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Sport aus Neumarkt
Donnerstag, 18. Januar 2018 9

Interview

Handballclub will auch Neumarkter locken

Der HC ist aus Erlangen, spielt in Nürnberg und will die ganze Metropolregion mitnehmen, wie René Selke erklärt.
von Wolfgang Endlein

Seit zwei Saisons bietet der HC Erlangen wieder erstklassigen Handball in der Arena Nürnberg. Fotograf Neis / Eibner

Neumarkt.Herr Selke, warum sollte sich ein Neumarkter für den Handballclub Erlanger, der in Nürnberg spielt, und den Begriff Metropolregion Nürnberg seit einiger Zeit im Logo trägt, erwärmen?

Der Name ist gar nicht so wichtig, sondern was Zuschauer mit dem Produkt HCE verbinden. Klar ist, wir kommen aus Erlangen und das ist unsere Keimzelle, aber wir sind den Stadtgrenze inzwischen entwachsen und haben einen großen Bekanntheitsgrad in der Region erlangt. Das zeigt sich ja auch an den Fans und Sponsoren, die inzwischen aus der gesamten Region kommen. Übrigens auch aus Neumarkt.

René Selke war zunächst seit 2011 Torwart beim HC Erlangen. Nach seiner Sportkarriere wechselte der Jurist ins Management des Handballbundesligisten, dessen Geschäftsführer er inzwischen ist. Foto: Hahn/Langer

Und was sollen die Menschen mit dem Produkt HCE verbinden?

Der HC Erlangen ist kein Kunstprodukt, sondern steht für eine nachhaltige Entwicklung seit vielen Jahren. Der HCE steht aber natürlich vor allem für Handball, eine emotionale, schnelle, harte, aber zugleich faire Sportart. Letztlich geht es darum, dass die Menschen, die bei uns in der Halle waren, diese mit positiven Gefühlen verlassen. Das ist, womit wir begeistern wollen.

Weiteres zur Geschichte des HCE und wann die nächsten Spiele sind, lesen Sie hier:

Geschichte und Gegenwart des HC Erlangen

  • Geschichte:

    Die Geschichte des HC Erlangen ist geprägt von einer Reihe von Fusionen diverser Erlangener Handballvereine. Bis Anfang der 2000er Jahre spielten gleich zwei Vereine, HG und CSG, in der 2. Liga, bevor sie finanziell scheiterten. 2001 entstand in einer Fusion der HC, der aber bis 2008 brauchte, um wieder in der 2. Liga zu landen.

  • Trendwende:

    Die Erfolgsgeschichte des HCE startet 2010 vor dem Hintergrund einer neuerlich drohenden Insolvenz. Damals übernahm eine Reihe von Erlanger Geschäftsleuten unter der Führung des Anwalts Carsten Bissel den HC. 2014 stieg man in die 1. Liga auf. Auf den Abstieg 2015 folgte der Wiederaufstieg.

  • Aktuelle Spiele:

    Wer den HCE sehen will , hat dazu in den nächsten Tagen reichlich Gelegenheit. Schon am Donnerstag geht es in Nürnberg gegen die Füchse Berlin (20.45 Uhr), marketingtechnisch mit allerhand als „Black Night“ aufbereitet. Zum Boxing-Day lädt der HCE am Mittwoch beim Spiel gegen Leipzig (19 Uhr).

Und das wollen Sie an immer mehr Menschen aus der Region.

Es wäre nicht klug, das Potenzial der Region nicht zu nutzen.

Hat denn die Metropolregion Nürnberg genügend Potenzial, beispielsweise an Zuschauern?

Ja absolut. Das zeigt ja auch unser Zuschauerschnitt und dessen Entwicklung. Wir haben inzwischen rund 5000 Zuschauer pro Spiel im Schnitt.

Dr. Carsten Bissel ist der Aufsichtsratsvorsitzende des HC Erlangen und seit 2010 Motor des Aufschwungs, den der HCE genommen hat. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Und wo soll es mal hingehen?

Das Ziel ist es, den Schnitt Jahr für Jahr anzuheben. In die Arena Nürnberg passen 8000 Zuschauer. Wir rechnen nicht damit, dass wir künftig immer ausverkauft sind, aber ein Fernziel ist es schon, die Arena regelmäßig zu füllen.

Die Zuschauer sind das eine, die Sponsoren das andere. Welche Rolle spielt das für den Ansatz, das Projekt HCE auf die Ebene der Metropolregion auszuweiten?

Beides ist wichtig: Fans und Sponsoren gleichermaßen. Natürlich muss der Spielbetrieb finanziert werden und wir haben das Glück, dass wir beim HCE über eine breite Sponsorenbasis verfügen. Klar ist auch: Es ist jedes Jahr eine Herausforderung, den Spielbetrieb eine Stufe höher zu setzen.

In der 1. Liga trägt der HC Erlangen seine Heimspiele in der Arena Nürnberg aus. Foto: Eibner

Wofür es Geld und damit weitere Sponsoren braucht. Warum sollte beispielsweise eine Neumarkter Firma den HCE sponsoren?

