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Sport aus Regensburg
Montag, 27. April 2015 23° 3

Leichtathletik

Der harte Kampf um gute Rennen


Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Florian Orth runzelte die Stirn in Ulm. Der entthronte deutsche Meister über 1500 Meter steckt in einem Teufelskreis. Wie nur soll der 23-Jährige Leichtathlet von der LG Telis Finanz Regensburg nun in Richtung WM-Norm laufen? Und auch wo? In Heusden ist am Wochenende ein Start geplant. Eigentlich. „Aber ich bin nur im B-Lauf. Und für einen B-Lauf, der mich nicht weiter bringt, fahre ich nicht von München nach Belgien“, sagt der Student der Zahnmedizin.

Es läuft nicht so wie in Berlin

Der Teufelskreis besteht für Florian Orth darin, dass die Veranstalter bei der Verpflichtung der Athleten die Saisonbestzeiten in Augenschein nehmen – und die fällt bei Orth jenseits von 3:42 eben 2103 bislang „sehr bescheiden“ aus, wie er es nennt. Der Hesse im Regensburger Trikot kann schneller, viel schneller. Das hat er auch schon bewiesen: Zum Ausklang des vergangenen Jahres lief er 3:34,56 Minuten in Berlin.

Aktuell scheint es, als wäre dieser Coup, der unter der WM-Norm für Moskau (3:35) liegt, sogar eine Belastung. „Das höre ich zur Zeit öfter – auch wenn es gut ist zu wissen, dass man so eine Zeit schon mal gelaufen ist“, sagt Orth, den durchaus Selbstzweifel quälen. „Ich weiß nicht mehr so recht, ob sich die Kombination von Sport und Studium auch ausgehen.“

Erst recht, nachdem er in der letzten Runde des DM-Endlaufes in Ulm mit Carsten Schlangen und Sebastian Keiner zwei Kontrahenten ziehen lassen musste, die am Ende „gefühlt eine halbe Runde weg“ waren – und übrigens beide die WM-Norm ebenfalls noch nicht in der Tasche haben. Eine Hoffnung liegt auf Bottrop am 19. Juli – „aber ob das dort die WM-Norm wird, ist fraglich“. Bis 29. Juli ist noch Zeit. „Das sind noch drei Wochenenden.“ Der Optimismus stirbt zuletzt.

Corinna Harrer, die Regensburger Vorzeigeläuferin, die mehr und mehr zur deutschen Hoffnungsträgerin wird, hat das gleiche Grundproblem. Wo finden sich schnelle Rennen? Die 22-Jährige hat es auch in der Diamond League versucht und schielt auf eine Teilnahme in Monaco am 19. Juli. „Aber die Topläufer haben einfach kein Interesse an schnellen Zeiten. Die machen, was Coco in Ulm national gemacht hat, wo sie auch die letzte Runde unter 60 Sekunden hingelegt hat“, sagt Kurt Ring, ihr Trainer. Und so steht Harrer zwar besser da als Orth – aber liegt eben mit ihrem Saisonbestwert von 4:06,60 Minuten aus Rom noch 1,1 Sekunden über dem geforderten Normwert für Moskau.

Heute fliegt die Regensburgerin mit Medaillenambitionen nach Finnland, wo in Tampere die U-23-Europameister gekürt werden. „Coco wird gut laufen und mitmischen“, sagt Ring, der selbst dabeisein wird bei den Starts am Samstagmorgen (Vorlauf) und Sonntagnachmittag (Finale).

Tampere will Kurt Ring abwarten. Danach stellt sich für ihn eine Grundsatzfrage. „Sollen wir in eine Trainingsphase mit zwei Kontrollrennen Ende Juli gehen und sie ist fit für Moskau? Oder muss sie von einer Qualifikation zur anderen, und der DLV bekommt zur Weltmeisterschaft eine kaputte Athletin“, fragt der Trainer ketzerisch. „Corinna hatte mit der Salmonellensache und der Fußverletzung zwei Einschläge. Sie ist aber in sehr guter Verfassung“, sagt Ring. „Die sportliche Führung soll uns den Weg zeigen. Wobei ich betone, dass wir mit den Bundestrainern kein Problem haben.“

Julian Flügel verlässt die Bahn

Wieder andere Athleten der Regensburger ziehen selbst Konsequenzen – wie die Langstreckler der LG Telis Finanz. Nach Philipp Pflieger reifte auch bei Julian Flügel der Entschluss, künftig sein Glück jenseits der Bahn zu versuchen – zumal Normen für internationale Großereignisse kaum noch erreichbar sind. „Ulm dürfte mein letztes ernsthaftes Bahnrennen gewesen sein“, sagt der 27-Jährige, der über 5000 Meter mit Bronze geliebäugelt hatte, aber als Fünfter zufrieden war, weil er nach einem Jahr Verletzungspause an alte Form anknüpfte. Künftig setzt Julian Flügel also auf Halbmarathon und Marathon. „Für die 5000 Meter fehlt es mir an Grundschnelligkeit, auf längeren Strecken hoffe ich, noch mehr rauskitzeln zu können.“

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