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Sport aus Regensburg
Sonntag, 31. Juli 2016 28° 8

Leichtathletik

Regensburgerinnen stürmen zur EM

Anja Schneider-Scherl läuft in Barcelona so schnell wie wenige Deutsche. Auch Franziska Reng unterbietet Halbmarathon-Norm.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Ein glückliches Regensburger Läuferduo in Barcelona: Anja Schneider-Scherl (links) und Franziska Reng liefen die EM-Norm im Halbmarathon.

Barcelona. Als klar war, dass sie in der MZ-Wahl „Ostbayerns Sportlerin des Jahres“ geworden war, trat Franziska Reng vor knapp vier Wochen im Regensburger Kolpinghaus einen Schritt aus dem Kreis ihrer vier Mitbewerberinnen heraus. Sie staunte, ihre Fassungslosigkeit war greifbar: Die „kleine Franzi“, die 2015 in der U 20 EM-Neunte über 5000 Meter und Team-Europameisterin im Crosslauf geworden war, war bei den „großen Frauen“ angekommen. Der erste große Start des Jahres 2016 unterstreicht das: Bei ihrem Halbmarathon-Debüt in Barcelona erlief sich die junge Läuferin der LG Telis Finanz Regensburg am Sonntag als Gesamtfünfte in 72:23 Minuten so gut wie sicher das Ticket zur Europameisterschaft in Amsterdam.

Nationaltrikot ist zum Greifen nah

Die katalanische Metropole, die so sehr für guten Fußball steht, wird auch die Leichtathletin Anja Schneider-Scherl nie mehr vergessen. Auch sie unterbot die EM-Norm, war beim Sieg der Kenianerin Florence Kiplagat (69:10) sogar noch einen Platz besser als Reng und stieß in 71:17 Minuten in Dimensionen vor, die in den vergangenen zehn Jahren mit Irina Mikitenko und Sabrina Mockenhaupt nur die zwei namhaftesten deutschen Läuferinnen erreicht hatten. „Vor zwei Jahren habe ich meine Trainingseinheit noch auf das Laufband verlegt, um die Marathon-EM anzuschauen“, sagt die 29-jährige Schneider-Scherl, „und jetzt ist es zum Greifen nah, dass ich selbst das Nationaltrikot tragen kann“.

„Vor zwei Jahren habe ich meine Trainingseinheit noch auf das Laufband verlegt, um die Marathon-EM anzuschauen.“

Anja Schneider-Scherl

Ihrem Ehemann war nach der Hälfte des des Rennens „Himmelangst“ um seine Frau und Reng geworden: „Ich habe gedacht, beide sind viel zu schnell“, berichtet er als Augenzeuge. „Anja ist bei 33:38 durch – und war dann in der zweiten Hälfte sogar noch schneller.“ Ihre bisherige persönliche Bestmarke von 73:40 von Köln unterbot Anja Schneider-Scherl jedenfalls deutlich. „Wir wussten, dass sie in Form ist. Sie hatte keinen Krankheitstag und der Kurs war besser“, wunderte sich nicht nur Marco Scherl. Auch die Leistungsgruppe der LG Telis Finanz um Teamchef Kurt Ring, die derzeit in Portugal zum Trainingslager weilt, staunten nicht schlecht ob der Meldungen aus Spanien.

Obendrein waren die Bedingungen nicht die allergünstigsten. Die Starter hatten in Barcelona mit Wind zu kämpfen. „Bis Kilometer 17 ging es gut. Dann kam eine leichte Steigung mit Gegenwind, aber die Beine sind gut gelaufen“, erklärte Schneider-Scherl, die sich endgültig aus der zweiten Reihe in die erste Reihe lief und sich an Philipp Pfliegers Marathon-Auftritt im Herbst in Berlin ein Beispiel genommen hatte. „2015 war ein gutes Jahr, aber auch ich hatte beim Frankfurt-Marathon einen Dämpfer bekommen, als ich bei Kilometer 30 aussteigen musste“, sagte Schneider-Scherl. „Ich hatte Kurt Ring schon vorher versprochen, dass ich kämpfen werde wie Philipp in Berlin.“

Lesen Sie hier: Franziska Reng krönt Jahr des Staunens

Die Angst, auf die Uhr zu schauen

Das gelang Anja Schneider-Scherl so eindrucksvoll wie Franziska Reng. „Ich habe mich nicht getraut, auf die Uhr zu schauen“, gestand Reng. „Niemand hat Zwischenzeiten reingebrüllt und als ich die Zeit laufen gesehen habe, dachte ich, da will mich jemand verarschen.“ Auch, dass sie die EM-Einzelnorm erreicht hatte, war ihr erst klar, als es die Teamkollegin ansprach. „Jetzt fahren wir nach Amsterdam“, sagte Anja Schneider-Scherl zu Reng, die zwar die Teamnorm von 74 Minuten kannte, nicht aber die Einzelnorm.

Fünf Plätze sind zu vergeben

Jetzt ist es es nicht nur für Franziska Reng „relativ wahrscheinlich“, dass das Duo die Reise nach Amsterdam antritt. Bei den Europameisterschaften in den Niederlanden von 6. bis 10. Juli sind fünf Plätze zu vergeben, weil es einen Team-Wettbewerb gibt. Anja Scheider-Scherl und Franziska Reng belegen vorerst die Ränge eins und zwei der deutschen Bestenliste, auch Katharina Heinig, die Tochter von Bundestrainer Wolfgang Heinig, blieb in 1:12:55 – im Gegensatz zu Anna Hahner (1:14:03) – unter der Norm.

„Ich habe mich nicht getraut, auf die Uhr zu schauen.“

Franziska Reng

Im Rennen hatte das Regensburger Duo keine gemeinsame Sache gemacht. „Ich laufe am liebsten meinen eigenen Rhythmus“, sagte Schneider-Scherl. Gemeinsam ging es erst am Sonntagnachmittag in der Stadt zur Sache – beim Sightseeing. Und ganz nebenbei tilgte Reng auch schlechte Erfahrungen ihrer Schul-Abschlussfahrt. „Diesmal bringe ich mein Handy wieder mit nach Hause und bin auch nicht krank.“

Die weiteren Lauftermine hatten sowohl Anja Schneider-Scherl als auch Franziska Reng vom Rennverlauf in Barcelona abhängig gemacht. „Alles war erst einmal darauf ausgerichtet“, sagt Schneider-Scherl. „Ich werde ein, zwei Wochen mal ruhig machen“, sagt Reng, „dann kommen die deutschen Cross-Meisterschaften und vielleicht die 10 Kilometer auf der Bahn.“

Nach dem Rückflug am Montagmorgen geht der Alltag für Franziska Reng weiter: „Ich mache ein Praktikum an der Bischof-Wittmann-Schule und habe da um 13 Uhr einen Termin.“

Bei den Männern überzeugten in Barcelona übrigens die beiden Ex-Regensburger Julian Flügel (7./1:04:17) und Sebastian Reinwand (14./1:05:10), die jetzt für das Asics Team Memmert starten, mit neuen Bestzeiten.

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