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Sport aus Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Ehrenamt

Vorzeige-Profi ehrt Vorzeige-Funktionär

Manfred Schmidt (SpVgg Wolfsegg) ist Ehrenamtspreisträger im Kreis Regensburg. Sein Verein trotzt dem demografischen Wandel.
Von Andreas Allacher, MZ

Auch beim Benefizkonzert der Aktion „Markus will leben“ liefen die Fäden der Organisation bei Manfred Schmidt (2. v. li.) zusammen. Foto: Schießl

Wolfsegg.Zum 22. Mal verleiht der Bayerische Fußballverband am Samstag im Münchner GOP Varieté-Theater den DFB-Ehrenamtspreis. Der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern München, Philipp Lahm, wird den 24 Kreissiegern aus dem gesamten Freistaat die Hand schütteln, worauf sich der 1. Vorsitzende der SpVgg Wolfsegg, Manfred Schmidt, besonders freut: „Er ist ein Vorzeige-Profi“, sagt der Bayern-Fan, der heuer zum Ehrenamtspreisträger des Fußballkreises Regensburg gekürt wurde. Seine Ehrung sieht er auch als Auszeichnung für seine Mitstreiter und seinen gesamten Verein, der mit einer Steigerung der Mitgliederzahlen in den sechs Jahren unter der Regie Schmidts von 460 auf aktuell 570 und einem breiten Sportangebot dem demografischen Entwicklung trotzt.

Fußballschule läuft seit 13 Jahren

Manfred Schmidt hat ein organisatorisches Talent, das er nach eigenen Worten in einer „sehr sinnvollen Freizeitbeschäftigung im örtlichen Bereich“ einsetzt. Neben seinen Aufgaben als 1. Vorsitzender, bei dem ohnehin die Fäden der Durchführung zahlreicher Feste und Veranstaltungen zusammenlaufen, ist er Turnierleiter bei sämtlichen Juniorenturnieren und der Dorfmeisterschaft, die in Wolfsegg Tradition hat. Er ist der Kopf der Fußballschule, die seit 2004 jährlich eine Neuauflage erlebt. Im Schnitt 30 Kinder im E- bis G-Junioren-Alter sind dann eine Woche am Sportgelände aktiv. Einmal bediente man sich eines Fremdanbieters, seitdem läuft die Fußballschule in Eigenregie, wobei Spieler der älteren Jugendjahrgänge mithelfen und erste Erfahrungen im Traineramt machen.

Die Förderung der Jugend ist ohnehin die große Triebfeder von Manfred Schmidt. Mit seinen Söhnen kletterte er die einzelnen Altersklassen als Jugendtrainer empor, wobei er nach seinem Wiedereinstieg schnell merkte, dass sich das Rad seit seiner eigenen aktiven Zeit weitergedreht hat. So absolvierte er selbst den Trainerschein und motivierte dazu auch viele Kollegen im eigenen Verein, um so eine Basis für moderne und anspruchsvolle Übungseinheiten zu schaffen. „Von der Jugend kriegt man unwahrscheinlich viel zurück“, sagt Manfred Schmidt, der neben fußballerischem Können auch Werte vermitteln will. „Viele sind beim Verein geblieben, viele bei den Veranstaltungen immer wieder da, viele übernehmen auch Verantwortung“, sagt er mit ein bisschen Stolz, vor allem, wenn er an die 1. und 2. Mannschaft der SpVgg Wolfsegg denkt. Rund ein Dutzend der Spieler ist durch seine Schule gegangen.

Auch wenn die „Erste“ aktuell gegen den Abstieg aus der Kreisklasse kämpft, ist der sportliche Aufschwung doch unübersehbar – auch durch die Juniorenfördergemeinschaft Naab/Regen, zu der sich 2006 die Fußballvereine aus Hainsacker, Wolfsegg und Pielenhofen zusammenschlossen haben und zu deren Gründungsvorsitzendem Manfred Schmidt als Wolfsegger Jugendleiter wurde. „Wir waren sofort auf einer Wellenlänge, die Zusammenarbeit funktionierte auf Anhieb, heute noch werden die Gründungsväter als Ratgeber gesucht“, sieht Schmidt die Gründung der JFG, der sich inzwischen auch noch Lorenzen und Steinsberg angeschlossen haben, als richtigen Schritt, der „die Nachwuchsarbeit langfristig gesichert hat“. Alle Altersklassen sind heute doppelt besetzt.

Philipp Lahm wird am Samstag in München die 24 bayerischen Kreisehrenamtspräger auszeichnen. Foto: dpa

Dem Fußballnachwuchs dient auch das Jugendspielfeld mit einer Größe von 40 mal 60 Metern und einer Flutlichtanlage, das im Vorjahr als dritter Platz der SpVgg Wolfsegg eingeweiht wurde. Manfred Schmidt unterstreicht dabei die Unterstützung durch die politische Gemeinde, so dass jetzt beim Sportgelände auch rund 150 Parkplätze zur Verfügung stehen. Derzeit arbeiten die Wolfsegger an der Sanierung des Sportbetriebsgebäudes.

