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FCN
Montag, 20. November 2017 5

Interview

Der FCN geht unter die Haut

Michael Köllner spricht über den Jugendstil beim Club, Chancen auf Aufstieg – und eine mögliche Tätowierung im Erfolgsfall.
Von Thorsten Drenkard

Ist ein Mann deutlicher Worte: der Oberpfälzer FCN-Coach Michael Köllner Foto: dpa

Herr Köllner, jetzt haben Sie den Salat: Nach fast einem Saisondrittel steht Ihre junge Mannschaft auf Relegationsplatz drei. Bei den Fans fällt wieder häufiger das Wort „Aufstieg“. Ist dieser heuer drin?

Nein, der ist nicht drin.

Warum nicht?

Weil die anderen Mannschaften auch trainieren (lacht). Wir haben ein junges Team, es sind erst zehn Spieltage gespielt, da sollte man nicht gleich die Zielsetzungen aus dem Sommer wieder über Bord werfen. Wir wollen eine stabile Saison spielen und da sind wir momentan auf einem guten Weg.

Mit Teuchert, Mühl und Erras, um nur einige zu nennen, haben sich junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Profiteam längst etabliert. Ist dieser Weg für einen verschuldeten Verein wie den Club alternativlos?

Ich hoffe nicht, dass dieser Weg nur dem Geld geschuldet ist, sondern von Vereinsseite aus Überzeugung erfolgt. Er sorgt für Identifikation mit der Region. Für junge Spieler, die hier ausgebildet wurden, ist es eine Ehre, das Trikot des FCN zu tragen, gleichzeitig erfüllt es die Fans mit Stolz. Meiner Ansicht nach ist das der richtige Weg. Ob der Verein ihn auf Dauer gehen will, kann ich nicht sagen.

Cedric Teuchert feierte jüngst Premiere bei der U21-Nationalmannschaft, kam in dieser Saison in allen zehn Ligaspielen für den Club zum Einsatz und traf fünfmal . Das sieht nach Durchbruch aus?

Ob es der Durchbruch ist, weiß ich nicht. Er bekommt aber mehr Konstanz in sein Spiel. Cedric ist ein hoch veranlagter Junge, der viel mitbringt – der aber auch in allen Bereichen noch Luft nach oben hat. Ich möchte, dass er den nächsten Schritt geht und das Maximale aus sich herausholt.

Einige Trainer-Stationen

  • Einstieg als Profi-Coach:

    Anfang März 2017 entließ der 1. FC Nürnberg Alois Schwartz als Cheftrainer der Profis. Sport-Vorstand Andreas Bornemann präsentierte daraufhin Michael Köllner als Nachfolger.

  • U21-Team:

    Nach seinem einjährigen Engagement in Fürth, wo Köllner die U17 trainiert hatte, übernahm der Oberpfälzer zwischen Juni 2016 und März 2017 die U21-Mannschaft des FCN. Dann folgte das Engagement bei den Profis.

  • Landestrainer:

    Jahrelang war Michael Köllner als Trainer für die Bayerische Landesauswahl zuständig, betreute in diesem Zusammenhang auch die kickenden Talente aus der Region Oberpfalz sowie aus dem Landkreis Neumarkt. (kh)

Irgendwann hat sich ein Spieler so gut weiterentwickelt, dass er den nächsten Karriereschritt geht und die gemeinsame, manchmal jahrelange Zusammenarbeit endet. Sehen Sie das als Ausbilder, als Trainer mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?

Nur mit einem lachenden Auge, denn zum Fußball gehören Trennungen dazu, das ist normal. das gilt für Spieler ebenso wie für Trainer. Es gibt aber auch die moralische Seite, man sollte immer auf dem Schirm haben, was man dem Verein zu verdanken hat.

Was haben Sie dem FCN zu verdanken?

Ich bin sehr dankbar für die Chance, die ich hier als Trainer erhalten habe. Es ist aber auch immer ein Geben und Nehmen. Ich denke, dass, seitdem ich hier Trainer bin, sich der Marktwert der Mannschaft gesteigert hat und wir attraktiver als zuvor spielen.

Nach sieben Monaten im Amt, wie viel Ihrer Fußball-Philosophie steckt im Team?

Wir wollen variabel sein, das gelingt uns momentan gut. Wir wollen auch attraktiv spielen, denn Fußball hat immer etwas mit Unterhaltung zu tun, diese bieten wir Woche für Woche – ebenso wie Leidenschaft und Teamspirit.

Beim FCN stehen Sie erstmals einem Profiteam vor, davor waren Sie ausschließlich im Nachwuchsbereich als Coach tätig. Was hat Sie an der Arbeit bisher am meisten überrascht, positiv wie negativ?

Überrascht hat mich wenig, schließlich arbeite ich schon immer im Fußball. Aber es gibt natürlich bestimmte Umstellungsprozesse, zum Beispiel in der öffentlichen Wahrnehmung oder in der Medienarbeit.

Unser Autor Torsten Drenkard ist zuversichtlich, was die Zukunft des Clubs angeht:

Kommentar

Die Reifeprüfung

Es ist eine beachtliche Reifeprüfung für die junge Mannschaft des 1. FC Nürnberg im Flutlichtspiel am Montagabend am Böllenfalltor gewesen – eine, welche...

