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Sport aus Regensburg
Montag, 5. Dezember 2016 1

Leichathletik

Regensburger Läufer sorgen für Höhepunkte

Maren Kock jubelt vor Teamkollegin Corinna Harrer und durchbricht die 4:10-Schallmauer. Florian Orth gewinnt im Alleingang.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Der perfekte Ort für eine neue Bestzeit: Maren Kock blieb erstmals unter 4:10 und gewann auch noch vor Corinna Harrer. Fotos: Brüssel (2)

Regensburg.Erst auf der Zielgeraden setzte Maren Kock an zum Überholvorgang. Darauf hatte die bestens gefüllte Haupttribüne nur gewartet: Ein Regensburger Duell um Platz eins! Am Ende lag Kock, LG Telis Finanz, 4:09,45 Minuten, vor Corinna Harrer, LG Telis Finanz, 4:10:04. Der Doppelsieg sorgte für Stimmung unter den insgesamt rund 1500 Zuschauern. Die Tempoarbeit hatte zwar für mehr, sprich die für das WM-Ticket geforderten 4:06, nicht gereicht – und doch strahlte Kock, als sie die Ziellinie überquerte. Erstmals durchbrach sie die 4:10-Schallmauer. „Das war überfällig. Diesem Ziel bin ich zwei, drei Jahre hinterhergejagt“, sagte Kock strahlend. „Ich konnte einfach meinen Schritt laufen.“

Auch ihr Lebenspartner Florian Orth gewann eine Stünde später, war damit aber weniger glücklich als Kock: Zwar sind seine 3:38,78 Minuten ebenfalls deutsche Jahresbestzeit, doch halt auch noch über drei Sekunden von der WM-Norm weg. „Hinten raus konnte ich nicht mehr beschleunigen. Für die schwülen Bedingungen war es aber okay“, meinte der 25-Jährige.

Die Mittelstreckler schafften zwar allesamt keine Normen – und doch lieferten auch die Zeiten über 800 und 1500 Meter viel Gesprächsstoff. „Das hat schon gepasst“, meinte Kurt Ring in der Bilanz. „Wunder sind nicht so leicht zu erzielen.“ Was Ring gefällt: „Wir sind bei den Frauen über 1500 Meter absolut dominant.“

Verwundert war Ring, dass die Russin Julia Stepanowa, die für einen Berliner Verein startet, als 800-Meter-Siegerin nach zweijähriger Dopingsperre schon wieder eine 2:01er-Zeit hinlegte – und hinterher zur Doping-Kontrolle durfte. Stepanowa lag in 2:01,31 eine Hundertstel vor Fabienne Kohlmann, einer der bayerischen Hoffnungen, die nach einem Ermüdungsbruch überraschend gut in Schuss ist und weiter Richtung Zwei-Minuten-Schallmauer und WM-Norm schielt.

Gedankenspiel für die Team-EM

Das Ergebnis von Regensburg könnte bedeuten, dass die eine Regensburgerin der anderen die Fahrkarte für die Team-Europameisterschaften weggeschnappt hat. Freilich weiß Ring von DLV-Gedankenspielen, „Maren die 3000 und Corinna die 1500 Meter laufen zu lassen“. Kurt Ring nimmt es, wie es entschieden wird. Geht es nach ihm, wird Corinna Harrer am Mittwoch auch erst einmal wie vorgesehen in Spanien laufen – auch wenn dort das Teilnehmerfeld in Huelva schwächer war als erhofft. „Es geht darum zu lernen, Rennen zu laufen“, sagt Ring und will die Normenhatz nicht zum Maß der Dinge machen.

Eine Motivationsspritze hat Corinna Harrer auch bekommen. Vier Jahre nach der U-23-Europameisterschaft erhielt die 24-Jährige aus den Händen von DLV-Präsident nachträglich jene Silbermedaille überreicht, die der ursprünglich Driten von Ostrava zusteht, weil die ursprüngliche russische Siegerin Jelena Arschakowa des Dopings überführt wurde. „Ich wurde von dieser Ehrung total überrascht und habe nichts davon gewusst“, widerlegte Harrer alle Meinungen, dass Athleten sich über eine derartige Zeremonie nicht freuen können. „Für mich ist das eine tolle Entschädigung und ein Signal, dass sich die Gerechtigkeit irgendwann dann doch durchsetzt.“

Treffen der Leichtathletik-Elite in Regensburg

„Ich sähe schon im Vorlauf alt aus“

Über die 1500 Meter setzte sich mit Maren Kock ihre Kollegin durch, die bislang eher auf den längeren Strecken unterwegs war und vor einem Jahr bei der Europameisterschaft in Zürich noch die 5000 Meter lief. Doch davon hatte die 24-Jährige nach Rang 15 und ob der Aussichten 2015 erst einmal genug. „In Peking sehe ich dort als Europäerin wegen der Bedingungen und Konkurrenz ja schon im Vorlauf alt aus“, sagt sie. „Und über 1500 Meter fühlte ich mich noch nie ausgereizt, habe mich aber wegen der großen Konkurrenz bisher nie getraut.“

Kommentar

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Sie kommen ins Ziel und schauen auf die Tafel. Stehen da nicht die gewünschten Zahlen, wird innerlich schon wieder das Ränzlein gepackt: Wo kann ich um...

Obwohl sie in der Halle und im vergangenen Jahr in Ulm auch schon im Freien deutsche Meisterin über 1500 Meter war, wurde auch anderenorts ihre Qualität oft geringgeschätzt. „Da hieß es schon mal, ich hätte nur gewonnen, weil diese oder jene nicht da war.“ Jetzt gilt es noch ein passendes Rennen zu finden („Das ist schwer, aber es gibt auch vom Verband Überlegungen“) – oder eben gemeinsam mit Harrer die Chance zu suchen. „Das Beste wäre, sie fahren zu zweit“, sagt Kurt Ring, der Harrer als Heimtrainer betreut und für Kock zusammen mit Arno Kosmider ebenfalls zuständig ist. „Ich möchte zeigen, dass die 4:09 keine Eintagsfliege ist“, sagt Kock. „Maren hat das heute super gelöst und es verdient“, sagte Kollegin Corinna Harrer.

Autogramme von Florian Orth waren gefragt.

Bei Florian Orth passte zwar die Tempoarbeit besser als im Frauenrennen, aber auch aus dem Ergebnis zog der Hesse im blauen Telis-Trikot seinen Nektar. „2014 war es hier auch eine 3:38 und es hat geklappt mit der EM“, sagte Orth, der nun ebenfalls bei der Team-EM laufen sollte und nach seiner starken 5000-Meter-Premiere von Ordegem (13:29,63) nach eigenem Bekunden auch dafür ein Thema war. Für Florian Orth, der bis zur EM 2018 in Berlin denkt, aber war das vorerst nur ein Perpektivstart. Nach abgeschlossenem Zahnmedizin-Studium wird Orth auch vor Olympia kein Profijahr einlegen. „Ich bin nicht der Typ dafür. Ein, zwei Tage die Woche“ will er durchaus in der elterlichen Praxis arbeiten.

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