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Sport aus Neumarkt
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Sportpolitik

Neumarkts Vereine ringen um Hallenzeiten

Zeiten in den öffentlichen Sporthallen sind begehrt. Die Nachfrage wächst – ab den Weihnachtsferien fallen aber Zeiten weg.
Von Thorsten Drenkard

Die Ringer des ASV Neumarkt stehen traditionell im Turnerheim auf der Matte. Auch im Neubau werden sie ihre Kampf- und Trainingszeiten erhalten – allerdings wohl nicht in dem Ausmaß, das sich die Abteilung vorgestellt hat. Archivfotos: Schlittenbauer

Neumarkt.Es war ein vermeintlich erfreulicher Satz, den Stadtrat und Sportreferent Martin Meier (UPW) bei der jüngsten Stadtratssitzung gelassen aussprach. Alle Vereine seien mit dem ausgearbeiteten Belegungsplan für die städtischen Turnhallen zufrieden, frohlockte Meier. Der Bau einer weiteren Dreifach-Turnhalle, wie in der Sitzung beantragt und später abgelehnt, sei überflüssig. Alles wunderbar also?! – nicht wirklich, wie am Beispiel des städtischen Turnerheims zu sehen ist.

Die insgesamt 17 Hallen im Stadtgebiet sind heiß begehrt. Foto: Scheibl

Aktuell wird die Sportstätte millionenschwer von der Stadt umgebaut, derzeit ist sie nur von Schülern im Zuge des Sportunterrichts nutzbar. Erst ab April 2018, also nach der winterlichen Kernzeit, werden wohl die Vereine das neue Turnerheim nutzen können. Das prognostiziert zumindest Thomas Thumann, der als Leiter des Städtischen Hauptamts (das zugleich auch Sportamt ist) für die Verwaltung und Vergabe der begehrten Zeiten hauptverantwortlich zuständig ist.

Bereits seit Monaten ringen Neumarkter Vereine um die in Aussicht gestellten Belegungszeiten im Turnerheim, konkurrieren beispielsweise Basketballer, Artisten und Ringer um dringend benötigte Räumlichkeiten.

Circusverein sendet einen Hilferuf

Nachdem der Circusverein Neumarkt ursprünglich nicht im geplanten Belegungsplan für das Turnerheim berücksichtigt worden war, sendet der Vereinsvorsitzende Alexander Radeck einen Hilferuf im Neumarkter Tagblatt.

„Wir sind Unterkante Oberlippe und platzen aus allen Nähten. Wir mussten schon Kurse absagen.“ Der Verein und das Artico e.V. bräuchten für ihre rund 1400 Mitglieder händeringend Hallenzeiten.

Eigentlich waren laut Radeck von der Stadt sieben Stunden in der Halle der Weinberger Schule angeboten worden. Diese seien aber unter anderem aufgrund der Zeiten (teilweise erst ab 20 Uhr) für die jungen Kinder des Vereins zu spät gewesen.

Auch die Turner sind auf Hallenzeiten dringend angewiesen. Foto: Endlein

Vergangene Woche saßen Thomas Thumann und die Mitglieder des Sportarbeitskreises erneut zusammen, um über dem komplexen Belegungsplänen der insgesamt zehn städtischen Sporthallen zu brüten. Ein Augenmerk lag dabei auch auf dem Turnerheim und dem Circusverein – ein (noch nicht offizielles) Ergebnis: Die jungen Artisten werden nun doch im Neubau des Turnerheims trainieren und üben dürfen, wie Thumann dem Tagblatt verrät.

Doch wo einer kommt, muss einer weichen. In diesem Fall hat es die Basketballer der Fibalon Baskets Neumarkt erwischt, die stattdessen die geplanten Zeiten des Circusvereins in der Weinberger Straße übernehmen und dort auf Korbjagd gehen werden.

