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Sport aus Schwandorf
Samstag, 25. November 2017 11° 3

Ausdauersport

„Ein Kampf gegen die Elemente“

Thomas Kerner ist seit diesem Jahr Profi. Am Samstag geht der Dietldorfer beim Xterra-Crosstriathlon in Belgien an den Start.

  • Der Dietldorfer Thomas Kerner hat beim Wettkampf „Jag De Wuidsau“ ein Heimspiel. Foto: bpf

Burglengenfeld. Am heutigen Samstag startet der 26-jährige Dietldorfer, Thomas Kerner, in Namur beim Xterra Belgium. Es ist sein zweiter Start in der Profiszene. Dies nahm die Mittelbayerische Zeitung zum Anlass, mit dem Ausdauerathleten über seine Ziele und Vorstellungen zu sprechen.

Herr Kerner, was für einen Sport betreiben Sie eigentlich genau?

Kerner: Also eigentlich ist es nur Triathlon in einer abgewandelten Form. Die bekannteste Form des Multisports dürfte ja die Ironman-Distanz sein, ganz so lange darf, muss ich mich nicht quälen. Cross-Triathlon besteht aus 1,5 Kilometer Open-Water-Swim, 30 Kilometer Mountainbiken mit ca. 1000 Höhenmetern und einem abschließenden technischen 10-Kilometer-Trail-Run.

Worin liegt der Reiz beim Cross-Triathlon im Gegensatz zum normalen Triathlon?

Der Reiz liegt ganz klar an den drei Ks: Kondition, Konzentration und Koordination. Es ist genau dieses Zusammenspiel, welches unseren Sport noch mal so einzigartig macht. Das Schwierige dabei ist, wenn man sich körperlich am absoluten Limit befindet, die Konzentration aufrecht zu erhalten und dabei auf dem Bike die richtige Linie im Gelände zu finden oder beim Lauf den Fuß an die richtige Stelle zu setzen. Ein Fehlritt oder Fehltritt wird nicht verziehen und es kann zu bösen Verletzungen kommen.

Was macht Ihnen besonders Spaß in Ihrem Sport?

Es ist dieses zum einen, an seine eigene physische Grenze zu gehen, was definitiv kein Spaß ist – zumindest während des Rennens –, und das himmelhochjauchzende Gefühl, in der Natur unterwegs zu sein. Die Xterra-Serie führt einen nicht unbedingt in die typischen Touristenregionen, sondern vielmehr in wunderbare Landschaften. Dieses Zusammenspiel aus Extremsport, Natur und Reisen ist unbeschreiblich.

Sie haben nun schon viele Erfolge im Amateurbereich errungen. Was hat Sie veranlasst, bei den Profis zu starten?

Ganz klar die persönliche Weiterentwicklung. Nachdem ich letztes Jahr zum dritten Mal hintereinander ITU-Weltmeister wurde und auf Hawaii im Gesamtklassement auf Rang 25 kam, wollte ich es einfach dieses Jahr versuchen. Als Profi bin ich halt dann den gesamten Wettkampf am Anschlag und versuche, bis zum Ende alles aus meinen Körper rauszuholen. Als in Führung liegender Amateur habe ich einige Male die letzten Kilometer wirklich genießen können.

Wie wird man Profi?

Prinzipiell kann jeder Sportler die Profi-Lizenz lösen. Diese muss beim deutschen Nationalverband beantragt werden und man findet sich dann auch im Anti-Doping-Test-Pool der NADA wieder, die Kosten dafür belaufen sich auf 250 €. Um dann bei offiziellen internationalen Meisterschaften für Deutschland starten zu können, muss man jedoch schon eine erfolgreiche Palmarès aufweisen, um bei der Nominierung berücksichtigt zu werden. Ebenso verhält sich das bei der Xterra-Serie.

Was ist der Unterschied zwischen Profi und Altersklasse?

Hier ist der Unterschied relativ einfach. Der Profi kämpft um ein niedriges Preisgeld, der Amateur um Ruhm und Ehre. Beim Rennen selbst gibt es keinen Unterschied. Ein gemeinsamer Start schafft dieselben Bedingungen und danach beginnt der Kampf gegen die Elemente.

Arbeiten Sie noch und unterstützt Sie der Arbeitgeber?

Wenn beim Xterra-Athleten die Rede vom Profi ist, dann kann man dies nur bedingt mit einem Fußball-Profi vergleichen. Wir üben eben eine Randsportart aus. Ich bin Vollzeitbeschäftigter bei der Firma Krones. Unterstützung erhalte ich vor allem von meinen direkten Arbeitskollegen, welche einfach auch brutal hinter mir stehen und mich bei meinen Wettkampfreisen und Trainingslagern unterstützen. Der ganze Urlaub geht dabei natürlich für den Sport drauf.

Wer unterstützt Sie finanziell als Profi?

Ich bin in der glücklichen Lage, mit zwei regionalen Betrieben zusammenarbeiten zu können. Zum einen ist dies die Familienbrauerei Jacob aus Bodenwöhr, welche eine wahnsinnig sympathische Belegschaft hat. Marcus (Brauereichef, Anm. d. Red.) gibt mir das Gefühl, als einer von ihnen die Brauerei zu repräsentieren. Zum anderen ist es das Autohaus Vetterl. Auch hier kann ich nur wieder sagen, dass es schön ist, die Leute, die man mit seinem Sport repräsentiert, persönlich zu kennen. Jedoch decken diese nur einen kleinen Teil des jährlichen Budgets ab, so dass ich immer noch Unterstützung brauchen kann.

