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Sport aus Neumarkt
Montag, 20. November 2017 5

Stimmungsbild

Der Kampfsport steht im Fokus

Im Ringen, Boxen und Judo stehen jeweils Weltmeisterschaften an – die MZ beleuchtet die Lage der Sportarten in Neumarkt.
Von Thorsten Drenkard

Aktuell wird bei der WM in Paris um Medaillen gerungen. IN Neumarkt wird man kommende Saison das Derby zwischen Oberölsbach und dem ASV Neumarkt nicht erleben können, weil die Neumarkter in die Landesliga abstiegen. Archivfoto: Thumshirn

Judo: Ab Montag lockt die Judo-WM nach Budapest – auch aus Mühlhausen reist man nach Ungarn zum Spektakel.

Reiner Brinkmann gehen selten die Worte aus. Der Abteilungsleiter der Judoka beim SV Mühlhausen/Sulzbürg gibt stets umfassend und offen Auskunft, vor allem, wenn es um seinen Herzenssport geht. Also beschreibt er auch ohne Umschweife den aktuellen Zustand seiner Sportart im Verein sowie im Kreis Neumarkt als „schon einmal besser“. Soll heißen: Die Mitgliederzahlen stagnierten zuletzt. In Mühlhausen sind es aktuell 70 Mitglieder, man war aber schon jenseits der 80.

Als er auf nach den Gründen der Entwicklung gefragt wird, hält Brinkmann kurz inne – er muss kurz Luft holen, denn es gibt einige Ursachen. Da sei zum einen die Konkurrenz mit anderen Sportarten, „aber das ist normal und gehört dazu“, so Brinkmann. Hinzu kämen zeitliche Kollisionen mit dem Schulunterricht. „Der Nachmittagsunterricht an den Schulen kostet uns richtig Kinder“, so Brinkmanns aus der Judoka-Perspektive.

Judo in Mühlhausen ist Familiensache: Die Brinkmanns, Ehefrau und Mutter Sybille (v.l.), die Söhne Tobias und Mathias sowie Ehemann und Vater Reiner, haben die Abteilung beim SV nicht nur aufgebaut, sie trainieren und organisieren weiterhin fleißig zum Wohl der Sparte. Archivfoto: Drenkard

Zudem vermisst er bei vielen Buben und Mädchen den Willen zum sportlichen Vergleich, viele schreckten vor Wettkämpfen zurück. „Bei einigen fehlt der Biss. Da fehlt mir auch ein wenig der Schub durch die Eltern“, sagt Brinkmann, der mit seiner Frau am Montag zur WM nach Budapest fahren wird.

Zudem fristet Judo, gerade im öffentlichen Fernsehen, ein Schattendasein – auch von der am Montag beginnenden WM in Ungarn wird es keine Live-Berichte geben. Für Mathias Brinkmann, Trainer in Mühlhausen und Jugendleiter des Judo-Bezirks Oberpfalz, ist die fehlende TV-Präsenz ein Grund, weshalb zuletzt kein signifikanter Mitgliedersprung im Nachwuchsbereich gelang – und wohl auch durch die WM kaum in Parsberg, beim ASV und der DJK Neumarkt, beim Henger SV, dem TuS Kastl sowie dem SV Mühlhausen/Sulzbürg gelingen wird. „Wenn die WM im Fernsehen nicht gerade in den Nachrichten groß gebracht wird, wird es eher keinen Schub geben“, sagt Brinkmann.

Eindrücke aus der Judo-Abteilung des SV Mühlhausen/Sulzbürg in einer Bildergalerie:

Judo-Abteilung des SV Mühlhausen

Dabei hätte Judo deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, ist er überzeugt. Denn im Judo würden nicht nur grundlegende Werte wie Respekt, Höflichkeit und Freundschaft vermittelt, der Sport fördere und fordere zudem „den gesamten Körper und den Geist“ der Athleten.

Boxen: Amateur-Boxer kämpfen ab Freitag um WM-Gold – den Neumarkter ASV-Trainer freut‘s und ärgert’s zugleich.

Eranos Özdemir ist Cheftrainer und Abteilungsleiter bei den Boxern des ASV Neumarkt. Der Coach ist überzeugt: „Boxen ist weniger gefährlich als andere Sportarten wie zum Beispiel Fußball.“

Eine Aussage, die verwundern mag, welche der Coach aber begründet: Beim Fußball verursachten beispielsweise Grätschen in die Beine des Gegners immer wieder für üble Verletzungen, so Özdemir. Im Amateur-Boxen hingegen, gerade bei den Jugendlichen, sorgten Kopf- und Tiefschutz sowie gepolsterte Handschuhe dafür, dass sich die Kontrahenten möglichst wenig verletzten. Gehirnerschütterungen habe er in seinen drei Jahren, in denen er beim ASV als Coach zuständig ist, bei seinen Boxern noch nicht erlebt.

