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Sport aus Regensburg
Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 3

Infrastruktur

Trainingshalle für die Leichtathleten

Die Stadt Regensburg stellt die Weichen für das 14-Millionen-Euro-Projekt im Stadtosten. Bis 2022 soll die Halle stehen.
Von Heinz Gläser, MZ

So ähnlich soll es bald in Regensburg aussehen: In Hamburg-Alsterdorf steht bereits eine Trainingshalle für Leichtathleten, die im Jahr 2006 eröffnet wurde und rund zwölf Millionen Euro kostete. Foto: Markus Tischler dpa

Regensburg.Frohe Kunde für den Spitzensport in Regensburg und ganz Ostbayern: Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände im Stadtosten entsteht die lange geplante Leichtathletikhalle. Am Dienstagabend befasste sich der Planungsausschuss mit dem Bebauungsplan für den ehemaligen technischen Bereich der Kasernenfläche. Heute steht das Thema auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bildung, Sport und Freizeit. Stimmt der Regensburger Stadtrat den Plänen für das 14-Millionen-Euro-Projekt final zu, soll es bis zum Jahr 2021 oder spätestens 2022 realisiert werden.

Mit dem 200 Meter langen Oval mit vier Laufbahnen, einer 100-Meter-Sprintbahn, Anlagen für Hoch- und Weitsprung und einer Kapazität von rund 200 Zuschauern soll sie ideale Trainingsvoraussetzungen für den Leistungs- und Breitensport in der Stadt bieten – und Wettkämpfe bis hin zu süddeutschen Meisterschaften ermöglichen. Dafür würde die Zuschauerkapazität dann temporär aufgestockt – auf bis zu 500.

Nicht nur die lange diskutierte Leichtathletikhalle mit Ausmaßen von 130 mal 60 Metern soll bei der Erweiterung der bestehenden Sportanlage Ost auf dem angrenzenden Kasernenareal zwischen Zeißstraße, Guerickestraße und Bahnlinie Platz finden. So ist perspektivisch auch ein Lehrschwimmbad vorgesehen.

Die 14 Millionen Euro für das Projekt sind bereits in der städtischen Investitionsplanung enthalten. Nach Auskunft des städtischen Referenten für Bildung, Sport und Freizeit, Dr. Hermann Hage, und von Sportamtsleiter Johann Nuber bestand ein verwaltungsinterner Konsens, das Projekt bei der ehemaligen Leopoldkaserne zu verwirklichen. „Wir möchten die Leichtathletik in Regensburg weiter stärken und einen Schwerpunkt für diese Sportart schaffen. Der Bedarf ist zweifelsohne da“, so Dr. Hage.

Dieser Standort ist vorgesehen:

Die Stadt trägt damit auch den Erfolgen und dem Engagement der örtlichen Leichtathletik-Vereine Rechnung. Die LG Telis Finanz Regensburg hat sich als Spitzenklub auf Bundesebene etabliert und stellte mit Corinna Harrer (2012 in London) sowie Philipp Pflieger, Anja Scherl und Florian Orth (2016 in Rio de Janeiro) bereits eine Reihe von Olympia-Startern. Auch der mehr breitensportlich orientierte SWC und der LLC Marathon haben dazu beigetragen, den Ruf Regensburgs als Leichtathletik-Zentrum mit überregionaler Ausstrahlung zu stärken.

Ring: Hat ein bisschen gedauert

Kurt Ring, der sportliche Leiter der LG Telis Finanz, reagiert entsprechend erfreut auf die Nachricht vom geplanten Bau der Halle: „Das ist ein Wort.“ Der 68-Jährige fügt schmunzelnd hinzu: „Es dauert halt alles immer ein bisschen länger bei uns.“

In der Tat hat das Projekt eine lange, gar jahrzehntelange Vorgeschichte. Sie geht zurück auf die Ära von Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) und des damaligen Sportbürgermeisters Gerhard Weber. Der derzeit suspendierte Schaidinger-Nachfolger Joachim Wolbergs (SPD) griff die Pläne auf und forcierte sie.

