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Eishockey

DEB-Team testet in Nürnberg für die WM

Marco Sturms Mannschaft trifft am Samstag auf Tschechien. Bei der WM im eigenen Land sind mindestens drei NHL-Stars dabei.
Von Thorsten Drenkard

Marco Sturm war als Spieler bei der Heim-WM 2001 für Deutschland dabei und führt das DEB-Team nun bei der Weltmeisterschaft Anfang Mai ins Turnier. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nürnberg.Was es bedeutet, eine Eishockey-Weltmeisterschaft im eigenen Land bestreiten zu dürfen, das weiß der heutige Bundestrainer Marco Sturm wesentlich besser einzuschätzen als der damalige NHL-Profi Marco Sturm, der 2001 als 21-jähriger Jungspund mit dem deutschen Nationalteam aufs Eis ging.

„Im Nachhinein ist der Stellenwert für mich heute deutlich höher als damals, als ich noch sehr jung war. Es war am Ende eines der schönsten Turniere überhaupt für mich. Der Spaß im Team, die Begeisterung der Fans, das war unglaublich. Da stellt es mir heute noch die Haare auf, wenn ich daran denke“, sagt Sturm und streicht sich mit der Hand über den Unterarm, als er von damals schwärmt.

Damals wie heute gilt: Eine WM vor heimischen Fans, das ist ein unvergessliches Erlebnis für jeden Spieler, der dabei sein darf. „Dieses Gefühl versuche ich auch den Spielern zu vermitteln“. Am 5. Mai findet das Eröffnungsbully der Titelkämpfe statt, die Deutschland und Frankreich gemeinsam bis 21. Mai ausrichten werden.

Das Nationalteam befindet sich mittlerweile in der heißen Vorbereitungsphase. Seit Dienstag trainieren die Spieler in Nürnberg, wo am Samstag ein Testspiel gegen Tschechien ausgetragen wird (16 Uhr). Tags darauf geht es abermals gegen den sechsmaligen Weltmeister, den man seit zehn Jahren nicht mehr besiegt hat, dann in Mannheim.

Tobias Rieder ist schon dabei

Mit dem 24-jährigen Tobias Rieder ist bereits ein deutscher NHL-Profi (Arizona Coyotes) zum Team gestoßen. In einem der beiden Testspiele wird der Landshuter am Wochenende zum Einsatz kommen, so Sturm.

Weiterhin kann der 38-jährige Bundestrainer auf die Dienste zweier weiterer Profis, die in der besten Eishockeyliga der Welt ihr Geld verdienen, setzen: Verteidiger Dennis Seidenberg und Torhüter Greiss (beide New York Islanders) werden am Donnerstag in einer Woche für die abschließende Vorbereitungsphase zur Mannschaft stoßen, ebenso wie die Nationalspieler von Meister München und Vize-Champion Wolfsburg.

Und da wären noch die Übersee-Spieler des deutschen Teams wie Tom Kühnhackl (Pittsburgh), Philipp Grubauer (Washington), Leon Draisaitl (Edmonton) und Korbinian Holzer (Anaheim). Sie alle spielen momentan noch in den Playoffs um die Stanley Cup-Trophäe in der National Hockey League (NHL).

Eine Hintertür bleibt offen

Zwar sagt Sturm: „Momentan ist es kein Thema, dass ich irgendeinen Platz im Kader offen lasse.“ Die Hintertür ist aber nicht geschlossen, „schließlich habe ich bis zwei Stunden vor dem ersten WM-Spiel Zeit, meinen endgültigen Kader zu nominieren“. Nach diesem Wochenende wird es einen größeren Umbruch im Team geben, denn „aktuell ist der Kader um vier, fünf Spieler zu groß“.

Mit dem Nürnberger Patrick Reimer, zuletzt zum DEL-Spieler der Saison gewählt, plant Sturm indes für die Heim-WM. „Patrick ist ein Leader in unserem Team“. Für Reimer wäre die Weltmeisterschaft im eigenen Land eine Premiere. Bei den letzten Titelkämpfen 2010 in Deutschland hatte ihn eine Schulterverletzung noch zum Zuschauen verdammt. Besondere Anspannung verspürten er und seine Mitspieler nicht, versichert der 33-Jährige: „Wir kennen diese Drucksituationen und wissen damit umzugehen. Ich freue mich auf die WM.“

Patrick Reimer Foto: Mario Hommes/Eibner

Indes gestand der Stürmer ein, dass nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund die Sicherheit während des Weltturniers auch in der Nationalmannschaft ein Thema ist. „Sicherlich haben wir darüber gesprochen. Aber man muss auch weitermachen und sollte es nicht zu sehr im Kopf haben. Irgendwie im Hinterkopf wird es aber sein, dass so etwas passiert ist“.

Angesprochen auf das sportliche Ziel, halten es der Stürmer sowie der DEB-Coach mit vagen Floskeln. Man denke von Spiel zu Spiel, die Konzentration gelte der ersten Partie gegen die USA, es warteten harte Brocken auf das Team, so der Tenor.

In den Tests gegen Tschechien will der Nationalcoach „eine weitere Steigerung meiner Mannschaft sehen“. Generell werde sein Team bei der kommenden WM „wie bisher unter meiner Führung weiter mutig nach vorne spielen“, ohne dabei aber die Abwehrarbeit zu vernachlässigen.

Stiefmütterlich behandelt wurde in den vergangenen Jahren hingegen die Nachwuchsarbeit im deutschen Eishockey, hervorgebrachte Stars wie Draisaitl und Kühnhackl bilden die erfreuliche Ausnahme. „In der Nachwuchsförderung hat man einiges verpasst. Da sind alle gefragt, das zu verbessern – die Vereine, die DEL und der DEB“, mahnt Sturm an. Ein Schritt dahin ist das Fünf-Sterne-Nachwuchsprogramm des DEB, von dem jene Vereine finanziell profitieren, die sich besonders um die Förderung junger Spieler verdient machen. „Das ist generell der richtige Weg, aber es wird Jahre dauern, bis das fruchtet“, glaubt Sturm.

Stolze 52 Teams, von der DEL bis zur Oberliga, haben sich in der vergangenen Saison um fünf Sterne beworben, lediglich elf erhielten diese – einer davon: der EV Regensburg. Ein Erfolg für den Oberpfälzer Verein, eine Ohrfeige für jene sieben DEL-Klubs, welche die Fünf-Sterne-Vorgaben nicht erfüllt haben (darunter auch Nürnberg). „Ziel sollte es schon sein, dass alle DEL-Klubs fünf Sterne haben“, so der Nationaltrainer.

Bei der Betreuung seines DEB-Teams vor und während der WM kann Sturm unter anderem auf einen namhaften Weggefährten aus alten NHL-Zeiten setzen.

Der Schwede Mikael Samuelsson spielte mit Sturm einst zusammen in Übersee (San Jose, Vancouver, Florida), war zuletzt im Nachwuchsbereich in Schweden als Coach tätig und ist Mitglied des exklusiven Triple Gold Clubs, dem nur angehört, wer jeweils den Stanley Cup, Olympia- sowie WM-Gold in seiner Karriere gewonnen hat. „Sami ist ein guter Freund. Er soll speziell unsere Stürmer noch ein bisschen weiterbringen“, so Sturm.

Schließlich sollen bei der Heim-WM möglichst viele Tore und Siege für eine unvergessliche Stimmung sorgen – Gänsehaut inklusive.

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