Eranos Özdemir (l.) coacht die Neumarkter ASV-Boxer. Archivfoto: Hoffmann

Im Gegensatz zum omnipräsenten Fußballsport ist das Boxen hierzulande mittlerweile aber „leider zur Randsportart abgeschoben worden“, bedauert Özdemir. Ein Beleg für Özdemirs Aussage: Die Amateur-Box-WM in Hamburg, die ab Freitag stattfindet, wird nicht bei den großen Sendern live übertragen. „Diese Entwicklung finde ich ganz schlecht“, sagt Özdemir, der im Internet die Kämpfe verfolgen will.

Jammern möchte er aber nicht. Seine 77 Mitglieder starke Abteilung (davon 30 aktive Boxer) habe zuletzt einen durchaus erfreulichen Zulauf erfahren – auch wenn es natürlich gerne mehr sein dürfte. So eine Weltmeisterschaft im eigenen Land sei eine feine Sache und wäre eigentlich die optimale Plattform, um für den Sport zu werben, findet Özdemir. Wenn aber die Fernsehzeiten fehlten, werde diese Chance aber vertan.

Boxen sei kein bloßes „Mit-den-Fäusten-Schwingen“, so Özdemir: „Jugendliche bekommen dadurch Selbstbewusstsein. Auch die Kondition, Koordination und das Reaktionsvermögen werden gefördert.

Ringen: Auch in Neumarkt freuen sich die Ringer über Gold für Frank Stäbler bei der WM – einen Boom erwarten sie nicht.

Frank Stäbler hat bei der Ringer-WM in Paris für mächtig Furore gesorgt. Der Deutsche schaffte mit seinem Goldmedaillen-Gewinn im griechisch-römischen Stil (bis 71 Kilo) Historisches: Er ist der erste deutsche Ringer, der in zwei verschiedenen Gewichtsklassen bei einer WM Gold gewann. Bereits 2015 war er in der Kategorie bis 66 Kilo nicht zu bezwingen.

Durch seine außergewöhnliche sportliche Leistung hat Stäbler zudem etwas geschaffen, das der Ringersport hierzulande nur sehr selten erfährt – bundesweite Aufmerksamkeit für die olympische Sportart.

Das freut natürlich Jürgen Drabant, Abteilungsleiter der Neumarkter ASV-Ringer. Es sei schön, wenn ausnahmsweise einmal ein deutscher Ringer im öffentlichen Fokus steht. „Da wird sichtbar, dass Deutschland bei der WM gut vertreten ist und was im Deutschen Ringerbund geleistet wird. Man ist ja nicht gerade mit Erfolgen verwöhnt“. Drabant will sich aber keinen naiven Träumereien hingeben. Aus jahrelanger Erfahrung glaubt er zu wissen, dass die heimischen Amateur-Ringer eher nicht vom Erfolg Stäblers und der damit einhergehenden Berichterstattung profitieren werden. „Das verpufft wieder“, sagt der 54-Jährige.

Frank Stäbler holte für Deutschland Gold bei der Ringer-WM. Foto: Christophe Ena/dpa

Im Neumarkter Ringen funktioniere Werbung vor allem per Mundpropaganda, weiß Drabant. Zudem ragten drei Ereignisse besonders heraus, wenn es darum geht, das Ringen in der Region ins Rampenlicht zu rücken: Die beiden Derbys gegen die Equipe des SC Oberölsbach sowie der jährliche Volksfestkampf. Allerdings musste heuer das Kräftemessen beim Jura-Volksfest ausfallen (der Gegner hatte kurzfristig abgesagt), zudem wird es in der Anfang September startenden Saison keine zuschauerträchtigen Derbys gegen den SCO geben. Denn während die Ölsbacher Ringer weiter in der Bayernliga auf die Matte gehen, muss der ASV als Absteiger in der Landesliga ran.

Zwar sei der Kader für die Saison 2017/18 personell „nicht so stark besetzt wie zuletzt“. Aber dennoch: „Das Ziel muss natürlich der Aufstieg sein – auch wenn ich uns nicht zu den klaren Favoriten zähle“, sagt Drabant.

Im Seniorenbereich stünden dem Verein momentan rund 25 Ringer zur Verfügung, bei den Schülern befinden sich laut Drabant etwa 20 Schüler im Trainingsbetrieb. Dort lernen die Ringer nicht nur die taktischen und technischen Kniffe auf der Matte, sie erlangen auch Ausdauer und Koordination. „Ringen ist ein fairer, ehrlicher Sport – ,Mann gegen Mann‘ oder ,Frau gegen Frau‘. Man kann sich hinter niemandem verstecken“, sagt Drabant.

Ein weiterer Aspekt des Ringens: Es fordert enorme Disziplin. Schließlich wird in verschiedenen Gewichtsklassen gekämpft, da muss zwangsläufig auf die Ernährung geachtet und auf so manche süße Leckerei verzichtet werden.

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