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Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Fussball

Neumarkter kickt gegen und kocht für FCN

Michael Hoffmann spielt mit Meckenhausen gegen den FCN – danach schwingt er für die Profis den Kochlöffel.
Von Thorsten Drenkard

Michael Hoffmann ist Neumarkter, spielt beim TSV Meckenhausen und schwärmt für den 1. FC Nürnberg. Foto: Drenkard

Neumarkt.Für Michael Hoffmann wird Freitagabend ein Kindheitstraum wahr. Seit Tagen schläft der 32-jährige Neumarkter deshalb ausgesprochen schlecht – die Aufregung. „Ich kriege kaum ein Auge zu. Es ist eine Katastrophe“, gesteht Hoffmann, den eine nervöse Vorfreude um die nächtliche Bettruhe bringt.

Schuld daran hat der 1. FC Nürnberg, genau genommen sind es die Zweitliga-Fußballer des fränkischen Traditionsvereins. Hoffmann ist von kleinauf glühender Anhänger des FCN, war jahrelang treuer Dauerkartenbesitzer und trifft nun am Freitag (18 Uhr) mit seinem Team des TSV Meckenhausen auf die Profis seines Lieblingsvereins. „Das ist für meine Mitspieler, den ganzen Verein und mich ein absoluter Höhepunkt – Wahnsinn!“, jubiliert Hoffmann. In Anbetracht dessen, kann man getröst einmal unruhig werden.

Gleich zweimal gefordert

Vor allem, wenn man wie Michael Hoffmann an diesem, für ihn und den TSV Meckenhausen ganz besonderen Tag, gleich zweimal gefordert sein wird. Zunächst wird der Mittelfeldspieler für den Spitzenreiter der Kreisliga Neumarkt/Jura Süd die Fußballschuhe schnüren und sich im ungleichen Duell mit den Club-Profis auf dem Meckenhausener Rasen versuchen, danach geht es für ihn direkt an den Herd – dann heißt es: Kochschürze statt Fußballdress.

Denn der passionierte Hobbyfußballer Hoffmann ist im wahren Leben gelernter Koch, der seit Jahren seine Brötchen bei den Neumarkter Jura-Werkstätten verdient. Am Freitag darf er nicht nur gegen Hanno Behrens und Co. kicken, er darf für sie hernach auch kochen. „Für mich ist das natürlich eine große Ehre“.

Ein gewisser Druck ist vorhanden

Da darf natürlich nichts schiefgehen, schließlich soll es den FCN-Spielern und ihrem Coach Michael Köllner schmecken. Keine Frage, ein gewisser Druck ist da. Aber anders als auf dem Fußballplatz ist Hoffmann in der Küche Profi – weshalb er diese außergewöhnliche Kochaufgabe wesentlich gelassener als das Fußballspiel angeht.

Vor allem, weil Hoffmann im Jahr 2008 bereits für niemand geringeren als den 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, in der Küche stand. Damals gastierte der buddhistische Mönch und Friedensnobelpreisträger in jenem Grand Hotel, in dem Hoffmann gemeinsam mit anderen Köchen am Herd stand.

Michael Hoffmann zeigt neugierigen Kindern sein Reich, die Küche der Jura-Werkstätten in Neumarkt. Foto: Hoffmann

Unter strenger Aufsicht des persönlichen Vorkosters des Dalai Lamas bereiteten Hoffmann und Kollegen „eine Art Reisbrei, von der Konsistenz ähnlich wie Haferschleim“ zu, erinnert sich Hoffmann. Vorkoster und Dalai Lama seien mit dem Ergebnis sehr zufrieden gewesen, „mein Geschmack wäre es aber nicht unbedingt gewesen“, sagt Hoffmann und lacht.

Derart ungewöhnliche Kost wird am Freitagabend nicht auf den Tellern der Club-Profis im Sportheim des TSV Meckenhausen landen. Vom FCN hat Hoffmann ebenso klare wie kulinarisch wenig fantasievolle Vorgaben darüber erhalten, was in den hungrigen Mägen der Spieler landen soll: Pute, Hühnchen, Nudeln, Salat – so die kalorienarmen Wünsche des FCN.

Aus der Pute werde er wohl Geschnetzeltes mit Champignons kochen, das Hühnchen anbraten und dreierlei Soßen (Pesto, Curry und Bolognese) servieren, sinniert Hoffmann. Die finalen Gerichte werden vorab aber noch nicht verraten.

Startelf bleibt geheim

Ebenso möchte Meckenhausens Spielertrainer Michael Brandl im Vorfeld des Highlight-Spiels noch nicht die Startelf seiner Mannschaft verkünden. Wer wann und wie lange am Freitag gegen den Club spielen wird, lässt Braun, der bereits für den SV Seligenporten und den ASV Neumarkt gekickt hat, offen.

Dass sein linker Mittelfeldspieler Michael Hoffmann, der im Verlauf der aktuellen Kreisligasaison meist einen Stammplatz auf der Reservebank inne hat, mit von der Partie sein wird, ist wahrscheinlich. „In welcher Form und welchem Umfang, wird sich aber noch zeigen“, sagt Brandl, was zumindest auf einen Kurzeinsatz hindeutet.

Ganz draußen sollte Coach Brandl, ein FCB-Fan, seinen kochenden Mittelfeldmann aber nicht lassen, denn Hoffmann greift vorab zu einem besonderen Druckmittel: „Ob es den Spielern hinterher schmeckt und es ein gutes Essen geben wird oder nicht, hängt davon ab, ob ich spiele.“ Sagt‘s und lacht.

Näheres über Michael Hoffmann im Infoblock:

Das ist Michael Hoffmann

  • Von Beruf Koch:

    Mit 16 Jahren begann der Neumarkter Michael Hoffmann eine Ausbildung zum Koch. Heute kocht der 32-Jährige in den Neumarkter Jura-Werkstätten und bereitet am Tag für hiesige Schulen und Kindergärten rund 500 Essensgerichte zu.

  • Die zweite Liebe:

    Neben dem Fußball gehört das sportliche Herz Michael Hoffmanns dem Tischtennis. Beim ASV Neumarkt spielt er momentan in der 3. Bezirksliga an Position zwei.

Aber Spaß beiseite: „Ich hoffe schon, dass ich dabei bin“. Und wenn es nur für wenige Minuten sein sollten. „Andernfalls wäre ich schon enttäuscht“, will der Koch aus dem Neumarkter Stadtteil Wolfstein zwar keine Ansprüche stellen, aber auch nicht um den heißen Brei herumreden.

Das wollen auch der Coach Brandl und Spielleiter Matthias Dotzer nicht, wenn es um den Stellenwert Hoffmanns für den Verein geht. „Wenn man ihn braucht, ist er der Letzte, der nicht hilft“, lobt Braun dessen Engagement und Dotzer schwärmt nicht nur vom „hervorragenden Essen“, das Hoffmann stets für den Verein zubereite, er betont auch seinen enormen Einsatz als Jugendtrainer im Klub. Für den TSV Meckenhausen sei er ein Glücksfall, so Dotzer, denn „der Michael ist immer zur Stelle für uns“.

Hanno Behrens ist der Lieblingsspieler von Michael Hoffmann beim Club. Foto: Timm Schamberger /dpa

Dass der FCN überhaupt in Meckenhausen antritt, haben sie Spielleiter Dotzer zu verdanken. Als dieser die Facebook-Ausschreibung des 1. FC Nürnberg Ende September entdeckte, zögerte er nicht lange. Der Club suchte für die Länderspielpause an diesem Wochenende kurzfristig einen Testspielgegner, also schickte Club-Fan und -Mitglied Dotzer umgehend eine Bewerbung seines Vereins an die Verantwortlichen des Zweitligisten.

Meckenhausen verfügt über eine Flutlichtanlage, einen gepflegten Rasenplatz und ist nicht weiter als 80 Kilometer vom Valznerweiher entfernt (38 Kilometer) – damit erfüllte es sämtliche Vorgaben, die der FCN den Bewerbern für ein potenzielles Testspiel gestellt hatte.

Mittwoch vergangener Woche erhielt der Verein aus dem Hilpoltsteiner Ortsteil (1100 Einwohner) schließlich den Zuschlag der Nürnberger Verantwortlichen und hatte sich gegen rund 80 Bewerber durchgesetzt.

„Ich bin aus allen Wolken gefallen, die Spieler sind ausgeflippt vor Freude“, erinnert sich Dotzer, als es grünes Licht vom FCN gab.

Hier sehen Sie den Profikader des FCN der Saison 2017/18 in unserer Bildergalerie:

Der Profikader des FCN 2017/18

Auf den Kick am Freitag brennt natürlich auch Michael Hoffmann. Für seinen TSV wird er gewiss in der Küche und wohl ziemlich sicher auf dem Spielfeld stehen. Dass er gegen den Club allerdings ein Tor erzielen wird, erscheint utopisch. Aber wer weiß, für seinen TSV macht Hoffmann alles – zur Not auch den Ehrentreffer.

Denn die sportliche Zielsetzung ist klar: Nicht zweistellig verlieren und, wenn tatsächlich möglich, wollen sie beim TSV Meckenhausen ein eigenes Tor erzielen, so wie Markus Waldmüller einst 1999. Bereits damals traf Meckenhausen in einem Testspiel auf den Club. Waldmüller schoss zwischenzeitlich zum frenetisch gefeierten 1:0 für den TSVein – am Ende der Partie stand es 1:14.

„Wenn wir am Freitag ein Tor schießen, wäre das schon ein Riesenerfolg!“, findet Hoffmann. Gar selbst den Treffer erzielen, nicht auszudenken. In der Tat, es sind aufregende Tage für Meckenhausen und Michael Hoffmann.

Wer braucht da schon Schlaf, wenn der eigene Traum wahr wird.

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