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Sport aus Regensburg
Samstag, 23. September 2017 21° 1

Fussball

Was Augenthaler nach Donaustauf zieht

Ein Ex-Jugendspieler, sein Hobby, soziale Zwecke und „Sponsoren mit Visionen“ locken den Weltmeister in die Oberpfalz.

Klaus Augenthaler beantwortet bei seiner Vorstellung im Regensburger DEZ Fragen. Foto: Tino Lex

Regensburg.So viel Remmidemmi verblüffte sogar Klaus Augenthaler. „Liverpool spielt doch heute in Augsburg und nicht in Regensburg“, kommentierte der Fußball-Weltmeister ungläubig den Menschenauflauf um ihn herum. Ein bisschen Applaus, dazu 35 Journalisten und rund 200 Zuschauer drängelten sich im Glöckl-Biergarten im Donau-Einkaufszentrum in Regensburg. Alle staunten, weil ein Fußball-Weltmeister nun also höchst offiziell in der siebten Liga anheuerte. Bezirksliga-Tabellenführer SV Donaustauf kann schon für den Rest der Saison auf Augenthalers Dienste zurückgreifen. Erst einmal als Berater – und ab Sommer sitzt „Auge“ dann selbst mit auf der Trainerbank.

Dem Ort vor den Toren Regensburgs, der bislang im Sport vornehmlich dadurch vorkam, weil Donaustauf Ehrenbürger Klaus Eder seine Hände bei so viel Prominenz auflegt, verschaffte das ungeahnte Aufmerksamkeit. „Es geht um ein langfristiges Konzept und nicht um den Marketinggag eines Sponsors“, versuchte SVD-Abteilungsleiter Lothar Rengsberger der Skepsis Einhalt zu gebieten. „Konkurrenz zu Profiteams oder dem SSV Jahn sind wir auf keinen Fall. Wir sind Amateure und werden das noch eine Weile bleiben.“

Augenthaler: „Wie in Leverkusen oder Wolfsburg“

Landesliga? Bayernliga? Gar Regionalliga, also vierthöchste Klasse? Natürlich schossen vielen ob des prominenten Trainers flott Gedanken in den Sinn, wo denn die künftige sportliche Ligenheimat des SV Donaustauf liegen könnte. Ein guter Trainer befeuert so etwas. „So weit wie möglich“, antwortete Klaus Augenthaler auf die Frage, wie weit es denn nach oben gehen solle. „Für mich ist es egal, ob Profis oder Amateure: Eine meiner schlimmsten Untugenden sind Niederlagen. Und darüber werde ich mich in Donaustauf genauso ärgern wie in Leverkusen oder Wolfsburg.“

Ein Video von der PK gibt es hier:

Ein Weltmeister für den Siebtligisten

Der Klub will regional bleiben

Die Verantwortlichen halten den Ball deutlich flacher, wenn es darum geht, zu sagen, wohin die Reise führen soll. Mahnende Beispiele, wie schnell auf Höhenflüge Abstürze folgen, gibt es in der Region genug. „Wichtig ist, dass der Verein bodenständig bleibt“, sagt Florian Wessely als Sprecher von drei Sponsoren (Neckermann Strom, Buchbinder Rent-a-car und Campus-Immobilien) über die Zukunftspläne. „Wir wollen uns mit Spielern aus der Region verstärken und nicht mit ausrangierten Bundesligaspielern“, sagt Thomas Semmelmann, der bisherige Coach, der mit Augenthaler und Andreas Vilsmaier das Trainerteam bildet. „Es gibt genügend junge, hungrige Spieler. Das ist unsere Prominenz.“

Lesen Sie hier: Donaustaufs Sponsor hat ehrgeizige Ziele

Nach seinen ersten Live-Eindrücken war Klaus Augenthaler von seinem Team in spe „positiv überrascht“. Ein „ehemaliger Jugendspieler und nicht wie angenommen Klaus Eder“ habe ihn mit Donaustauf in Kontakt gebracht. „Wie so vieles entsteht manches durch Zufall“, sagte Augenthaler, der Fischer. „Deswegen war ich seit 1989 teils dreimal im Jahr da, vergangenes Jahr aber kein einziges Mal.“ Das wird sich ändern: Zumal Augenthaler wohl bald aus gesundheitlichen Gründen länger am Stück in Donaustauf sein muss. Auch die „Sponsoren mit Visionen“ erwähnte Augenthaler. „Es wird einen sozialen Aspekt geben“, sagt Augenthaler. „Das Kind hat noch keinen Namen. Aber das sind keine leeren Hülsen. Wir werden das im Mai bekanntgeben. Da wollte ich unterstützend dabei sein..“

