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LG Telis Finanz
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Leichtathletik

Die Gala kämpft mit Problemen

Die Erfolgsgeschichte der Veranstaltung am Wochenende begann 2006. Meeting-Direktor Kurt Ring sieht sie am Scheideweg.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Drei von vier Startern der WM-Staffel 2015 in Peking starten in Regensburg. Julian Reus, Sven Knipphals, und Aleixo-Platini Menga stehen in der Liste, nur Alexander Kosenkow fehlt. Foto: Michael Kappeler/dpa

Regensburg. Es begab sich im Jahr 2006. Ganz Deutschland war ein Sommermärchen. Niemand traute sich damals, dem Fußball die Stirn zu bieten. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) tat sich schwer, einen Ausrichter für die Europacup-Qualifikation zu finden. Regensburg aber hob die Hand und hatte fortan eine Vorzeige-Veranstaltung, die von der sportlichen Güteklasse ihresgleichen in der Oberpfalz sucht. Zehn Jahres ist das jetzt her: Und auch 2016 ist das Feld wieder proppenvoll, das stets eine Mischung aus Breite und Spitze darstellt. „Ich bin zufrieden“, sagt Turnierdirektor Kurt Ring. „Ich bin mir sicher, wir sehen hier wieder an die 20 Olympia-Fahrer.“

Es ist einer dieser Reize im Stadion der Universität, das diesmal am Samstag mit der Laufnacht (12.45 bis 22 Uhr) und Sonntag (Vorprogramm ab 11.15 Uhr, Hauptprogramm ab 14 Uhr) wieder Gala-Schauplatz ist, dass auch internationale Größen aus 20, 30 Nationen vorbeischauen, die sich oft erst später als solche zeigen. 2012 sprintete sich der Brite Adam Gemili auf der Uni-Laufbahn in Regensburg zu Olympia. Inzwischen ist er amtierender Europameister über 200 Meter und die 100 Meter unter zehn Sekunden gelaufen. Vor Zürich 2014 gab ein gewisser Karriem Hussein Regensburg über 400 Meter Hürden die Ehre. Drei Monate später entfachte der Schweizer zuhause helle Begeisterung, weil er bei der Heim-EM in Zürich die einzige Goldmedaille für das Alpenland gewann.

„Es geht nicht mehr weiter“

Solche Höhepunkte gibt es viele in der Meeting-Geschichte – und doch ist die Zufriedenheit von Kurt Ring nur eine relative. Der rastlose wie streitbare und stets alles kritisch beäugende Motor der Regensburger Leichtathletik bei der LG Telis Finanz sieht die Veranstaltung, die ein Dauerbrenner zu sein scheint und schon vor 2006 als Domspitzmilch-Gala (benannt nach dem damaligen Klubsponsor) existierte, jetzt an einem Scheideweg angekommen. „Wir sind in einer Sandwichposition“, sagt er. „Die Gala ist ein schönes Sportfest, aber wir können uns nicht entwickeln. Es geht nicht weiter.“ Im Gegenteil: Die Tendenz ist eher rückläufig, weil Kurt Ring nicht so kann, wie er gerne möchte.

Macher stecken in der Zwickmühle

Früh hatten Präsident Norbert Lieske, Ring und alle Mitstreiter erkannt, dass Geld auch in Infrastruktur gesteckt werden muss – zum Beispiel in einen Livestream, eine Videowand, die Präsentation mit Moderatoren und viele andere kleine Dinge außenherum mehr. Doch das Budget wächst nicht, sondern schrumpft. Ring und Co. stecken in der Zwickmühle. „Entweder ich gebe Geld für unsere Athleten aus. Oder ich muss sie abgeben und stecke es in die Gala.“ Momentan gehen die Gelder in „kleine Stipendien“ für die LG-Spitzenleute, die heuer bei EM und Olympia so zahlreich vertreten sein werden wie nie. „Für Fußballer wäre das ein Taschengeld“, ordnet Kurt Ring die Beträge teils weit unter vierstelligen Summen ein. Die Auswirkungen werden heuer noch nicht so sichtbar sein, auch wenn gar kein Stabhochsprung stattfinden wird, obwohl die Anlage nach den Schäden aus dem Vorjahr, als die Disziplin deswegen fehlte, behoben sind. „Ich kann’s mir nicht leisten“, erklärt Ring, der jeden Cent umdrehen muss. „Klar kann man rationalisieren, aber so geht vielleicht das Meeting kaputt.“

Ein wenig vermisst der LG-Macher auch die Wertschätzung. Obwohl Topsportler aus aller Welt sich die Ehre geben, goutieren die Zuschauer die Veranstaltung seit Jahren nicht so wie es ihr angemessen wäre. Und auch vom DLV oder der Stadt würde sich Kurt Ring größere Unterstützung wünschen. „Wir bluten aus, wenn man uns nicht schätzt“, sagt er. „Wir wollen ja nicht mal Geld, nur Türen sollte man uns aufmachen“, hofft er zum Beispiel auf ein städtisches Bekenntnis wie zuletzt beim Eishockey oder beim Fußball sowieso. „Ich weiß, wir kriegen eine Halle“, blickt er auf ein am Rande der Sparkassen-Gala vor einem Jahr gegebenen Versprechen von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zurück. „Aber für möglichst wenig möglich viel zu haben, geht eben nicht. Im Herbst soll es ja einen Gipfel geben, wo man einordnen, wo man die Leichtathletik haben will.“

Wird der Sparkurs 2017 sichtbar?

„Die Folgen von heuer werden erst im nächsten Jahr sichtbar werden“, sagt Ring. „Wir zahlen zum ersten Mal keine Prämien. Würden wir das diesmal noch nach dem alten Status machen, würden wir wahrscheinlich arm werden.“ Auch auf anderem Gebiet wurde ein rigider Sparkurs gefahren. „Wir haben nicht nur in der Technik gespart, sondern auch bei den Übernachtungen der Kaderathleten. Kann gut sein, dass uns deswegen einige verlassen.“

Von besonderen Wünschen für die Läuferfelder zum Beispiel ganz zu schweigen. „Für einen 5000-Meter-Lauf mit einer Normzeit müsste ich etwa 10 000 oder 15 000 Euro in die Hand nehmen, um gute Leute zu verpflichten. Die habe ich aber nicht. Am teuersten sind sowieso die Tempomacher“, sagt Ring.

Dabei ist Kurt Ring nach wie vor überzeugt von der seit Jahren erfolgreichen Veranstaltung. „Das Format ist fernsehtauglich, wir organisieren gut und die Athleten rennen uns Tür und Tor ein. Das wird auch weiter so sein“, sagt Ring, der aber auch ein Problem mit den Ehrenamtlichen auf sich zukommen sieht, „von denen keiner auch nur einen müden Euro sieht. Wir müssen allein schon 80 Kuchen backen. Denn wir müssen ja Geld mit unserer Veranstaltung verdienen.“

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