Wie die Hallenbelegung funktioniert, zeigt das Beispiel er Schule in der Weinberger Straße:

Beispiel der Schule Weinberger Straße

  • Abendsport an der Mittelschule Weinberger Straße unter der Woche:

    In der Woche steht von Montag bis Donnerstag für je fünf Stunden sowie freitags insgesamt acht Stunden (insgesamt also 28 Stunden) die Sporthalle an der MS Weinberger Straße regelmäßig für den Vereinssport zur Verfügung.
    Hinzu wird die Halle einmal im Monat nachts für vier Stunden für „Basketball um Mitternacht“, organisiert vom Jugendbüro, genutzt.
    Im Winter (von November bis März) wird samstags von 9 bis 19 Uhr in der Halle gesportelt.
    Das wären 42 Stunden pro Woche, in denen die Halle für den Vereinssport zur Verfügung steht. Da es sich um eine Zweifach-Sporthalle handelt, muss diese Zahl noch Mal zwei genommen werden.
    Insgesamt sind in dieser Sporthalle 17 Vereine und Gruppen aktiv, wobei davon vier Vereine mehrfach an verschiedenen Tagen Trainingszeiten haben.

Im neuen Turnerheim werden sich künftig auch weiterhin die Ringer des ASV Neumarkt austoben. Neben einem eigens für die Abteilung angelegten und rund um die Uhr nutzbaren Mattenraum, wird der Ringer-Riege am Wochenende erneut der Samstag für Wettkämpfe zur Verfügung stehen. „Außerdem erhalten die Ringer noch freitags eine Halleneinheit für ihr Training“, versprach Thumann.

Wie die Stadt die Belegungszeiten der Hallen vergibt, erklärt Hauptamtsleiter Thomas Thumann in diesem Interview.

Bei Jürgen Drabant, zweiter Vorsitzender des ASV Neumarkt und zugleich Abteilungsleiter der Ringer, stoßen jene Pläne der Stadt dennoch auf ausbaufähige Gegenliebe – eine Trainingseinheit im Turnerheim pro Woche „ist für uns eigentlich zu wenig“. Die Abteilung sei traditionell mit der Sportstätte verbunden und auf zumindest noch einen weiteren Trainingstag für ihre Jugendlichen und Erwachsenen angewiesen.

Die Fibalon Baskets erhalten wohl keine Zeiten im Turnerheim. Foto: Rehberger

Eine Ansicht, die Thomas Thumann „nicht nachvollziehen kann“. Der Hauptamtsleiter macht den Ringern wenig Hoffnung auf zusätzliche Zeiten. „Stand jetzt, wird das sehr schwierig“.

Wenn es nach Erich Ploch geht, Koordinator der Jugendfußballer beim SV Höhenberg, ist die Belegungsproblematik im Turnerheim auch hausgemacht. „Es war ein Fehler, damals bei der Entscheidung für den Umbau am Kopfbau des Turnerheims festzuhalten. Statt einer Zweifach- braucht es eine Dreifach-Turnhalle“.

Insgesamt neun Jugendfußballteams aus Höhenberg nutzen derzeit die Hallen in der Stadt, unter anderem kickt der Nachwuchs in der Halle der Mittelschule an der Weinberger Straße, in der Knabenrealschule und der Wolfsteinschule. Ploch: „Für uns passt das insgesamt schon. Aber man hat eigentlich keine Chance, zusätzliche Zeiten zu bekommen.“ Zu umkämpft seien die Hallen unter den Vereinen.

Laut Martin Pechl von der verantwortlichen Liegenschaftsverwaltung des Landkreises Neumarkt kommen in Landkreis-Sporthallen „im Jahr rund 11300 Belegungsstunden zusammen“. Die Sportstätten seien, gerade zu Trainingszeiten unter der Woche, nahezu hundertprozentig ausgelastet.

Ostendorfer-Hallen sind dicht

Ab 2. Januar wird sich die angespannte Situation noch einmal verschärfen. Denn aufgrund des Abbruchs des alten WGGs werden ab diesem Tag bis zum Beginn der Faschingsferien zwei Hallen des Ostendorfer Gymnasiums komplett geschlossen sein.

Davon sind auch die Artisten des Circusvereins betroffen, wie Radeck weiß: „Die Zeiten fallen für uns ersatzlos weg.“ Bei einer Nachfrage am Landratsamt nach eventuellen Ausweichmöglichkeiten habe es laut Radeck bedauernd geheißen – leider keine Chance. Martin Pechl vom Landratsamt und Thomas Thumann vom städtischen Hauptamt eint bei ihren diffizilen Aufgaben eines: „Recht machen könne man es nicht jedem“, so Thumann, auch wenn „wir stets unser Bestes versuchen“, so Pechl.

Beide sind sich aber auch einig: Stadt und Landkreis böten den Vereinen eine große Zahl an Sporthallen an. Also doch alles wunderbar?! Das freilich nicht, aber auch alles bei weitem nicht schlecht.

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