Allein: Dreh- und Angelpunkt blieb bei dem Vorhaben der Standort. Bei der ursprünglich favorisierten Sportanlage West am Weinweg machten die geplanten Eingriffe in ein Landschaftsschutzgebiet die Planungen zunichte. Alsdann erkor die Stadt die Flächen neben dem Sportstadion der Universität und in unmittelbarer Nähe der neuen Continental-Arena zum idealen Standort. Jedoch hakte es in den Gesprächen, die Alma Mater hatte eigene Vorstellungen, wollte Lehrpersonal, Räume und eine hochschulnahe Nutzung der Anlage – Forderungen, auf die die Stadt nicht einging. Bei der Standortsuche kam auch das Gelände des alten Jahn-Stadions an der Prüfeninger Straße ins Spiel. Diese Idee wurde aber wegen offener infrastruktureller Fragen bald beerdigt.

Nach dem Westen und Süden richtete sich der Blick nun nach Osten. Als die Stadt Ende vergangenen Jahres nach langen Verhandlungen mit dem Bund für 2,1 Millionen Euro ein 74 500 Quadratmeter großes Grundstück bei der früheren Leopoldkaserne vom Bund erwarb, kommentierte Wolbergs den Kauf auf Anfrage unseres Medienhauses so: Das Areal werde dringend für die kommunale Infrastruktur benötigt. Denn: „Wir brauchen zusätzliche Sportflächen, eine Schulturnhalle, eine Leichtathletikhalle und ein Lehrschwimmbad.“

Vom ursprünglichen Gedanken einer kleinen Lösung für die Leichtathleten mit einem Kostenpunkt von rund sechs Millionen Euro hatte sich Joachim Wolbergs längst verabschiedet. „Jetzt wollen wir keine reine Trainingshalle mehr, sondern eine, in der auch Wettkämpfe stattfinden können“, skizzierte der Oberbürgermeister Mitte 2015 seine Vorstellungen.

Auf diese große Lösung läuft es jetzt hinaus. Im Freistaat existieren für die Leichtathleten bislang nur Trainingshallen in München und Fürth, in Ingolstadt ist eine solche angedacht.

Kein Wunder, dass Clemens Prokop das Regensburger Vorhaben mit großer Sympathie begleitet. „Für die bayerische und deutsche Leichtathletik ist die Halle von großer Bedeutung, weil damit eine empfindliche Strukturlücke in Bayern geschlossen wird und dann auch Ostbayern alle breitgefächerten Möglichkeiten für eine Spitzenleichtathletik besitzt“, sagt der Regensburger Amtsgerichtsdirektor und Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), der im November nach fast 17 Jahren Amtszeit die Position an der Spitze des Sportverbandes abgeben wird. Prokop fügt hinzu: „Damit erhöht sich die Attraktivität des Leichtathletik-Standortes Regensburg ganz wesentlich. Ziel muss es sein, mit dieser Halle ein überregionales Leistungszentrum in Regensburg zu etablieren.“

Parken, Reha, Gastronomie?

Die Detailplanungen sind freilich noch nicht abgeschlossen. Ein integriertes Parkhaus, ein Kraftraum, ein eigener Reha-Bereich, angeschlossene Gastronomie? Es darf noch gefeilt werden. Der Baubeginn ist fürs Jahr 2020 angepeilt. Kurt Ring, die treibende Kraft der Spitzen-Leichtathletik in Regensburg, wünscht sich jedenfalls, dass die bisher schon beteiligten Vereine mit ihrem Fachwissen in die Planungen eng eingebunden bleiben: „Dann wird diese Halle auch funktionieren. Sie wird ein Anziehungspunkt für ganz Ostbayern sein.“

Ring sieht in dem Projekt auch indirekt eine Belohnung für die Arbeit, die vor Ort geleistet wurde: „Wir haben schließlich in den letzten 20 Jahren 150 deutsche Meister hervorgebracht.“

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  • AH
    Andreas Höpfner
    19.09.2017 21:31

    Genau wegen solcher Artikel habe ich die MZ abonniert. Danke!

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