mz_logo

LG Telis Finanz
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Leichtathletik

Anja Scherl ist mittendrin in der Elite

In Valencia endet die Leidenszeit der Regensburger Telis-Läuferin. Der Kampf um die EM-Tickets 2018 verschärft sich dadurch.

In Amsterdam wurde im Sommer 2016 bei der EM der Traum von Anja Scherl wahr, das Nationaltrikot tragen zu dürfen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Valencia.Wie sich die Zeiten doch ändern: Es ist keine zwei Jahre her, da war ein Auftritt im Nationaltrikot der höchste aller Wünsche für Anja Scherl. Dann kam das Jahr 2016: Erst war die gebürtige Ambergerin beste Deutsche im Halbmarathon bei der Europameisterschaft in Amsterdam, dann beste Deutsche bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Und schwupps: Nun ist die 31-jährige Spätstarterin, die für die LG Telis Finanz Regensburg läuft, in Nürnberg Vollzeit arbeitet und in Bayreuth wohnt, eine Fixgröße der Top-Läufer-Szene Deutschlands. 2017 war bis zum Sonntag allerdings ein hartes Jahr: Mit Platz fünf beim Marathon in Valencia unterstrich Anja Scherl nach 15 Monaten Pause ihre Anwartschaft auf einen Platz im Aufgebot für die Heim-EM in Berlin von 6. bis 12. August 2018.

Nicht nur das: In 2:28:54 Stunden lieferte sie in ihrem fünften Marathon-Auftritt die zweitschnellste Zeit ihrer bisherigen Karriere. Eine knappe Minute schneller (2:27:50) war sie bislang nur in Hamburg im April 2016 gewesen, wo sie sich das Olympia-Ticket für Brasilien holte. „Mit dem Valencia-Marathon wird mein Laufjahr doch noch gut. Der Weg war weit, aber das Kämpfen hat sich gelohnt“, kommentierte Anja Scherl via Facebook ihr Ergebnis erleichtert. „Mein großes Ziel, die Empfehlung für Berlin, habe ich doch noch erreicht.“

Sieben Läuferinnen unter 2:35

Jetzt spitzt sich der Kampf um die Marathon-Tickets für Berlin zu. Mit Scherl hat am Sonntag bereits die vierte deutsche Läuferin seit Beginn des Nominierungszeitraums am 1. August die Norm von 2:32 Stunden unterboten. Nur drei Marathon-Läuferinnen können für die EM nominiert werden, darüber hinaus gibt es drei weitere Startplätze für das Europacup-Team – mit einer Norm von 2:35 Stunden, die nunmehr bereits sieben Läuferinnen in der Tasche haben, darunter mit Franzi Reng (2:34:57 Stunden) eine weitere Läuferin der LG Telis Finanz. Auch LG-Läufer Jonas Koller hat als Zweiter der deutschen Meisterschaften mit 2:16:03 Stunden den Richtwert für Berlin erfüllt.

„Hinten raus wurde es hart, aber es war knapp unter 2:29 Stunden“, berichtete Marco Scherl, Ehemann und Trainer der Regensburger Läuferin, schon kurz nach dem Zieleinlauf am Handy Telis-Teamchef Kurt Ring. Die Olympiateilnehmerin von 2016 war ohne Tempomacher angereist und hatte versucht, den auf 2:27 Stunden angelegten Marschplan der Afrikanerinnen mitzugehen – angesichts der schwierigen Vorbereitungsphase und einer zweimaligen Verschiebung des Herbststarts wegen hartnäckiger muskulärer Probleme durchaus ein mutiges Unterfangen.

„Wenn Anja an der Startlinie steht, muss man immer mit einer guten Zeit rechnen.“

Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig

Es zahlte sich aber voll aus: Nun liegt Anja Scherl hinter Katharina Heinig, die als deutsche Meisterin 2017 trotz etwas schwächerer Zeit bereits gesetzt ist, und Anna Hahner (2:28:32 Stunden) an dritter Stelle der derzeitigen Rangliste für die EM in Berlin. Mit Sabrina Mockenhaupt und Lisa Hahner können noch zwei weitere namhafte Läuferinnen, die bereits unter 2:30 Stunden gelaufen sind, im Frühjahr 2018 noch nachlegen. „Wenn Anja an der Startlinie steht, muss man immer mit einer guten Zeit rechnen“, zeigte sich Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig im Statement gegenüber dem Internet-Portal leichtathletik.de wenig überrascht über den starken Scherl-Auftritt.

DM-Auftritt in Düsseldorf nötig?

Bis 29. April ist also bei den Damen für viel Spannung gesorgt. „Abwarten und Tee trinken, kann ich zu Anjas Position nur sagen. Im schlimmsten Fall muss sie bei der DM in Düsseldorf ran, sollten bis dahin alle fünf Unter-2:30-Kandidatinnen vor ihr liegen. Allein die jungen Wilden müsste sie dann in Schach halten“, sagt Telis-Teamchef Kurt Ring. „Ein kleines Restrisiko bleibt dennoch: Wenn es bei einer dieser Drei wie bei Anja Scherl im Frühjahr 2016 eine Leistungsexplosion gibt, schaut’s wieder anders aus.“ Sicher ist vorerst nur: Für alle, die auch in Berlin sehr erfolgreich sein wollen, ist der späte Meisterschaftstermin im Hinblick auf eine saubere EM-Vorbereitung eher destruktiv. (orv/cw)

Die Schnellste muss bangen

  • Eine der Folgen der Leistung

    von Anja Scherl in Valencia ist, dass es für die derzeit beste Deutsche, Fate Tola Geleto eng werden könnte. Sie weist zwar als persönliche Bestzeit 2:25:14 Stunden auf, ist aber bislang innerhalb des deutschen Nominierungszeitraumes nur eine Zeit von 2:30:12 Stunden gelaufen.

  • Wenn aus der Youngster-Garde

    mit Fabienne Amrhein, Laura Hottenrott oder der Regensburgerin Franziska Reng eine Läuferin bei den deutschen Meisterschaften am 29. April des nächsten Jahres in Düsseldorf den Meistertitel holt und obendrein unter der A-Norm von 2:32:00 Stunden bleibt, könnte das trotz einer dann schwächeren Zeit Fate Tola aus dem Team kegeln.

Weitere Meldungen aus dem Sport finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht