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Sport aus Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Cross-EM

Corinna Harrer freut sich auf den Matsch in Velenje

Regensburger Läuferin will eine Medaille mit dem U-23-Team. Orth, Flügel und Neuzugang Soethout machen den Telis-Tross zum größten in Deutschland.
Von Claus-Dieter wotruba, MZ

Beim letzten Test bestens in Schuss: Corinna Harrer möchte am Sonntag bei der Cross-EM wieder mal die beste Deutsche sein. Foto: Goestl

REGENSBURG. Corinna Harrer fliegt heute. Von München aus ist es ein Hopser von 40 Minuten. Ihr Trainer Kurt Ring fährt mit dem Auto. Für die rund 530 Kilometer von Regensburg aus wird er fünf, sechs Stunden nach Slowenien unterwegs sein. Dublin, Brüssel, Albufeira – und am Sonntag also Velenje. Es ist Cross-Zeit für das Leichtathletik-Duo. Es ruft die Europameisterschaft, wo die deutsche Mannschaft im U-23-Rennen mit Harrer über 6070 Meter (Start 12.07 Uhr) zu den heißen Medaillentipps zählt.

In Spanien oder Großbritannien werden solche Meisterschaften live im Fernsehen übertragen. In Deutschland muss man schon mit dem Internet-Livestream (www.european-athletics.org) vorlieb nehmen. Hierzulande legen eben die wenigsten großen Wert auf Crossläufe. Die Regensburger von der LG Telis Finanz schon: Sie stellen das größte deutsche Klub-Kontingent. „Für uns wird das auch im nächsten und übernächsten Jahr der Weg der Vorbereitung sein“, sagt Ring.

Die noch 20-jährige Corinna Harrer ist also nicht allein. Florian Orth startet in der U23 (12.52 Uhr/8170 Meter). Julian Flügel ist bei den Männern (14.33 Uhr/9870 Meter) dabei und mit Jana Soethout zählt eine Noch-Kölnerin zum U-23-Team, die ab 2012 das blaue Trikot der LG Telis Finanz trägt. „Für sie ist so ein Start im Nationaltrikot natürlich ein Highlight“, sagt Telis-Teamchef Kurt Ring, der die 21-Jährige seit ein paar Wochen betreut.

Respekt vor „Arbeiter“ Flügel

„Auch bei einem Flügel ist es Premiere für Deutschland und das ganze Umfeld ist in heller Aufregung“, sagt Ring, der dem 25-jährigen allen Respekt zollt: „Er ist ein Arbeiter, der sich die Leistungen erkämpfen muss. Ganz ehrlich, ich hätte ihm so einen Weg nicht zugetraut.“ Florian Orth dagegen kennt die Atmosphäre im Nationalteam schon. Trotz „Schniefnase und Fußproblemen“ im Vorfeld strebt der Vorjahreszehnte der Cross-EM auch die Top Ten an. „Aber im Cross ist es immer schwierig mit den Vorhersagen“, sagt Ring. „Und Flo ist halt ein Mittelstreckler. Er hat noch nie ein Zehn-Kilometer-Rennen für uns bestritten, eine Corinna dagegen schon zehn. Sie ist unsere Allzweckwaffe.“

„Eine ganz andere Nummer“

Eine, die Olympia 2012 in London auf dem Schirm hat – aber jetzt noch nicht groß darüber nachdenkt. „Da können wir im Frühjahr mal drüber reden“, sagt Harrer, die sich auf den Cross-Wettkampf freut, aber auch weiß: „Das ist diesmal eine ganz andere Nummer. In der U 23 muss ich sechs Kilometer laufen. Bisher waren es nie mehr als vier.“ Und angesichts der Konkurrenz einer Anna Hahner wird es auch nicht so leicht, einen Status zu erlangen, wie ihn Harrer bislang fast selbstverständlich innehatte: „Ich will wieder beste Deutsche sein – und in die Top Acht bis Top Zehn im Einzel.“

Es ist exakt dieser Ehrgeiz, den Kurt Ring an seinem Schützling so mag – und den er fordert. Die Generalprobe (16:08 Minuten über fünf Kilometer im Regensburger Nikolauslauf) vom vergangenen Sonntag sieht er als „Duftmarke“, den Herbst bezeichnet er trainingstechnisch als „grandios“. Weil Harrer verletzt war, „konnten wir drei Wochen eher ins Wintertraining einsteigen“. Die Konsequenz: „Wir haben das Grundlagentraining um zehn Prozent gesteigert. Corinna hat 1000 Kilometer mehr in den Beinen“, sagt Ring. „Sie ist einer der wenigen Profis in Regensburg.“

Die Cross-Europameisterschaft ist für Harrer eine willkommene Abwechslung. „Ich mag es, wenn es so dreckig wird. Cross ist mir viel lieber als die blöde Halle.“ Die schlammige Strecke in Slowenien ist zwar bei fünf Höhenmetern Unterschied nicht gerade bergig, aber keine Hochgeschwindigkeits-Strecke wie in Portugal vor einem Jahr. „Das ist gut für mich“, sagt Harrer. Der Weg soll sich lohnen. Es wäre nicht das erste Mal.

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