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Sport aus Kelheim
Freitag, 4. September 2015 22° 5

Auftritt

Pförringer gibt ein Solo bei der Judo-EM

Sebastian Seidl kämpft als einziger Abensberger Athlet in Russland. Trotz einer Verletzung ist der 21-Jährige optimistisch.
von martin rutrecht, MZ

Sebastian Seidl (l.) traut sich bei der EM einiges zu. Am Donnerstag ist er im Einsatz. Foto: Archiv

Abensberg. Wenn man Moskau erreicht hat, ist es nicht mehr weit. Noch etwa 1800 Kilometer oder knapp 24 Stunden mit dem Auto in östliche Richtung, dann erreicht man das russische Tscheljabinsk, eine Stadt mit über einer Million Einwohner am Ural. Dort hält sich der Pförringer Sebastian Seidl vom TSV Abensberg gerade auf. „Das Hotel ist sehr schön, die Leute sind sehr gastfreundlich“, berichtet er, „und es ist angenehm warm.“ Zu touristischen Zwecken hat der 21-Jährige die weite Reise nicht gemacht. Seidl tritt am Donnerstag bei der Judo-EM in der Gewichtsklasse bis 66kg an.

Mittelfußknochen gequetscht

Der Sportsoldat ist diesmal der einzige Starter aus der Abensberger Garde der deutschen Athleten. Christopher Völk, Ole Bischof, Dimitri Peters und Andy Tölzer – sie alle wären Kandidaten auf eine Medaille bei den kontinentalen Titelkämpfen. Aber Tscheljabinsk ist für sie keine Reise wert. Das Quartett steckt längt mitten in den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in London. Eine EM passt zum jetzigen Zeitpunkt nicht in den Masterplan für die Spiele im Sommer.

Allein gelassen fühlt sich „Sebi“ Seidl nicht. „Im Gegenteil. Ich sehe es als Ehre, dass ich Abensberg als Einziger vertreten darf“, sagt der Pförringer, der freilich ein Reihe von Nationalkaderkämpfern an seiner Seite hat. Sieben Männer entsendete der Deutsche Judobund zur Europameisterschaft nach Russland, dazu zehn Frauen, darunter die frühere Babonin Viola Wächter. In Seidls Gewichtsklasse versucht auch Robert Kopiske (UJKC Potsdam) sein Glück.

Viele qualifizierte Olympia-Starter aus Europa lassen die EM wie das TSV-Quartett sausen. Für den Pförringer wird die Aufgabe damit nicht leichter. „In Russland gibt es die allerletzte Chance, sich in der Weltrangliste so zu verbessern, dass man in London noch dabei ist“, weiß Seidl. „Es wird eine beinharte Konkurrenz mit top motivierten Athleten.“ Er selbst hat auf den Sommer nie hingearbeitet, es käme zu früh – „ich blicke Richtung Olympia 2016“.

Der Abensberger Solist fühlt sich „super in Form“. „Ich möchte unter die ersten Sieben kommen“, steckt er sein Ziel ab. Dass er sich erst vor vier Wochen bei einem Trainingslager in Japan verletzte, lässt ihn kalt. „Auf der Matte bist du voll Adrenalin, du spürst nichts.“ Seidl hatte sich den Mittelfußknochen samt drei Kapseln gequetscht, als ein Trainingspartner auf sein Bein fiel. „Unser Doc wird das schon machen mit einer Spritze.“

London-Starter drückt die Daumen

Der amtierende Deutsche Einzel-Meister will seine nationale Position auch in Tscheljabinsk bestätigen. „Man muss sehen, was die Auslosung bringt und wie die Tagesform ist. Verstecken muss ich mich garantiert nicht.“ Das findet auch London-Starter Christopher Völk. Dem 73 kg-Athleten steht Seidl als „idealer Trainingspartner“ im Nationalkader zur Verfügung. „Bei Sebi muss der Knoten einfach mal platzen, er braucht einen guten Tag. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. In den ersten ein, zwei Jahren bei den Männern bin ich so oft früh ausgeschieden, dass ich mich fragte, ob ich alles verlernt hab’. Aber irgendwann geht es dann auf.“

Im Herbst 2011 wurde Seidl Fünfter bei der U 23-EM. Gekämpft wurde damals im russischen Tyumen, von Moskau 2115 Kilometer in östliche Richtung. Die Wege werden kürzer, vielleicht auch jene zu einer Medaille.

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