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Sport aus Kelheim
Freitag, 19. Januar 2018 5

Stärkung

Wunderheiler kuriert Landesliga-Kicker

Aiglsbachs Martin Ehrenreich kann nach Behandlung wieder spielen – trotz Kreuzbandriss. Viertliga-Kicker stößt zum TV.
Von Martin Rutrecht

Martin Ehrenreich (l.) kann drei Monate nach seinem Kreuzbandriss wieder ins Training einsteigen. Foto: Rimmelspacher

Aiglsbach.Wahrlich Wundersames tut sich zur Winterpause beim Fußball-Landesligisten TV Aiglsbach. Zum einen ist da die Verpflichtung von Stefan Liebler, einem 21-jährigen Kicker vom VfB Eichstätt aus der Regionalliga Bayern. Zum anderen geht eine unglaubliche Kunde von Martin Ehrenreich, der Ende September einen Kreuzbandriss erlitt. Er suchte den Wunderheiler Mohamed Khalifa in Salzburg auf – und ist ohne Operation wieder soweit genesen, dass er am Montag beim Trainingsauftakt einsteigen kann.

„Er spazierte ohne Krücken und Schiene wieder raus.“

Peter Gaydarov

„Ich kann’s kaum glauben“, sagt Peter Gaydarov, der Trainer der Truppe aus der Landesliga Südost. „Martin Ehrenreich macht schon wieder Zehn-Kilometer-Läufe und lockere Passspielchen.“ Drei Monate nach einem Kreuzbandriss ist das eigentlich undenkbar. Doch der Manualtherapeut Khalifa hat den Hallertauer Kicker wieder hergestellt. Zu seinen Patienten zähl(t)en die Tennis-Asse Roger Federer, Steffi Graf oder Boris Becker ebenso wie Fußballprofis (Emre Can) oder der Musiker Herbert Grönemeyer.

Der gebürtige Ägypter behandelt Muskel- und Gelenkverletzungen nur mit seinen Händen. Intensiv massiert und knetet Khalifa verschiedene Stellen. Sein Mantra lautet: „Der Körper kann sich selbst heilen, wir helfen ihm nur ein wenig.“

Ohne Krücken aus der Praxis

Einem der größten Judoka des TSV Abensberg leistete der Handaufleger wertvolle Dienste: Der Olympiasieger und dreifache Weltmeister Ilias Iliadis rechnete nach einem Bänderriss im Ellenbogen und Knochenabsplitterungen mit dem Karriere-Ende. TSV-Ehrenabteilungsleiter Otto Kneitinger schickte den Griechen zu Khalifa und Iliadis konnte wieder auf die Matte.

„Der Körper kann sich selbst heilen. Wir helfen ihm nur ein wenig“, sagt Mohamed Khalifa. Foto: Archiv

Bei Martin Ehrenreich war es ähnlich und noch augenscheinlicher. „Er ist auf Krücken und mit Schiene zu Khalifa gehumpelt – und nach einer Stunde Behandlung ohne Hilfsmittel wieder rausspaziert“, schildert sein Coach Gaydarov. Trotz dieser Spontanheilung sind die Aiglsbacher vorsichtig im Hinblick auf die Zukunft des 30-Jährigen. „Wir werden sehen, wie viel er sich Stück für Stück zutraut. In seinem Alter kann er keine weitere Verletzung mehr brauchen, auch wegen Familie und Beruf.“

Auf die volle Leistungsstärke setzt der Tabellenvierzehnte bei Stefan Liebler, einem Neuzugang für das Mittelfeld. „Ich kenne ihn schon lange. Er war mal bei der U17 des SV Manching im Probetraining, als ich das Team dort betreute. Seither halten wir Kontakt.“ Der Mindelstettener Liebler entschloss sich damals zum Sprung zu FC Ingolstadt und absolvierte 39 Partien in der A- und B-Junioren-Bundesliga.

