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Montag, 5. Dezember 2016 1

Leichtathletik

Pflieger ist das Gesicht der Laufnacht

Bei der Sparkassen-Gala will der Telis-Läufer Pflieger zusammen mit Pöllmacher Tempoarbeit für die Youngster machen.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Teamintern ist Philipp Pflieger (Startnummer 17) auf der Bahn nicht mehr das alleinige Maß der Dinge: Florian Orth (18) hat ihm zuletzt einen 5000-Meter-Rekord abgeluchst. Foto: Brüssel

REGENSBURG.Mit seinen bald 28 Jahren ist Philipp Pflieger kein Jungspund mehr. Ambitionen und Interessen verändern sich – auch bei einem Läufer. „Mit 20 dachte ich, ich laufe die 5000 Meter ein Leben lang. Mit 22, 23, 24 habe ich die Kämpfe bei den großen Marathons schon ganz gerne angeschaut und wollte das selber mal ausprobieren.“ Im Herbst wird es wieder soweit sein: Nach dem Kollaps in Frankfurt im Herbst 2014 steht neben einer Rückkehr nach Hessen diesmal auch Berlin zur Debatte. Die Heldengeschichten, die sich um die 42,195 Kilometer dort ranken, locken Pflieger, der inzwischen immerhin schon mal deutscher Meister im Halbmarathon ist. Im Frühjahr soll ein weiterer Marathon folgen.

Erst einmal aber spielt der Schwabe, der seit 2008 ein Regensburger im Trikot der LG Telis Finanz steckt, die Lokomotive. Früher wäre ein Pflieger bei einer Veranstaltung wie der Sparkassen-Gala alleine vorneweg gesaust. Jetzt, als Mann mit Schwerpunkt Straßenlauf, ist das anders: „Ich bin nicht mehr der von 2012. Jetzt kann ich mich mit den Jüngeren battlen und es ist für beide Seiten profitabel.“

Keine Pläne über 2016 hinaus

Über 5000 und auch 3000 Meter hat ihn Florian Orth zuletzt klar geschlagen, ihm auf der längeren Strecke auch den Oberpfalz-Rekord abgenommen. „Ich habe ein bisschen die Quittung bekommen“, sagt Pflieger, bezahlt aber gerne: „DM-Titel habe ich schon. Wenn, dann muss mit dem Aufwand mein Ziel ein Größeres sein.“ Angesichts der (zu) hohen Norm-Ansprüche auf der Bahn-Langstrecke bleibt nur eines: Olympia im Marathon. „Bei einer 63er-Zeit ist eine 2:12 zumindest möglich.“ Beweisen hat er das noch nicht können: Pflieger denkt demütig und nicht langfristig. „Marathon ist ein langer Lernprozess. Aber ich habe keine Pläne über 2016 hinaus. Ich weiß nicht, ob ich nicht irgendwann sage: Lass es gut sein.“

Das Gesicht der der Gala vorgeschalteten Laufnacht am Freitag ist Philipp Pflieger trotzdem: Und er wird versuchen, Tempoarbeit für andere zu machen – übrigens zusammen mit Andre Pöllmacher, dem Marathon-Achten der EM 2014. Die Junioren Tim Ramdane Cherif (LG Telis) und Frederik Unewisse (Karlsruhe) spechten darauf, vielleicht doch die 14:04er-Norm zu knacken, die sie zur U-23-Europameisterschaft nach Tallinn in Estland bringen würde.

„Wenn Tim einen guten Tag hat, kann er das schaffen“, sagt Pflieger. Für ihn selbst ist der Auftritt im Unistadion, der entgegen dem ursprünglichen Zeitplan wegen der Hitze auf 21.30 Uhr verlegt wurde, „meine Abschlusseinheit für die 10 000 Meter“ am 13. Juni in Leiden/Niederlande.

Leiden ist ein gutes Stichwort: Besonders die Läufer der Mittel- und Langstrecke plagt immer mehr das Problem, gute Rennen in Europa zu finden, die schnell genug sind, um die geforderten Normen auch abliefern zu können. Bei großen Meetings sind die Möglichkeiten begrenzt und wer nicht schon Topzeiten stehen hat, tut sich noch schwerer. Philipp Pflieger ist viel herumgekommen und weiß, dass es woanders geht, zum Beispiel in Belgien und den Niederlanden. „Man trifft ja dort immer die gleichen Leute. So etwas zu organisieren, ist kein Hexenwerk. Ein bisschen Geld in gute Tempomacher investieren und schon ist das auch in Regensburg machbar. Die Bedingungen ab acht, halb neun sind im Unistadion ideal.“ Leiden ist für Pflieger ein gutes Beispiel: „Vergangenes Jahr wurde ich eingeladen. Heuer fahre ich freiwillig hin.“

Vorbilder im Ausland

Kurt Ring würde einen seiner Vorzeigeläufer, der 2012 auf der Bahn auch eine EM lief, am liebsten vom Fleck weg zum Meeting-Direktor machen. „Erst einmal haben wir heuer die Technik hochgefahren und bringen den Livestream schon von der Laufnacht“, sagt der Telis-Ideengeber. „Nächstes Jahr wollen wir das dann weiter ausbauen.“ Richtung belgischer oder holländischer Laufmeetings. „Aber wir brauchen noch ein bisschen Kohle: Dann wäre auch eine deutsche 10 000-Meter-Meisterschaft oder ein Langstrecken-Europacup möglich. Dass der DLV da nicht aufspringt, halte ich sowieso für verwunderlich.“

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