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Sport aus Regensburg
Montag, 27. Juni 2016 23° 4

Schiessen

Trio aus Regensburg schießt bei der EM

Susanne Roß, Monika Karsch und Sandra Hornung sind in Ungarn am Start. Es geht um Medaillen – und die letzte Olympia-Chance.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Mit Sandra Hornung, Susanne Roß und Monika Karsch fahren drei Regensburgerinnen zur Schützen-EM nach Ungarn. Foto: Wotruba

Regensburg. Meisterschaften schießen die Schützen viele. Bisweilen sind die Wettbewerbe und Disziplinen fast unüberschaubar, selbst auf europäischem Niveau und darüber. Und doch: Heute beginnt in Györ mit der Luftdruck-EM eine viertägige Europameisterschaft von ganz besonderem Rang. Besonders für Regensburg ist sie sehr besonders: Gleich drei Luftpistolen-Schützinnen mit Lebensmittelpunkt in der Hauptstadt der Oberpfalz machen sich auf den Weg nach Ungarn – eine Quote, die keine Stadt sonst hat.

Susanne Roß (19) ist heute am Starttag bei den Juniorinnen als Erste aus dem Regensburg-Trio an der Reihe. Für Monika Karsch (33) und Sandra Hornung (31) geht es zum Abschluss am Samstag um mehr als nur die Medaillenjagd in Einzel und Mannschaft: Gemeinsam mit Munkhbayar Dorjusuren ist Györ auch die letzte Chance, noch einen Olympia-Quotenplatz für Rio de Janeiro zu erhaschen.

Es scheint, als entwickle sich bei der stolzen, schon 1442 gegründeten königlich-priviligierten Hauptschützengesellschaft, kurz HSG, in Regensburg mit ihren Schützenständen auf der Tremmelhausener Höhe so etwas wie ein Schützen-Nest. Neben den drei EM-Damen ist dort ja noch Hornungs Lebensgefährte Christian Reitz, Olympia-Medaillengewinner von 2008 in London und als Weltranglistenvierter mit der Schnellfeuerpistole ein Weltklassesportler, im Training zu Gange.

Auch in der Donau-Arena möglich

Gezielt entstanden ist dieses Nest nicht. Aber stetig gewachsen. „Wer als Schütze nach Regensburg kommt, findet gute Bedingungen“, sagt Monika Karsch und erklärt: „So eine EM wie diese ließe sich übrigens auch in der Donau-Arena machen. Dazu braucht es nur einen 10-Meter-Stand.“ So ist auch Györ kein den Sportlern aus dem Weltcup bekannter Ort, sondern neu.

„Regensburg war für mich die beste Wahl“, sagt Susanne Roß. „Meine Ausbildung hat mich im Herbst 2014 aus Raubling bei Rosenheim hierher gebracht.“ Die 19-Jährige absolviert an der BRK-Berufsfachschule für Physiotherpaie ihre Ausbildung: Dort hat auch Landestrainer und Karsch-Ehemann Thomas den Beruf erlernt.

Von dieser Schule stammt auch Matthias Schneider, der Physiotherapeut des Nationalteams. Roß schließt 2017 ihre Ausbildung ab und entscheidet dann, wie es im Schießen weitergeht. „Erst einmal soll sie ihr letztes Juniorinnen-Jahr nutzen“, sagt Thomas Karsch. „Endlich habe ich es mal geschafft“, sagt Neuling Roß und entwickelt wenig konkrete Erwartungen für Ungarn: „Ich bin gespannt, wie es wird. Finale? Ich weiß nicht. Soviel Erfahrung habe ich ja nicht.“

Viel, viel konkreter sind die Ziele von Sandra Hornung, die nach längerer Zeit mal in das Dreier-Aufgebot zurückkehrte, und Monika Karsch, die in den vergangenen Jahren bei Großereignissen Stammgast und mit der Luftpistole auch schon Vize-Europameisterin war. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mit der Mannschaft eine Medaille holen“, sagt Hornung.

Karsch versucht’s mit Distanz

Doch das ist nicht der Hauptzweck der Reise, die mit dem Flug nach Wien und einem anschließenden Bustransfer nach Györ beginnt. Mit der Luftpistole haben sowohl die Männer als auch die Frauen bisher am nötigen deutschen Quotenplatz für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro vorbeigezielt. Selbstverständlich erhöht das den Druck. „Ich versuche mich davon zu distanzieren und versuche die Europameisterschaft in den Vordergrund zu stellen. Und wenn man gut ist, dann holt man den Quotenplatz auch.“

Drei gibt es in Ungarn zu holen, doch es müssen nicht die Medaillengewinnerinnen sein, die den begehrten Fahrschein holen. „Man kann auch als 17. Glück haben.“ Die Frage in diesem durchaus komplizierten Vergabesystem ist, welche Kontrahentinnen vor einem liegen und ob sie diesen Quotenplatz schon in der Tasche haben. „Das hat man selber eben nicht in der Hand“, sagt Karsch, die 2015 so oft knapp vorbeischrammte. Auch der dritte Platz bei den Europaspielen in Baku reichte zum Beispiel nicht.

Die allerbesten Voraussetzungen hatte die im EM-Vorfeld kränkelnde Monika Karsch, die in der Europa-Rangliste mit der Luftpistole Rang 18 belegt, nicht. „Ich würde einfach gerne gesund werden“, sagte Karsch.

Sandra Hornung schoss in den letzten Jahren eher in der zweiten Reihe. „Es war immer knapp daneben, um einen Ring oder zwei“, sagt die Rückkehrerin. „Für mich ist das auch die letzte Chance, ins Topteam zu kommen. Aber ich habe vor allem den Quotenplatz im Kopf – und das eine führt ja zum anderen.“ Tipps von ihrem Lebensgefährten Christian Reitz helfen ihr bedingt weiter. „So, wie er ans Schißen rangeht, kann ich das nicht machen. Ich bin da viel zu sehr Kopfmensch.“ Doch getüftelt wird bei Schützen ständig. „Es sind Kleinigkeiten. Ich habe heuer zum Beispiel eher mit dem Training angefangen und habe das erste Mal ab Weihnachten zwei Wochen Urlaub gemacht. Die Ruhe und der Abstand haben mir gutgetan.“

Ins Finale und dann weitersehen

Karsch wie Hornung peilen wie immer erst einmal das Finale an. „Zwei Regensburgerinnen holen Medaille und Quotenplatz“ – das wäre am Samstagnachmittag dann die perfekte Schlagzeile.

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