Ablöse an den VfB Eichstätt

Nach einem Jahr beim FC Sandersdorf ging er im Sommer 2017 zum VfB Eichstätt in die Regionalliga. „Er kam allerdings nur zu vier Einsätzen, für mich überraschend, weil er ein starker Spieler ist“, sagt Gaydarov. Als ihn der Coach im Winter auf einen Wechsel nach Aiglsbach ansprach, sagte Liebler zu. „Auch Eichstätt willigte ein. Wir mussten eine Ablöse zahlen, die sich aber im Rahmen hielt.“ Wie jeder andere Kicker beim TV werde auch der Neuzugang „keinen Cent erhalten, nicht mal Fahrtkosten“. Mit Zentral- oder Flügelspieler Liebler sei man im Mittelfeld nun „deutlich flexibler“.

Neuzugang Stefan Liebler spielte für den FC Ingolstadt in der Junioren-Bundesliga. Foto: FuPa

Auch mit Julian Kügel (20), der im vergangenen Sommer von Aiglsbach nach Eichstätt ging, waren die Hallertauer im Kontakt. „Aber nach 16 Spielen in der Regionalliga ist er klarerweise bestrebt, weiterhin seine Chance beim VfB zu suchen“, sagt Gaydarov. Verlassen haben den Verein Eugen Belousow (Manching) und Patrick Rzepka (TV Vohburg), die nicht zur Stammbesetzung der Ersten zählten.

„Ohne Geld kann man im Winter kaum Spieler holen.“

Peter Gaydarov

Dass Interesse an Aiglsbachs Torjäger Manfred Gröber (21 Tore im Herbst) herrscht, weiß Peter Gaydarov. „Aber er ist ein waschechter Aiglsbacher, als Funktionär eingebunden und die Leitfigur des Teams. Ihn wird keiner von uns loseisen.“ Auch der Coach selbst wird umworben. Mit 26 Jahren führt nicht so schnell ein Betreuer einen – im besten Sinne – „Dorfverein“ in die Landesliga. „Ich bin in der Nachdenkphase. Ich will aktuell dazu gar nichts sagen.“

Die Transferbemühungen der Hallertauer im Winter sind abgeschlossen. „Ohne Geldmittel kann man kaum Spieler verpflichten, die auch einschlagen. Und nur das hilft uns weiter.“ Nachdem Routinier Andreas Blattner (33) nach einem Bandenscheibenvorfall wieder genesen ist, kann der Kader am kommenden Montag vollzählig ins Training einsteigen.

Besuch beim FC Barcelona

Namhafte Gegner hat Aiglsbach im Vorbereitungsprogramm. Das Regionalliga-Team SV Wacker Burghausen wartet am 21. Januar auswärts auf die Hallertauer. Am 28. Januar steht ein Test gegen die U19 des TSV 1860 München an. Am 3. Februar geht es gegen den Landesliga-Mitte-Spitzenreiter SSV Jahn Regensburg II. Liga-Mitstreiter TuS Geretsried – gegen den der TV schon beide Saisonspiele bestritt – gereicht am 24. Februar zur Generalprobe für den Frühjahrsstart am 4. März daheim gegen die SpVgg Landshut.

Torjäger Manfred Gröber (in blau), der im Herbst 21 Treffer machte, wird von einigen Klubs umworben. Archivfoto: Rimmelspacher

Auf große Reise begeben sich die Hallertauer auch. Am 11. Februar geht es für sechs Tage in ein Trainingslager nach Barcelona. „Wir waren in den beiden vergangenen Jahren in der Türkei, aber unser Veranstalter hat uns aufgrund der politischen Lage diesmal davon abgeraten.“ Stattdessen wurde dem TV Aiglsbach „ein gutes Hotel“ in Barcelona offeriert.

Mit einem Tross von 25 Spielern und vier Trainern reist der TV nach Spanien. „Wir bestreiten auch ein Testspiel, den Gegner kennen wir noch nicht.“ Und der Besuch eines Barça-Spiel soll auch dazu gehören.

„Wir müssen gerüstet sein für den Abstiegskampf.“ Gaydarov sagt vor allem den vielen Gegentoren den Kampf an. „Wir arbeiten ruhig und besonnen weiter. Die guten Partien vor der Winterpause waren wichtig. Trotzdem: Wenn wir drin bleiben, wäre es ein mittleres Wunder.“ Erfahrung hat man in Aiglsbach nun in solchen Wunderdingen.

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