mz_logo

Sport aus Kelheim
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Themenwoche

„Wir jammern nicht so rum“

Theresa Gruber kann die „Lesben“-Leier nicht mehr hören. Männer hält sie für wehleidiger. Ihre Spiele zuweilen für langweilig
Von Beate Weigert

  • Ja, Frauen spielen anderen Fußball als Männer. Wer jedoch jetzt wirklich das „starke“ Geschlecht ist, darüber haben Kickerinnen wie Martina Brandl (Foto) und Spielgruppenleiterin Theresa Gruber ihre eigene Meinung. Foto: Weigert
  • Siegenburg ist im Frauenfußball ganz groß (in Schwarz-Grün) Foto: Dr. Christian Kahler

Kelheim.Fußballkreis ist nicht gleich Landkreis. Die Frauen zwischen Aiglsbach, Saal und Herrngiersdorf kicken im Fußballkreis Landshut. Dort gab es in der abgelaufenen Saison 17 Damen-Teams bei 14 Vereinen sowie 30 Frauen-Freizeit- und 25 Juniorinnen-Mannschaften. Unsere Zeitung sprach mit der Kelheimerin Theresa Gruber über Unterschiede zum Männerfußball, zur Popularität auf den Dörfern und über Vorurteile. Seit 2014 ist sie Spielgruppenleiterin und BFV-Frauen- und Mädchenbeauftragte im Fußballkreis Landshut. Die 24-Jährige kickt selbst beim SV Saal.

Theresa, die Kirchdorferinnen bekamen sogar mit Meisterschale in der Hand noch dumme Sprüche nachgerufen. Hattest du auch schon mit Vorurteilen zu kämpfen?

Nein, ich habe da noch nichts mitgekriegt. Aber bei Bayernliga aufwärts heißt es immer noch oft: „Ah, das sind doch lauter Lesben. Schau dir, das Mannweib an.“ Die, die uns zuschauen, beschimpfen uns nicht, das sind ja unsere Fans.“ Wie das Image insgesamt nach außen ist, ist immer ein wenig schwer zu sagen, wenn man selbst innen drin steckt. Aber ich denke, dass Frauenfußball von vielen immer noch belächelt wird und bei den Vereinen hinten ansteht.

Wo liegen für dich die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball?

Die gibt es natürlich, so wie in allen Sportarten. Die Schnelligkeit ist anders, wir Frauen laufen nicht so schnell. Männer spielen taktischer. Ihr Fußball ist aber in meinen Augen manchmal langweiliger. Das ist wie beim FC Bayern. Die Männer passen sich gerne um den Strafraum den Ball zu. Eine Frau denkt sich auch mal: Das probiere ich jetzt einfach mal. Und sie wagt einen Distanzschuss aufs Tor.

„Schiris reißen sich nicht gerade um unsere Spiele“, sagt Theresa Gruber. Foto: Weigert

Wie ist es beim Foulen?

Männer sind immer wehleidiger, das ist eine Tatsache.

Pfeifen eigentlich weibliche Schiedsrichter Eure Spiele?

Nein, aktuell gibt es im Landkreis Kelheim auch gerade mal zwei aktive Schiedsrichterinnen beim TSV Herrngiersdorf und beim FC Mainburg. Im Fußballkreis sind’s zwölf. Unsere Spiele werden von Männern gepfiffen – und die reißen sich nicht gerade um unsere Spiele. Im Grunde finde ich das Geschlecht des Schiris unwichtig. Meist sind es jedoch junge Burschen, die die Herren noch nicht pfeifen dürfen, oder dienstältere Schiris. Wer Bayernliga aufwärts oder Männer pfeifen darf, der steht nicht mit uns auf dem Platz. Ich weiß noch gut, von wem ich meine allererste gelbe Karten bekommen habe. Von einem 14-Jährigen, der einen Kopf kleiner war als ich selbst.

Wie steht der Frauenfußball im Landkreis Kelheim deiner Meinung nach da?

Die Freizeitligen haben sich krass verbreitert. Bei uns hat quasi fast jedes Dorf ein eigenes Freizeitliga-Team. Es gibt dort inzwischen 16 Kleinfeld-Mannschaften. Das ist Problem und Freude zugleich. Denn durch die vielen Freizeitliga-Teams kommen weniger Teams in Kreisliga etc. zustande. Die meisten Vereine bringen nämlich deswegen nicht genug Leute für eine Großfeld-Mannschaft zusammen. Außerdem darf man bei den Frauen erst ab 16 Jahren spielen.

Diaspora sind wir also nicht mehr?

Nein, die Zeiten sind vorbei. Wir haben zwar keine solchen Hochburgen wie Passau oder Frauenbiburg, die eher für Frauen- als für Männerfußball bekannt sind. Doch auch wir haben Orte, wo Frauenfußball ganz groß ist. In Siegenburg etwa. Die hatten in der vergangenen Saison drei Teams (in Bezirks-, Kreis- und Freizeitliga). Die Erste ist in die Bezirksoberliga aufgestiegen.

Gab es ein bestimmtes Ereignis, dass Frauenfußball boomen ließ?

2006 hatten wir die WM zuhause. Ich weiß nicht, ob es damals generell einen Hype gab. In meiner Klasse in der Mädchen-Realschule St. Anna in Riedenburg haben damals jedenfalls einige mit dem Fußballspielen angefangen. Ich selbst war ein Jahr früher dran, ich spiele seit 2005. Bei mir lag’s daran, dass ich mit Jungs aufgewachsen bin. Und ich wollte schon immer Fußball spielen. Warum, weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Es ist einfach ein toller Mannschaftssport.

Alle Thementeile der Fußball-Serie finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht