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Sport aus der Oberpfalz
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Handball

Handball-Schiedsrichter stürmt Tribüne

Im Regensburger Lokalderby zwischen der SG Regensburg II und dem ESV 1927 Regensburg geht es drunter und drüber.
Von Gerd Winkler

Das Derby wird immer intensiv geführt. Sebastian Heiligtag, hier in einer Spielszene aus der vergangenen Saison, hätte eigentlich nach einem Kopftreffer gegen ESV-Keeper Roy Müller das Spielfeld verlassen müssen. Aber „das Ding wäre dann explodiert“, ist ESV-Coach Goldbach überzeugt. Foto: Stefan Müller

Regensburg.Außer den Schiedsrichtereinteilern des Handball-Bezirks kann niemand sagen, wer das nächste Aufeinandertreffen der SG Regensburg und des ESV 1927 Regensburg pfeifen wird. Fest steht allerdings, so eine Partie wie zuletzt mag wohl niemand der Beteiligten mehr erleben.

Am Wochenende fand das Lokalderby zwischen der zweiten Mannschaft der SG Regensburg und dem ESV 1927 Regensburg statt. Dass es in der proppevollen Sporthalle an der Alfons-Auer-Straße zu verbalen Gehässigkeiten von der Tribüne aus gekommen ist, hatte die Mittelbayerische berichtet. Doch in dem Derby war sogar noch „mehr Musik“ drin, wie Recherchen ergaben. Unrühmlicher „Höhepunkt“ der aufgeheizten Atmosphäre war in der zweiten Halbzeit das Hinausstürmen des entnervten Unparteiischen auf die ausziehbare Tribüne.

„Beschämende Beleidigungen“

Der Unparteiische war Fritz Prenißl, in der Handball- und Fußballszene der Region bekannt, der das gar nicht abstreitet „Mit dem ersten Pfiff war sofort Remmidemmi in der Halle. Jede Entscheidung wurde mit negativen Kommentaren versehen, selbst wenn die Entscheidung für die SG war“, sagt Prenißl. „Das waren unglaublich beschämende, niederträchtige Beleidigungen von der oberen und unteren Tribüne – ohne Grund“, sagt er. Der Schiedsrichter erklärt, dass „das an mir nicht spurlos vorbei gegangen ist. Das Spiel dann zu leiten unter dem enormen psychischen Druck war viel, viel schwerer als sonst ein Spiel.“

Der Chamer vermutet, dass die im Sommer zu Bruch gegangene Fusion der SG mit dem Ostbayerischen HC – Prenißl ist ein Gründungsmitglied des in Cham beheimateten OHC – eine Rolle gespielt habe. Aus Sicht des 51-Jährigen brachte nach der Halbzeit eine weitere Beleidigung – „das war unterste Gürtellinie“ – das Fass zum Überlaufen: „Dieses Wort wäre ein Fall für ein Sportgerichtverfahren“, schildert er den Anlass, auf die Tribüne zu stürmen. „Wenn du einen Charakter hast, entschuldigst du dich“, habe er zu dem Beleidiger gesagt, „aber der hatte auch noch eine Alkohol-Fahne“. Nach einer gut viertelstündigen Unterbrechung mit Endlos-Diskussionen ging’s weiter.

Die Vereinsvertreter nahmen die Geschehnisse anders wahr. „Was ich gehört habe – das war von den Zuschauern gar nicht dramatisch, von beiden Vereinen nix Bösartiges dabei“, befand SG-Vorstand Helmut Meichel: „Die ganze zweite Hälfte hat sich der Schiedsrichter mit der Tribüne beschäftigt und rausgestänkert. Zu unseren Zuschauern und zu denen vom ESV.“ Als es im oberen Rang verbal herber wurde, hat Meichel in seiner Funktion als Ordner „einen von uns sofort rasiert: Ich habe ihm klipp und klar gesagt, dass ich so etwas in unserer Halle nicht haben will!“. Meichel hinterfragt die Schiedsrichterbesetzung an sich: „Seit zwei Monaten stand fest, wer das Spiel pfeift. Und sonst von keinem Spiel an diesem Spieltag. Für uns sieht es so aus, als hat er sich um das Spiel bemüht.“ In die gleiche Kerbe schlägt Ben Heiligtag, zweiter Vorstand der SG: „Ich vermute, Fritz wollte das Spiel pfeifen“. Mit Verweis auf den ESV-Spieler Korbinian Meier, dessen Onkel Prenißl ist, fragt sich Heiligtag: „Wieso lasse ich mich mit so einer Befangenheit für das Derby einteilen?“

Heiligtag geht dazwischen

Heiligtag hat folgende Erinnerungen an die Geschehnisse: „Der Schiedsrichter ist die Tribüne hoch gestürmt, hat geschimpft, gemacht und gewerkt.“ Der Schiri habe zum Übeltäter gesagt, er solle runterkommen, „dann machen wir es nach dem Spiel aus“. Heiligtag ging dazwischen und schlichtete – „Prenißl war total überfordert“, sagt er.

Für Heiligtag hat der Chamer Unparteiische überreagiert: „In anderen Hallen gibt es auch schlimme Zuschauer.“ Da habe er schon anderes erlebt: „Als Spieler ist mir in Cham auch schon mal von oben ein Bier auf den Kopf geschüttet worden.“ Dass die Stimmung in der Halle derart hochkochte, habe Prenißl mit seiner Spielleitung außerdem befeuert, findet Heiligtag: „Er hat beiderseits Hinausstellungen nicht gegeben und viele Sachen, die ausschlaggebend waren, nicht gepfiffen.“ Hinzu kam „sein Bundeswehr-Ton, das ist keine Art“. Prenißl soll auf „eine ordinäre Art und Weise“ die ESV-Bank darauf hingewiesen haben, dass nur einer zu stehen habe.

Lesen Sie hier:Das sagt Fritz Prenißl dazu.

ESV-Coach Bernie Goldbach fiel auf, „dass der Schiedsrichter bei den Zuschauern von Anfang an schlechte Karten hatte“. Goldbach sagt, dass es auf dem Spielfeld „hektischer war als sonst. Das gehört auch mal dazu, aber zu keiner Zeit war es rabiat“. Es seien aus seiner Sicht Entscheidungen dabei gewesen, die dazu beitrugen, dass sich alles hochgeschaukelt habe. Dass Prenißl eine fällige rote Karte bei einem Kopftreffer gegen ESV-Keeper Roy Müller nicht verhängte, „fand ich sogar in Ordnung“, sagt Goldbach: „Das Ding wäre dann explodiert.“

Michi Sigl, SG-Spielertrainer, empfand es ebenso, dass „die Schiedsrichter zu wenig geahndet haben und zu viel laufen ließen“. Deswegen seien die Zuschauer auch so in Rage gekommen. Er habe aber „nix Schwerwiegendes“, von Unter- und Oberrang vernommen. Übrigens: Das Derby gewann der ESV 27 23:22. Gegen die Gäste wurden vier Zeitstrafen verhängt, gegen die SG eine. Das Rückspiel findet am 14. April. Die Schiedsrichter-Besetzung ist offen.

Wer teilt die Schiedsrichter ein?

  • Bezirksvorsitzender Werner Guzik:

    Er ist zugleich einer von neuerdings zwei Schiedsrichter-Einteilern und stellte auf Anfrage der MZ klar, dass wegen der Schiedsrichter-Besetzung für das Regensburger Lokalderby „von Prenißl keine Wünsche geäußert wurden“. Dass die Besetzung mit Prenißl schon so lange feststand, sei der Einarbeitung von Christian Herpolsheimer, der mittlerweile weitestgehend die Einteilung alleine macht, geschuldet gewesen, so Guzik.

  • Stellungnahmen:

    Guzik wartet nun auf diverse Stellungnahmen der Beteiligten, „dann kannst du dir davon ein Bild machen. Das ist das übliche Procedere“. Wenn es von der Tribüne Gehässigkeiten gegen die Unparteiische gibt, sei das an sich klar geregelt: „Es gibt zwei Ordner, an die haben sich die Schiris zu halten. Und die haben für Ruhe zu sorgen“, sagt Guzik, der selbst als Unparteiischer im Einsatz ist. Die Ordner hätten „das Hausrecht und können solche Leute aus der Halle rausschmeißen“.

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