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Sport aus Kelheim
Samstag, 16. Dezember 2017 6

Themenwoche

Sportgericht zählte heuer 330 Fälle

Josef Heckner und Albert Kiel geben Einblick in die Fußballjustiz – trotz der Vergehen ist ihnen manchmal zum Schmunzeln.
Von Martin Rutrecht

  • Nach Foul oder anderen Vergehen gab es 73 Platzverweise von den A-Klassen bis zur Kreisliga Landshut. Foto: Archiv
  • Josef Heckner leitet das Bezirkssportgericht für Niederbayern. Fotos: privat

Kelheim.Auf manche „einfallsreiche“ Beleidigung müsse man erst kommen, schmunzelt Josef Heckner, der Vorsitzende des Bezirkssportgerichts in Niederbayern. „Da musst beim Lesen lächeln, aber natürlich müssen wir das genauso ahnden.“ Erinnerlich ist ihm besonders die Aussage eines Spieler gegenüber einem Unparteiischen: Bei Regen ging die Partie in Szene, besagter Kicker war wohl mit den Pfiffen des Schiris nicht einverstanden. „Jetzt schalt’ mal deine Scheibenwischer ein!“, forderte er den Mann in Schwarz auf, mehr Durchblick zu zeigen. Der Schiedsrichter fand es weniger lustig und der Casus wurde zum Sportgerichtsfall.

Im Fußballkreis Landshut, zu dem der Landkreis Kelheim überwiegend gehört, zählte der zuständige Sportgerichtsvorsitzende Albert Kiel in der abgelaufenen Saison 330 Fälle im Herrenbereich. Was auf den ersten Blick alarmierend aussieht, rückt der Mainburger relativierend gerade. „Wir reden von rund 1500 Spielen pro Saison, die Reserven mit eingerechnet.“

Dröselt man die Zahl auf, kommt man auf 73 Platzverweise, die von den A-Klassen bis zur Kreisliga behandelt werden mussten. „Das Meiste geht mit Sperren von ein, zwei Spielen ab“, erklärt Kollege Heckner, der mit dem Bezirkssportgericht für die Bezirksligen sowie Berufungen aus den Kreisen zuständig ist. In seiner Statistik der Bezirksligen West und Ost zogen 76 Hinausstellungen nur sechs Fälle mit mehr als drei Spielen Sperre nach sich.

„Ein Spielabbruch war notwendig – ein Team hatte nur mehr sechs Spieler.“

Albert Kiel

In großem Maß „anständig und fair“ verliefen die Spiele, sagen Heckner und Kiel. Wobei der Bezirkssportchef nichts verharmlosen will: „Wenn’s

mal einen großen Aussetzer gibt, dann geht’s meist schlimm ab.“ Davon sei man in den letzten Jahren verschont geblieben. Dass ein Spieler vor einen Schiri hinspuckte, sei heuer das Gröbste gewesen, blickt Kiel in seine Unterlagen. In dieser Causa folgte dann auch eine mündliche Verhandlung vor dem Sportgericht.

Albert Kiel steht dem Kreissportgericht Landshut vor.

Was vor der Fußballjustiz landet, hat nicht gleich alles mit Tätlichkeit oder Unsportlichkeit zu tun. „Wir haben immer mehr x:0-Wertungen vorzunehmen, weil vor allem Reserven gegen Ende der Saison nicht antreten. In der letzten Spielzeit waren es 59 Stück“, so Kiel über den Landshuter Sprengel. Ebenfalls in den Akten landet, wenn ein Spieler unberechtigt eingesetzt wird – „aber da liegt’s oft am falschen Eingeben im Spielbericht“.

Aggressives Verhalten gegen Schiris

Nur ein einziges Mal musste 2015/16 ein Spiel abgebrochen werden, doch nicht wegen irgendwelcher Handgemenge. „Da hatte eine Mannschaft zu Beginn neun Spieler, zur Pause waren’s nur noch sechs. Damit war das Spiel vorbei“, so Kiel. Unsportlichkeiten – 69 sind unter den 330 Fällen gelistet – reichen von Schubsern bis zu unflätigen Bemerkungen von Trainern, Abteilungsleitern oder auch Zuschauern. „Was mir nicht gefällt, ist das aggressive Verhalten gegenüber Schiedsrichtern. Hier sollten sich Spieler und Vereine vor Augen halten, dass es ohne Schiris nicht geht. Die Herren machen meist einen guten Job und haben Respekt verdient.“

„Einem Schiri wurde das Auto zerkratzt – 2000 Euro Schaden.“

Josef Heckner

Selbiger ging vor drei Jahren völlig verloren, als im Bayerischen Wald einem Referee das Auto zerkratzt wurde. „Das war ein Schaden von 2000 Euro. Wir haben damals auch eine vierstellige Strafe über den Verein verhängt“, erinnert sich Heckner, der diesen Vorfall am Rande einer Bezirksliga-Partie später verhandelte. Der Übeltäter selbst konnte nicht dingfest gemacht werden.

Insgesamt, so die beiden Sportgerichts-Herren, bliebe die Zahl der Fälle verglichen über mehrere Jahre unverändert. „Es wird also zumindest nicht schlechter. Besser könnte es immer werden.“ Immerhin würden sich Spieler, die sich zu dummen Worten hinreißen lassen, bei Schiedsrichtern öfters entschuldigen. „Einsicht ist schon ein erster Schritt zur Besserung“, sagt Kiel. „Auf einem Sportplatz sollte es fair zugehen.“

Böse Jungs

34 Unsportlichkeiten

... gegenüber Schiedsrichtern waren in der vergangenen Spielzeit im Fußballkreis Landshut bei den Herren aufgelaufen. Meist ging es um verbale Attacken, tätliche Übergriffe auf Schiris gab es nicht.

20 mal

... wurden Spieler unzulässig eingesetzt. Das kann etwa passieren, wenn ein Kicker noch gesperrt ist oder wegen des Einsatzes in einer anderen Mannschaft nicht spielberechtigt ist. Meist werden hier irrtümlich falsche Angaben im Spielberichtsbogen gemacht. Dennoch muss das aufgegriffen werden.

2 Fälle

... rassistischer Beleidigungen hatte das Landshuter Kreissportgericht 2015/16 zu behandeln.

19 sonstige Vergehen

... wurden am Bezirksportgericht aus den Bezirksligen Ost und West registriert. Darunter fallen Unsportlichkeiten von Trainern, Betreuern und Zuschauern. Wegen dieser Vergehen mussten insgesamt 1440 Euro Strafe gezahlt werden, auch wegen „Verletzung der Platzdisziplin“.

434 Fälle

... wurden am Kreissportgericht Straubing verhandelt – der Spitzenwert unter den vier niederbayerischen Fußballkreisen. Straubing ist aber auch der größte.

41 Berufungen

... aus den Kreisen gingen ans Bezirkssportgericht. Hier waren Vereine mit den Urteilen auf Fußballkreisebene nicht einverstanden.

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