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LG Telis Finanz
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Leichtathletik

Ostbayerns Elite auf der Olympia-Bühne

Philipp Pflieger und Anja Scherl von der LG Telis Finanz Regensburg sind schon heiß auf den Marathon in Rio de Janeiro.
von Felix Kronawitter, MZ

  • Für Philipp Pflieger bedeutet sein Auftritt bei den Olympischen Spielen die Krönung nach einem steinigen Weg. Foto: Kiefner
  • Erst EM, dann Olympia, heißt es für Anja Scherl. Foto: dpa

Regensburg.Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sitzen Anja Scherl und Philipp Pflieger auf dem Podium bei der Pressekonferenz der LG Telis Finanz Regensburg. In etwa drei Monaten wollen beide Marathonläufer bei den Olympischen Spielen mit einem noch breiteren Grinsen über die Ziellinie laufen.

Vor allem für den Regensburger ist der Auftritt in Rio de Janeiro die Krönung nach einem steinigen Weg. Ende September vergangenen Jahres hatte der 29-Jährige beim Marathon in Berlin als bester Deutscher für Furore gesorgt. Mit 2:12:50 legte Pflieger eine formidable Zielpremiere hin. Doch es fehlten exakt 35 Sekunden zur deutschen Olympianorm – zumindest bis Ende Januar. Denn nach dem Doping- und Korruptionsskandal gab der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einem Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) statt, 17 der 43 Einzelnormen zu senken, darunter auch jene für den Marathon. Und Pflieger hatte die Olympia-Quali plötzlich doch in der Tasche.

„Wir haben einen olympischen Ansatz, der Verband einen elitären.“

Kurt Ring

Das Unverständis in den Telis-Reihen darüber, dass in Deutschland – im Gegensatz zu vielen anderen Nationen – höhere Anforderungen gelten, als die des Leichtathletik-Weltverbands, ist aber nach wie vor groß. Beim Thema Normen redet sich Kurt Ring so richtig in Rage. Auf den DLV und den DOSB ist der Teamchef der LG Telis Regensburg weiterhin nicht gut zu sprechen. „Wir haben einen olympischen Ansatz, der Verband einen elitären“, moniert Ring. Es gehe immer nur um Medaillen.

Lesen Sie hier: Pflieger hat Olympia-Quali in der Tasche

Querelen halten an

„Es ist eine schwierige sportpolitische Entscheidung, weil der DOSB alle Sportarten gleich behandeln will und dementsprechend nicht die jeweiligen Kriterien der IAAF übernimmt“, sagt DLV-Präsident Clemens Prokop. Der DLV müsse den Vorgaben des DOSB entsprechen. „Laut DOSB wird nur nominiert, wer eine qualifizierte Endkampfchance hat“, erklärt Prokop.

Trotz der Querelen freut sich Ring nun auf das große Highlight für seine beiden Schützlinge. Eine Woche wird er selbst in Brasilien verweilen und Pflieger und Scherl anfeuern. Bei den baldigen Olympia-Teilnehmern beginnt jetzt langsam die heiße Vorbereitungsphase. Am 21. August, dem Finaltag hat Pflieger seinen großen Auftritt. Am liebsten wäre er zusammen mit der deutschen Olympia-Mannschaft am 5. August bei der pompösen Eröffnung ins berühmte Maracana-Stadion eingelaufen, doch darauf muss der Telis-Mann leider verzichten. Das Training geht vor.

Vor wenigen Wochen bekam der Schwabe bei der Präsentation der deutschen olympischen Kleidung einen ersten Vorgeschmack. „In den Augen hat man das Feuer gesehen“, berichtet Pflieger , der am Freitag die frohe Kunde erhielt, dass er – eigentlich nur Ersatzmann – nun doch bei den Europameisterschaften im Juli über die halbe Marathondistanz starten darf, über seine künftigen Teamkollegen.

Anja Scherl schlüpft in Amsterdam ebenfalls ins Nationaltrikot. Für die 30-Jährige erfüllt sich damit ein Traum, der am 14. August in Rio seine Krönung erfährt.

Lesen Sie hier: Des Pfliegers neue Olympia-Kleider

Senkrechtstarterin schlechthin

Scherl, die aus Ursensollen (im Landkreis Amberg/Sulzbach) stammt, ist die Senkrechtstarterin schlechthin. Durch die Normensenkung des DLV eröffneten sich für die Athletin ganz neue Perspektiven. Schon im Februar beeindruckte Deutschlands „schnellste Freizeitläuferin“, die als Softwareentwicklerin in Vollzeit arbeitet, beim Halbmarathon in Barcelona. Und setzte zwei Monate später noch einen drauf.

In Hamburg machte Scherl das Rennen ihres Lebens. Als sensationelle Dritte überquerte sie die Ziellinie und löste mit 2:27:50 Stunden, 8:40 Minuten schneller als je zuvor, das Olympia-Ticket. „Da hat einfach alles gepasst“, erinnert sich Scherl, die damit sogar die ursprüngliche Marathon-Norm (2:28:30) klar unterboten hatte.

„Regensburg kann stolz sein, so stark in Rio vertreten zu sein“, freut sich Prokop über die erfolgreichen Leichtathleten in seiner Heimatstadt.

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