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Sport aus Neumarkt
Donnerstag, 27. April 2017 7

1. FC Nürnberg

Meeskes Bilanz: „Gut“ bis „Befriedigend“

Der FCN-Vorstand sprach mit der MZ über Guido Burgstaller, das Risiko eines Punktabzugs und die Vereins-„e.V.olution“.
Von Thorsten Drenkard

Kaufmännischer Vorstand Michael Meeske will den Club wirtschaftlich wieder auf Kurs bringen. Archivfoto: Ropohl

Nürnberg.Herr Meeske, es ist Weihnachten, das Jahr neigt sich dem Ende. Wie fällt Ihre Bilanz 2016 für den FCN aus?

Unter dem Strich fällt mein Fazit positiv aus, auch wenn es kein perfektes Jahr für den Club gewesen ist.

Können Sie konkreter werden, was war beispielsweise der Tiefpunkt?

Das war wahrscheinlich aus emotionaler Sicht die Relegation gegen Frankfurt, weil man als Verein so nah dran war und dann doch gescheitert ist. Auch auf unseren sportlichen Hänger zwischen dem dritten und sechsten Spieltag dieser Spielzeit hätten wir gerne verzichtet.

Was war der Höhepunkt?

Dass wir die Nürnberger Versicherung als Partner gewinnen konnten, war ein wichtiger Schritt für den Club. Für die zukünftige Ausrichtung des Vereins ist das von großer Bedeutung.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr – persönlich und als verantwortlicher Vertreter des FCN?

Persönlich bin ich bescheiden und wünsche mir Gesundheit. Beruflich hoffe ich, dass wir uns möglichst positiv mit dem Club entwickeln, unsere Pläne in Sachen Konsolidierung aufgehen und wir dabei trotzdem noch eine sportliche Perspektive haben.

Sie sind seit September 2015 als Kaufmännischer Vorstand beim FCN tätig: Welche Note würden Sie sich für Ihre Arbeit seither selbst geben?

Das ist schwer zu beantworten. Alles perfekt war‘s denn auch nicht, wie das immer so ist, wahrscheinlich würde ich mir eine Note zwei bis drei geben. Aber das ist für mich selbst schwierig zu beantworten.

Zur Person Michael Meeske:

Stichwort Finanzen: Der Club ist verschuldet, hat im Vorjahr gegen DFL-Auflagen verstoßen und musste rund 600.000 Euro Strafe zahlen. Wenn der FCN zum Stichtag 31. Dezember 2016 wieder die Forderungen nicht erfüllen sollte, droht Punktabzug. Wird es der Club diesmal schaffen?

An die Sache gehen wir optimistisch ran und denken, dass wir das Thema voraussichtlich schaffen werden – aber es gibt keine Garantien, es besteht immer noch ein Risiko.

Wovon hängt das ab?

Es gibt noch ein paar offene Themen, bei denen es auf die Bewertungen unserer Wirtschaftsprüfer ankommt. Das sind Themen wie: Gibt es noch Forderungen die ausstehen? Was sind noch offene Posten? Kommt der eingeplante Zahlungseingang oder kommt er nicht? Wenn jemand zahlen sollte, das aber noch nicht getan hat, kann es zu Verschiebungen führen. Nachdem wir keinen Millionenpuffer haben, verfügen wir über keine endlosen Spielräume.

Wann werden Sie die Unterlagen bei der DFL einreichen?

Wir werden wohl im Januar/Februar fertig werden und dann die Unterlagen im März einreichen. Bis dahin werden unsere Wirtschaftsprüfer schon ein gutes Gefühl dafür haben, wie das Urteil der DFL wohl ausfallen wird.

FCN-Sportvorstand Andreas Bornemann Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Verbindlichkeiten des Club lagen für das Geschäftsjahr 2015/16 zum Stichtag bei 17,7 Millionen Euro – 1,5 Millionen Euro höher als im Jahr davor. Das negative Eigenkapital stieg von 3,2 auf 5,1 Millionen Euro an. Wird es kommendes Jahr bessere Zahlen geben?

Das streben wird natürlich an. Das laufende Jahr ist das erste, in dem Andreas Bornemann (FCN-Sportvorstand, Anmerkung der Redaktion) und ich aktiv planen konnten. Wir wollen eine kleine schwarze Zahl am Ende der Reise sehen, das ist unser Ziel. Momentan sind wir auf Kurs, das Geschäft bis zum 30. Juni 2017 positiv zu gestalten.

Wie gestaltet sich die Personalie Guido Burgstaller, war sein Last-Minute-Siegtor gegen Lautern das letzte für den FCN?

Wir gehen davon aus, dass er uns auch in der Rückrunde erhalten bleibt, und dann wäre mein Tipp, dass er weiterhin viele Tore schießt für den Club.

Muss man ihn nicht aus wirtschaftlicher Sicht bereits im Winter verkaufen?

Von seiner Leistungsfähigkeit her weist Guido Burgstaller aktuell sicherlich einen extrem hohen Wert auf. Auf der anderen Seite ist der Transferwert stark davon abhängig, wie die restliche Vertragslaufzeit ist. Einige Vereine sagen sich deshalb: ,Wenn er sowieso nur noch ein halbes Jahr Vertrag hat, kann ich solange noch warten.‘ Aktuell gibt es aber keine konkreten Interessensbekundung von Vereinen.

