Mio.) sei die Arbeit jedes Einzelnen an der Basis ein Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft. Hoch im Kurs steht beim Verbandschef die Digitalisierung: Liveticker, elektronische Spielerpässe oder Video-Apps zum Selbstfilmen laufen. „Die Zuschauerzahlen sinken und werden nicht mehr zunehmen. Die Chance liegt in der Außendarstellung im Netz. Fußball muss mehr bieten als zweimal Training und ein Spiel pro Woche.“

Dietmar Listl, 2. Abteilungsleiter TSV Langquaid Foto: mar

„Eine schöne Familie“ sei das, sagte Dietmar Listl, 2. Abteilungsleiter des TSV Langquaid, angesichts der Zahl von 222 Vereinen im neuen Fußballkreis Niederbayern-West. Wie er waren auch viele andere Landkreis-Klubs durch Vertreter bei der Geburtsstunde dabei. Listl trieb vor allem das Herren-Spielrecht für jüngere A-Junioren um. „Wenn ich talentierte Spieler habe, erhalten diese Kicker dadurch eine Chance. Aber der junge Kerl muss wissen, wo sein Platz ist, nämlich in der U19. Sonst laufen dir die Jugendtrainer davon, weil ihre Teams auseinanderfliegen.“ Es liege an den Vereinen selbst, hier intern klare Grenzen zu ziehen.

Michael Schmitz, Abteilungsleiter SV Saal Foto: mar

Michael Schmitz, Abteilungsleiter des SV Saal, ist gegen dieses „verjüngte“ Spielrecht. „Wir arbeiten unsere jungen Kicker auf. Sie müssen langsam an die Herren herangeführt werden.“ Anders als mancher Funktionär beurteilt er die Spielform „Neun gegen Neun“. „Wir hatten eine Partie, wo wir wegen des Gegners nur zu neunt spielten – dabei hatte der Gegner vier Ersatzspieler auf der Bank. Manche nutzen das aus, um ein Team der besten Kicker zu formen.“

Gerhard Müller, Abteilungsleiter SV Großmuß Foto: mar

Gerhard Müller vom SV Großmuß ging auf Mehrkosten für Vereine ein. „Es wird alles teurer, auch im Fußball lässt sich’s nicht vermeiden. Die höheren BFV-Abgaben werden für den IT-Bereich verwendet – das ist doch gut, dort liegt die Zukunft.“ Letztlich müsse man die Erhöhung freilich an die Vereinsmitglieder weitergeben.

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