Inwieweit haben Sie Ihre Arbeit als Profi-Trainer im Vergleich zum Jugend-Coach Köllner angepasst oder verändert?

Ich hoffe nicht, dass ich mich in meiner Art und meinem Auftreten geändert habe. Du musst ehrlich sein zu deinen Spielern und mit hoher Disziplin als Trainer voran gehen. Dann wird dir am Ende die Mannschaft folgen.

Seitdem Sie Chefcoach sind, treten Sie stets offen, direkt und nahbar in der Öffentlichkeit auf – Sie scheinen die Aufmerksamkeit zu genießen. Täuscht dieser Eindruck?

Ich muss sie ja genießen, wenn nicht, würde ich untergehen an alledem, was auf mich einprasselt. Wenn das für mich Balast wäre, wäre das schädlich. Es ist doch auch schöner, wenn jemand mit einem spricht, als wenn niemand etwas von einem möchte.

Aktuell kommt Ihre Art sehr gut bei den Fans und im Umfeld an. Ihre Erklärung?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich denke, dass es generell im Profibereich nicht so oft vorkommt, dass ein Trainer aus der Region kommt und Kenntnisse aus der Gegend mitbringt. Das macht mich wohl etwas greifbarer. Ansonsten will ich die Dinge nicht gekünstelt wiedergeben und sage offen meine Meinung, auch wenn mir das eine oder andere später vielleicht mal auf die Füße fallen kann. Man klagt ja sonst immer über Worthülsen, die von Spielern und Trainer wiedergegeben werden. Ich möchte meinungsstark sein.

Unter Ihrer Regie ist das Team deutlich volksnäher geworden, stets mit Ihnen mittendrin: Gab es da ein Defizit beim Club?

Das weiß ich nicht. Was ich versuche zu beeinflussen, ist, die Spieler mit der Realität des Lebens zu konfrontieren. Wir sind alle normale Menschen, die das große Geschenk erhalten haben, uns beruflich mit unserem Hobby beschäftigen zu dürfen. Am Ende geht es unter anderem darum, als Trainer und Spieler die Energie und Unterstützung der Fans zu bekommen. Dafür muss man auch abseits des Platzes etwas tun.

Am Wochenende wäre eine weitere Gelegenheit für Sie und Ihre Spieler, sich volksnah zu zeigen, wobei das wohl eher etwas für Ihre Spieler sein dürfte: In Neumarkt findet eine große Tattoo-Messe statt. Bei Spielern sind üppige Tätowierungen ja längst normal. Wie ist es bei Ihnen, sind Sie tätowiert?

Ja, das bin ich, das liegt aber schon lange zurück, das war 1995. Es ist eine sehr kleine Tätowierung mit einem persönlichen Bezug, ich trage sie auf der Brust. Sie soll mich an meinen besten Kumpel erinnern, der früh gestorben ist. Ansonsten bin ich aber gegen Tätowierungen.

Weshalb?

Weil man durch Tätowierungen den Körper einfach schädigt. Es ist aber eine persönliche Entscheidung eines jeden, die man zu respektieren hat.

Würden Sie sich im Falle eines Aufstiegs das Club-Emblem tätowieren lassen?

Das weiß ich nicht, kann sein. Ich würde es kategorisch nicht ausschließen, wobei ich die Wahrscheinlichkeit auf fünf Prozent beziffern würde. Zudem hätte da meine Frau auch noch ein Wort mitzureden (lacht).

Wo geht es heuer für Ihren Ex-Verein in der 2. Liga, den SSV Jahn Regensburg, für den Sie drei Jahre als Jugendcoach tätig waren, heuer hin?

Für jeden Aufsteiger ist diese Liga hart. Regensburg ist sehr schnell von der Regionalliga in die 2. Liga durchmarschiert. Jetzt wird es darum gehen, dass der Jahn eine Stabilität hinbekommt. Ich drücke Regensburg und Kollege Achim Beierlorzer die Daumen, dass es ihnen gelingt, in der Liga zu bleiben. Ich als Oberpfälzer fahre mit dem Club natürlich auch lieber nach Regensburg als sonst wohin in Deutschland. Wobei wir nächste Saison vielleicht auch nicht aufeinandertreffen, es kann ja doch sein, dass wir dann in einer anderen Liga spielen (lacht).

Für die Partie in Darmstadt hatten Sie ein „geiles Spiel“ prophezeit und Recht behalten. Am Sonntag kommt Dynamo Dresden: Wie geil wird das denn?

So ein Spektakel wie gegen Darmstadt wird es nicht werden, es wird einen anderen, taktischeren Spielcharakter haben. Es wird darum gehen, den einen Fehler weniger als Dresden zu machen, das aus dem Spielaufbau heraus gute Lösungen parat hat, vorne aber bislang den Abgang von Stefan Kutschke noch nicht richtig verkraftet hat. Wir wollen alles daran setzen, dass sie ihm auch am Sonntag nachtrauern. Unabhängig des starken Gegners aus Sachsen sind wir auf Tore aus, werden also auch zuhause angreifen, um zu siegen – aber dies mit der passenden Herangehensweise.

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