Guido Burgstaller ist im Sommer wohl weg – spätestens. Foto: dpa

Gibt es stattdessen eine Chance, ihn beim Club über die Saison hinaus zu halten?

Wir werden das sicherlich versuchen, er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Auf der anderen Seite wird ein Spieler, der im zweiten Jahr in Folge in dieser Art Tore schießt, schwer in der 2. Liga zu halten sein.

Aus Ihrer Antwort lässt sich ableiten, dass Sie nicht mehr mit einem Aufstieg des Club in diesem Jahr rechnen?

Zumindest ist es momentan wahrscheinlicher, dass wir es nicht schaffen. Natürlich kann ich nicht in die Glaskugel schauen, und klar haben wir nur zwei Punkte weniger auf dem Konto als zum vergleichbaren Zeitpunkt im Vorjahr. Aber die Vereine oben machen einen stabilen Eindruck und wir bräuchten eine ähnliche Siegesserie wie zuletzt. Wir werden aber natürlich alles versuchen, noch vorne reinzurutschen, auch wenn es schwer wird.

Wie stehen die Zeichen bei der Personalie Georg Margreitter?

Er ist einer unserer Leistungsträger, der natürlich Begehrlichkeiten weckt. Wir werden aber versuchen, den Spieler weiter an uns zu binden.

Wird man noch einmal in der Winterpause auf dem Transfermarkt tätig werden?

Da gibt es keine Abweichungen von unserer Planung. Stand heute, ist von unserer Seite nicht mehr geplant, im Winter noch neue Spieler zum Club zu holen.

Der Club strebt unter dem Motto „e.V.olution“ eine neue Vereinsstruktur an, um für die Herausforderungen des Tagesgeschäfts besser gewappnet zu sein. Dazu wurde unter anderem eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, bestehend aus Vereinsverantwortlichen und Club-Mitgliedern. Sie sind Teil der Gruppe, die sich am Dienstag erstmals zur Diskussion getroffen hat? Was wurde besprochen, wie war ihr Eindruck vom Treffen?

Es war eine spannende, engagiert und sachlich geführte Diskussion, alle haben sich in den rund viereinhalb Stunden gut eingebracht. Wir haben ein paar grundsätzliche Dinge besprochen wie zum Beispiel: Wie sieht ein Idealverein 1. FC Nürnberg aus, wie können Mitgliederrechte in verschiedenen Rechtsformen abgebildet werden oder welche Werte und Maßnahmen prägen die Identität des Club? Es war ein positiver Auftakt, dem monatlich weitere Treffen folgen werden, in denen die weitere strategische Ausrichtung des Vereins diskutiert wird.

Aus dem Ultra-Lager wird eine Strukturreform abgelehnt, viele Fans stehen einer Vereins-e.V.olution skeptisch gegenüber: Was, wenn am Ende die vom Verein initiierte e.V.olution scheitert?

Dann wird das Leben auch weiter gehen, aber mit weniger Handlungsspielraum für den Verein. Es ist keine existenzielle Frage, zumindest zum heutigen Zeitpunkt.

Anfang August hatten Sie im Interview mit unserer Zeitung erklärt, die Gespräche mit den Fans intensivieren zu wollen: Mit den Ultras herrscht seit den Sanktionen des Vereins nach den Pyro-Vorfällen im Karlsruhe-Spiel allerdings nahezu Funkstille. Wie geht es da weiter?

Zunächst einmal gibt es noch einen gewissen Austausch, da Teile der Ultras auch zum Fanbeirat gehören, mit dem wir uns regelmäßig treffen.

Verbessert hat sich der Kontakt in den vergangenen Monaten aber nicht.

Der Kontakt ist nicht intensiver geworden, weil die Ultras nach den Sanktionen des Vereins als Reaktion auf die Vorfälle im Karlsruhe-Spiel gesagt haben, sie würden es erst einmal bevorzugen, nicht in direkten Austausch mit dem Verein zu gehen, das stimmt. Aber generell sollte man immer bestrebt sein, sich regelmäßig auszutauschen. Deshalb würde ich die Türe eigentlich fast nie komplett zuzumachen.

Wurden DFB-Strafen, beispielsweise wegen pyrotechnischer Vergehen von Club-Chaoten, bereits an die Verursacher weitergegeben, wie es seit eines kürzlichen BGH-Urteils möglich ist?

Nein bislang nicht. Seitdem es das BGH-Urteil gibt, haben wir keine kausalen Zusammenhänge nachgewiesen bekommen die sagen, dass eine spezielle Person an jenem speziellen Vorfall schuld war.

Würde der Club diese Möglichkeit nutzen, um beispielsweise Chaoten abzuschrecken?

Es geht zum einen darum, abzuschrecken. Zum anderen müssen wir natürlich unser Vereinsvermögen schützen, das ist unsere Pflicht. Deshalb müssen wir schauen, dass wenn Strafen gegen uns ausgesprochen werden und wir genaue Kenntnis darüber haben, wer der Verursacher ist, wir denjenigen in Regress nehmen.

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