„Es geht um ein langfristiges Konzept und nicht um den Marketinggag eines Sponsors.“

SVD-Abteilungsleiter Lothar Rengsberger

Ein „nachhaltiges Fußballzentrum“ will der SV Donaustauf werden, der mit dem Bundesligisten FC Ingolstadt schon eine Partnerschaft pflegt. So formulierte es Lothar Rengsberger. „Ein Klaus Augenthaler ist eine Bereicherung und Befruchtung für die Region“, sagt Florian Wessely, den mit dem ehemaligen Jahn-Präsidenten, und jetzigen SVD-Gönner Matthias Klemens ein Freund mit ins Boot holte. „Klaus Augenthaler ist der Kopf, der sein Geschäft versteht. Mit ihm hat das alles eine Eigendymnamik bekommen. Er refinanziert sich mit seinem Namen. Viele wollen jetzt bei uns mitmachen“, sagt Klemens, der selbst auch für Donaustauf die Schuhe schnürte. „Mein Opa kommt aus Donaustauf, und wir wollen schon, dass der Draht zu Donaustauf bleibt“, sagt Klemens. „Es soll auf jeden Fall eine regionale Geschichte sein, bei der sechs, sieben Spieler immer aus der Region kommen.“

So reagieren Funktionäre aus der Region auf den Coup:

Klemens: „Dem Jahn fehlt das Geld nicht“

Auch Matthias Klemens sieht nicht, dass das Sponsoren-Engagement dem SSV Jahn in die Quere käme. „Das Letzte, was dem Jahn fehlt, ist das Geld. Auf eine Summe wie diese ist man da nicht angewiesen“, sagt Klemens und berichtet: „Hans Rothammer hat mich angerufen, Glückwünsche ausgesprochen und gesagt, dass Ostbayern noch eine Mannschaft verträgt. Im Übrigen gibt es im Umfeld jeder Stadt zwei, drei Bayernligisten – nur in Regensburg bisher neben der Jahn-U-23 nicht.“

Impressionen von der Pressekonferenz in einer Bildergalerie:

Donaustauf stellt Augenthaler vor

Hans Rothammer, der Vorstandsvorsitzende des SSV Jahn, bleibt entspannt. Nein, er sehe hier überhaupt keine Konkurrenzsituation, sagte er unserer Zeitung. „Ich freue mich über jeden Sponsor, der einen Verein in der Umgebung unterstützt, weil damit der Fußball im Allgemeinen und im Besonderen der in unserer Region unterstützt wird“, meint Rothammer, der nicht glaubt, dass dem Jahn durch die Aufmerksamkeit, die der SV Donaustauf nun erhält, Nachteile entstehen: „Die Rahmenbedingungen die ein Traditionsverein wie der Jahn, insbesondere mit dem Stadion und der Ligazugehörigkeit, bieten kann, sind hier in der Region konkurrenzlos.“

Er könne sich auch auf längere Sicht nicht vorstellen, dass etwa der SV Donaustauf in diese Sphäre vordringen kann: „Ich denke, dass für einen Verein wie Donaustauf natürliche Entwicklungsgrenzen bestehen, freue mich allerdings über jeden Verein in der Region, der sich sportlich entwickelt.“

„Eine große Show“, kommentiert MZ-Sportredakteur Jürgen Scharf:

Kommentar

Eine große Show

Ja, er kommt! Klaus Augenthaler wird Trainer des SV Donaustauf. Ein Fußball-Weltmeister und ehemaliger Champions-League-Trainer steht demnächst bei dem...

Und hier der NewsBlog zum Nachlesen:

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  • KS
    Karl Semmelmann
    19.02.2016 09:44

    Es wird so kommen wie bei manch anderen Vereinen aus der Region, Siehe VFB Regensburg, Freier TUS Regensburg, SV Burgweinting.

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