Große Unterstützung durch Bürgermeister und Gemeinde erhielt der Verein im Vorjahr, als man mit der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eine Typisierungsaktion für das im Alter von 31 Jahren an Leukämie erkrankte Mitglied Markus Metzger ins Leben rief. Er hatte in seiner Jugend bei der Spielvereinigung Fußball gespielt und engagierte sich bis vor kurzem als stellvertretender Abteilungsleiter der Eisstocksparte. Am 30. April kamen 1526 Leute, um sich unter dem Motto „Markus will leben“ in die Spenderdatei aufnehmen zu lassen; drei von ihnen sind inzwischen zu Lebensrettern geworden. Mit dem Kapellmeister des örtlichen Musikvereins organisierte Manfred Schmidt zudem am Dorfplatz ein Benefizkonzert, bei dem unter anderem die Spider Murphy Gang kostenlos auftrat. Damit wurde der Grundstock für die insgesamt 90000 Euro gelegt, die bislang aus Wolfsegg als Spende an die DKMS gingen. Noch während die Typisierungsaktion lief, wurde aus einer früheren Initiative ein Spender für Markus Metzger gefunden, der sich heute auf einem guten Weg befindet, eine berufliche Wiedereingliederungsmaßnahme bei der Bundeswehr absolviert und auch wieder regelmäßiger Gast bei der SpVgg Wolfsegg ist. „Damals ist das ganze Dorf zusammengestanden“, erinnert sich Manfred Schmidt, „und es hat sich gezeigt, wie gut und wichtig ein intaktes Vereinsleben auch in der heutigen Zeit ist“. Für die Hilfe des BFV mit seiner Sozialstiftung und des SSV Jahn Regensburg, der bei seinen Heimspielen auf der Videowand im Stadion auf die Typisierungsaktion in Wolfsegg hinwies, sei man heute noch dankbar.

Teamplayer an der Vereinsspitze

Manfred Schmidt ist „im Wirtshaus aufgewachsen“ und bekam so den Wert eines intakten Dorflebens in die Wiege gelegt. So ist es auch sein Anliegen im Verein, allen deutlich zu machen, dass das Engagement für di Öffentlichkeit wie selbstverständlich dazugehört. So gehen die SpVgg und ihr Vorsitzender auch beim jährlichen Faschingstreiben in Wolfsegg voran.

Schmidt ist der Kopf des Vereins, aber er weiß, dass „allein nichts möglich“ ist. Der Erfolg sei stets ein Gemeinschaftswerk, spricht er von „tollen Vorstandskollegen, Abteilungs- und Übungsleitern“, die die kleine SpVgg sehr breit aufgestellt und mit Angeboten für alle Altersklassen – vom Kinderturnen über Tanzen, Zumba und Yoga bis zur Wirbelsäulengymnastik – aufgewertet haben. „Ich habe zwar klare Vorstellungen, akzeptiere aber auch andere Meinungen, denn wer nichts probiert, kann auch keinen Erfolg haben“, sagt Schmidt.

Einem gescheiterten Projekt trauert er heute noch nach, als die SpVgg vor über zehn Jahren versuchte, eine Frauenfußballmannschaft zu gründen. Nach zehn Trainingseinheiten unter seiner Regie besiegte man vor 400 Zuschauern die damals in der Freizeitliga spielenden Damen aus Pielenhofen klar. Letztlich scheiterte das Projekt am Fehlen einer Betreuerin, bedauert Schmidt, was seine Ehrenamtsbilanz freilich nicht schmälern. Denn wie sagte schon Phi-lipp Lahm: „Man muss nicht immer das Salz in der Suppe suchen.“

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Die Ehrenamtskarriere

  • Im Alter von 16 Jahren

    beendete ein Motorradunfall frühzeitig die Fußballerkarriere von Manfred Schmidt. Dann galt sein Interesse vorrangig dem Musikverein, dessen Vorsitzender er 13 Jahre lang war. Erst als die eigenen Jungs erstmals die Fußballschuhe im Verein schnürten, wandte er sich wieder dem runden Leder zu. „Da habe ich zweimal zugeschaut, beim dritten Mal war ich Trainer“, blickt Schmidt auf die Anfänge seines ehrenamtlichen Engagements zurück, als er Verantwortung im Jugendfußball übernahm.

  • Nach seinem Beitritt

    zur SpVgg Wolfsegg 1986 fungierte er bis 1988 schon einmal als Betreuer der D-Jugend. Von 2003 bis 2015 durchlief er das Traineramt von der F- bis zur A-Jugend. Jugendleiter für Fußball am Großfeld war er von 2006 bis 2012, parallel im Gesamtverein bis 2011. Die Schiedsrichterlizenz erwarb er 2007 und war bis 2016 an der Pfeife aktiv. Schmidt ist Gründungsvorsitzender der JFG Naab/Regen, deren 2. Vorsitzender er von 2006 bis 2012 war. Seit 2011 ist er 1. Vorsitzender der SpVgg Wolfsegg.

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