Die Bekanntheit des HCE hat sich ausgeweitet. Nicht zuletzt ist auch die mediale Reichweite enorm gestiegen. Vor allem seit Sky alle Spiele der Bundesliga live im TV zeigt. Aber auch weil das Produkt sehr positiv belegt ist.

In der Metropolregion geht aber nicht nur der HCE auf Sponsorenjagd. Wie sehr sehen sie die zwei Fußballzweitligisten, die Nürnberg Ice Tigers und Brose Bamberg als Konkurrenten im Werben um Sponsoren und Zuschauer?

Als Konkurrenz sehe ich das nicht. Ich denke, dass jeder seine Nische besetzt. Der Markt gibt das her. Das zeigen die Zuschauerzahlen. Erstliga-Handball ist noch dazu ein relativ neues und stark wachsendes Produkt in der Region. Wir bringen frischen Wind hinein.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist ebenfalls Mitglied des prominent besetzten Aufsichtsrates des HCE. Foto: Andreas Gebert/dpa

Besieht man sich den Aufsichtsrat des HCE fallen die vielen prominenten Namen, vor allem die von Wirtschaftslenkern wie dem ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer auf. Namen, die mit Erfolg verbunden sind. Ist das auch ein Ausweis für die Ambitionen des HCE?

Es ist auf jeden Fall ein Beleg dafür, wie gut der HCE aufgestellt ist.

Aufgestellt für welche Ziele, fragt sich. Wohin soll es langfristig gesehen gehen?

Ich denke, dass man im Zeitraum von drei bis vier Jahren realistische Aussagen treffen kann. Unser Ziel ist es, uns in der Handballbundesliga, der stärksten Liga der Welt, zu etablieren. Dabei sind wir wirtschaftlich und sportlich auf einem guten Weg.

2015 musste sich der HC Erlangen nach einer Saison 1. Liga kurzzeitig wieder in das Unterhaus verabschieden. Foto: Strohdiek / Eibner-Pressefoto

Angesichts des Einsatzes, mit dem die Entwicklung des Vereins zu einer Sportfirma vorangetrieben wird, fragt man sich, ob der HCE nicht in einigen Jahren an der Spitze mitspielen kann?


Der HCE ist marketingtechnisch sehr rührig, wie der Weltrekord in der 2. Liga beweist.

Wenn man nicht das Ziel hätte oben mitzuspielen, wäre man im Sport falsch. Aber im Profisport zu prognostizieren, wo man in zehn Jahren steht, halte ich für Quatsch. Das wäre Spekulation. Wir wollen uns zunächst im Mittelfeld festsetzen. Man muss zudem bedenken, dass wir vor drei Jahren erstmals auf- und dazwischen wieder abgestiegen sind. Das Projekt 1. Liga ist also noch recht neu für uns. Und man muss auch bedenken, mit wem wir konkurrieren.

2016 stieg der HC Erlang postwendend wieder in die 1. Liga auf und feierte das angemessen. Foto: Deutzmann/Eibner

Beispielsweise mit Weltklasse-Teams wie Kiel. Wie viel Geld braucht es, um in der Handballbundesliga erfolgreich zu sein?

Am unteren Ende haben die Teams einen Etat von rund 1,5 Millionen Euro. Bei den Spitzenteams sind es rund zehn bis elf Millionen Euro.

2016 stieg der HCE in die 1. Liga auf. Über den Aufstieg berichtete die MZ in diesem Artikel.

Und wo bewegt sich da der HCE?

Im unteren Mittelfeld. Wobei das den Gesamtetat betrifft. Beim Spieleretat, der eigentlich entscheidenden Größe, sind wir noch weiter unten im Feld, denn wir haben große Kosten. Die Arena beispielsweise ist toll, aber sie kostet eben auch einiges an Miete. Deshalb war der neunte Platz in der Vorsaison ein herausragendes Ergebnis.

Trainer Frank Bergemann war über viele Jahre hinweg am sportlichen Geschehen und letztlich am Erfolg des HCE beteiligt. Foto: Jens Wolf/dpa

Was ist mit diesem Geld in dieser Saison möglich? Aktuell rangiert der HCE auf Platz 14.

Wir haben zu dieser Saison einen Umbruch im Team vollzogen und einen Kern an vor allem deutschen und relativ jungen Spielern aufgebaut, der die nächsten Jahre zusammenspielen kann. Das ist sportlich wichtig, aber nicht zuletzt auch für die Identifikation mit dem HCE. Wir bauen dabei auf eine nachhaltige Entwicklung und verfolgen eine langfristige Strategie.

Der Umbruch hat die Saison nicht einfacher gemacht.

Gemessen daran und am Verletzungspech, das wir hatten, bin ich gar nicht so unzufrieden. Zumal wir bislang auch viele Auswärtsspiele hatten. Mit den Heimspielen und wenn die Verletzten zurückkehren, bin ich mir sicher, dass wir noch einige Punkte holen und im Mittelfeld landen werden.

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