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Montag, 25. September 2017 19° 3

Regensburg.

Manuel Neuers Handschuhe im Gepäck

Physiotherapeut Joachim Schmidt war beim EM-Titelgewinn der deutschen Nachwuchsstars hautnah dabei.

Machte die deutschen Nachwuchskicker fit für den EM-Titelgewinn: Joachim Schmidt, Physiotherapeut aus Regensburg Foto: Lex

von heinz gläser, mz

Starke Rückenbeschwerden machten Torhüter Manuel Neuer zu schaffen. Bei Mannschaftskapitän Sami Khedira war bis zuletzt fraglich, ob er wegen einer Prellung am Knie im Finale gegen England einsatzfähig sein würde. „Bei ihm stand’s Spitz auf Knopf“, sagt Joachim Schmidt. Die Leiden des Reservisten Sandro Wagner wiederum waren nicht körperlicher, sondern seelischer Natur. Ihm half Schmidt nicht mit Massagen und Salben, sondern mit warmen Worten: „Ich habe immer zu ihm gesagt: Halt durch, du kriegst deine Chance!“, blickt der 42-Jährige zurück.

Guter Draht zu Horst Hrubesch

Der Physiotherapeut aus Diesenbach im Landkreis Regensburg hat den Triumphzug der deutschen U-21-Fußballer zum EM-Titel hautnah miterlebt. Eine „spannende und unglaubliche Zeit“ liegt hinter ihm, sagt Schmidt. Dabei hatte der gebürtige Dortmunder, der vor 20 Jahren in die Oberpfalz kam und in der Praxis der Nationalelf-Physiotherapeuten Klaus Eder und Christian Müller an der Regensburger Königsstraße tätig ist, gar nicht mit einem beruflichen Ausflug nach Schweden gerechnet. Erst sechs Wochen vor dem Turnier meldete sich Klaus Eder telefonisch mit der Frage: „Hast du eventuell Lust auf die U21?“

Schmidt hatte. Natürlich. Zu U-21-Coach Horst Hrubesch bestand ohnehin ein guter Draht. Man kennt und schätzt sich – seit der gemeinsamen Arbeit für die mittlerweile verflossene DFB-Förderauswahl „Team 2006“. „Horst beherrscht sein Geschäft aus dem Effeff. Er kann unheimlich mitreißend sein“, beschreibt Schmidt die Qualitäten des Erfolgstrainers. Und so begleitete der 42-Jährige die Mannschaft vom vorbereitenden „Teambuilding“ am Tegernsee bis hin zum 4:0-Finalsieg in Malmö gegen die Engländer. Er berichtet von einer „super harmonischen Atmosphäre“, einer „traumhaften Umgebung“ in Schweden – und er erinnert sich an amüsante Momente.

Mit RTL-„Superstar“ Thomas Godoj nahm die DFB-Delegation in Hannover kurz vor der Abreise den Song „Helden gesucht“ auf. „Da stehst du schon ziemlich einsam vor dem Mikro“, schmunzelt Joachim Schmidt. Eine musikalische Rolle, die ihm offenbar nur bedingt behagt. Andererseits sagt er: „Wann erlebst du so etwas als Normalsterblicher?“

Bei der Arbeit an der Massagebank fühlt sich Joachim Schmidt mehr zu Hause als im Tonstudio. Seit zwölf Jahren bereits knetet er die Muskeln von Nachwuchskräften in verschiedenen Auswahlteams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Angefangen hatte alles beim Olympia-Team von DFB-Coach Uli Stielike. Mit der Aufgabe bei der U21 hat sich nun ein „persönlicher Traum“ erfüllt, sagt Schmidt. Und Freundschaften sind gewachsen. Den Schalker Manuel Neuer, den er wegen seiner Blessur intensiv betreute, beschreibt er als „unheimlich nett und bodenständig“. Zum Dank für die erfolgreiche Behandlung schenkte ihm der Torhüter seine Handschuhe.

„Den kriegt ihr wieder hin“

Gesten wie diese helfen, die Trennung von der Familie – Ehefrau Silvia und den beiden Töchtern – zu verschmerzen. „Sechs Wochen sind eine lange Zeit“, sagt Schmidt und fügt hinzu: „Wenn du zu Hause anrufst, heißt es dauernd: Papa, wann kommst du denn wieder?“ Der permanente Stress während des Turniers hilft bisweilen, das Heimweh zu verdrängen. Denn Druck verspüren bei der EM nicht nur die U-21-Stars auf dem Rasen. Auch die Physiotherapeuten – neben Schmidt zählte Kollege Klaus Kollmannsberger von Klaus Eders „Eden Reha“ in Donaustauf zum DFB-Tross in Schweden – sind gefordert. „Wenn einer angeschlagen ist, kommt der Trainer schon mal vorbei und sagt: ‚Pass mal auf, den kriegt ihr bis zum nächsten Spiel wieder hin!’“, berichtet Schmidt.

Zu Hause kann er jetzt bei den Hobbys Surfen und Mountainbiken wieder entspannen, sofern es sein berufliches Engagement zulässt. Ob Joachim Schmidt weiterhin für die deutsche U21 tätig sein wird, ist derweil noch offen. Mit Hrubesch-Nachfolger Rainer Adrion hat er ein entsprechendes „Vorgespräch“ geführt und sein Interesse bekundet. „Aber neue Trainer bringen ja häufig ihre eigenen Leute mit“, weiß der 42-Jährige. Fußball sei eben ein „schnelllebiges Geschäft“. Das gilt sogar für die Männer im Hintergrund.

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