Wie schaut es mit der Unterstützung im Verein aus – Abteilung, Trainingspartner, Umfeld, Trainer?

Die wichtigste Unterstützung im Umfeld ist natürlich meine Freundin, die viel Verständnis für mich und meinen Leistungssport aufbringen muss, ebenso wie meine ganze Familie. Die Unterstützung aus meinem Heimatdorf Dietldorf macht mich auch unglaublich stolz. Auch bin ich stolz darauf, sagen zu können, dass meine Trainingspartner alle wirklich gute Kumpels geworden sind, wenn sie es davor noch nicht waren. Bei meinem Verein, dem ich nun schon seit über 20 Jahren angehöre, fühle ich auch einen unglaublichen Rückhalt. Sie unterstützen mich soweit sie nur können. Mein Trainer Franz Pretzl kennt mich nun auch schon seit knapp zwölf Jahren und er ist definitiv eine meiner wichtigsten Stützen. Eben nicht nur als Trainer, sondern auch als Ratgeber, Freund und Mensch.

Wie schaut eine Trainingswoche aus?

Durchgeplant. Was anderes kann ich nicht sagen. Alles richtet sich nach dem Sport. Ich erhalte meinen Trainingsplan und dann versuche ich, die oft zwei Einheiten am Tag irgendwie in meinen Tagesablauf zu integrieren. Da beginnt dann der Tag mal mit einem Morgenlauf oder die Brotzeit in der Arbeit wird für einen Lauf oder Schwimmen im Guggenberger See verlängert. Nach der Arbeit kommt dann die zweite Einheit des Tages. So richtig zu Hause kommt man unter der Woche dann erst nach 20.30 Uhr an.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Als Sportler will ich heuer noch sechs Rennen im Europacup bestmöglich absolvieren. 2017 steht dann wieder Hawaii ganz groß auf der Agenda. Wenn es finanziell passt, will ich es dort richtig krachen lassen. Ich habe aber auch schon immer gesagt, ich will mit Spaß und Freude meinen Sport den Leuten näher bringen. So frage ich immer in meinen Freundeskreis nach, ob mich jemand auf meinen Wettkampfreisen begleiten möchte. Auch liebe ich meinen Job als Nachwuchs-Trainer unserer Mountainbike-Kids.

Wie kann man als Nicht-Teilnehmer bzw. Zuschauer bei einem Event so einer Individualsportart teilhaben?

Wichtig ist erstmals, dass man weiß, wo es solche Events überhaupt gibt und diese sind leider noch rar gesät. Man bedenke, der am nächsten gut besetzte Cross-Triathlon ist im 220 Kilometer entfernten Vogtland. Mit „Jag De Wuidsau“ in Dietldorf haben wir es aber schon geschafft, ein Top-Sportevent für die Cross-Szene in Deutschland zu schaffen und ich denke, wir werden hier noch einen starken Zulauf haben. Wir haben für die Zuschauer eine gute Struktur geschaffen und sogar einzelne Hot-Spots, wo die meiste Action geboten wird, installiert. Ein Rundkurs gibt dem Zuschauer immer die Möglichkeit, den Überblick nicht zu verlieren. (bpf)

Kerners sportliche Laufbahn

  • Grundlagen:

    Thomas Kerner hat seine sportliche Laufbahn bei der Leichtathletikabteilung des TV Burglengenfeld begonnen, und der TV ist immer noch seine sportliche Heimat. Er erhielt eine Allroundausbildung im Mehrkampf sowie alle Sportler des TV. Allerdings galt seine Liebe schon immer dem Ausdauerbereich, was auch seine Freizeitgestaltung zeigte – mit Wanderungen in den Alpen und die Erkundung Dietldorfs zu Fuß oder mit seinem alten Rad. Nach und nach lief er auf den Mittelstrecken über 800 m und 1500 m, ehe er auch die etwas längeren Strecken in Angriff nahm.

  • Leistungsgrenze:

    Nach einem Kreuzbandriss 2007 und der Operation 2009 stellte er fest, wie sehr ihm das Laufen, Biken und die Natur fehlte. Daraus entwickelte er den Ehrgeiz, die eigenen sportlichen Grenzen auszuloten und an Wettkämpfen teilzunehmen. Die Liebe zum Crosstriathlon wuchs 2012 bei drei Triathlons mit mehr oder weniger fast keinem Schwimmtraining. Das richtige Feuer für den Outdoortriathlon entfachte bei ihm der Start beim Crosstriathlon Xterra Germany, zudem ihn sein Trainer Franz Pretzl mitnahm. Er fühlte sich dort auf den Outdoorstrecken gleich pudelwohl.

  • WM-Titel:

    Der Dietldorfer wurde auf Anhieb gleich fünfter deutscher Meister in seiner Altersklasse. Danach ging es steil bergauf, und sein Manko als schlechter Schwimmer hat er mittlerweile fast ausgemerzt. Und im Rad- und Laufbereich gehört der Dietldorfer mittlerweile zu den Besten der Szene. Im Amateurbereich kann er mittlerweile auf vier Weltmeisterschaftstitel zurückblicken, und wie es im Profilager ausschaut, das wird sich dieses Jahr zeigen. Es wird auf jeden Fall sehr hart, da er im Gegensatz zu seinen Gegnern noch Vollzeit arbeiten muss.

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