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Fussball

Aosman träumt von der WM in Russland

Der ehemalige Publikumsliebling des SSV Jahn kehrt für ein Spiel zurück. 2018 könnte ein großes Jahr für ihn werden.
Von Jürgen Scharf, MZ

Spielt nun für Dynamo Dresden: Aias Aosman Foto: Eibner

Dresden.In drei Wochen gibt es ein Fußballspiel, bei dem Aias Aosman mit ganzem Herzen dabei sein wird – obwohl er gar nicht mitspielt. In der vorletzten Runde der Play-offs für die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft tritt dann Aosmans Heimatland Syrien gegen Australien an. Der ehemalige Publikumsliebling des SSV Jahn Regensburg drückt fest die Daumen. Sollte Syrien es wirklich erstmals schaffen, sich für eine WM-Endrunde zu qualifizieren, wäre Aosman in Russland möglicherweise mit im Team: „Ich würde auf jeden Fall hinfahren.“

Von 2013 bis 2015 spielte Aias Aosman für den SSV Jahn. Foto: Eibner

Vor zwei Jahren habe der syrische Fußball-Verband erstmals bei ihm angefragt, erzählt Aosman. Damals legte sein Vater noch ein Veto ein: „Er hat Nein gesagt, weil er Angst hat, dass ich dann nicht mehr zurückkommen kann.“ In Syrien tobt seit 2011 ein Bürgerkrieg. Die Nationalmannschaft trägt ihre Heimspiele deswegen auch seit längerem in Malaysia aus. Am 5. Oktober empfängt sie dort Australien zum Hinspiel. Setzt sie sich in den zwei Partien durch, geht es noch gegen den Qualifikations-Vierten des nord- und mittelamerikanischen Verbands.

Wenn es Syrien wirklich schafft und Aosman eine Einladung erhält, wäre dies der Höhepunkt eines kleinen Fußball-Märchens. Ein Märchen von einem Flüchtlingskind, das mit seiner Familie in Deutschland Asyl fand und dann ein Fußball-Star wurde.

Zuschauer staunten nicht schlecht

Am 20. Juli 2013 stand Aias Aosman zum ersten Mal in einem Spiel einer Profi-Liga auf dem Platz. Der SSV Jahn empfing zum Saisonauftakt in der 3. Liga die SpVgg Unterhaching. Die Regensburger Zuschauer staunten nicht schlecht, als dieser kleine, dunkelhaarige Spieler im Mittelfeld ihrer Mannschaft groß auftrumpfte. Zwei Jahre sollte Aosman im Jahn-Trikot zu sehen sein. 17 Tore schoss er für die Regensburger, viele weitere Treffer bereitete er vor. Den Abstieg 2015 konnte der heute 22-jährige Dribbler allerdings auch nicht verhindern.

„Das Stadion ist super. Klein, kompakt, schön. Ich freue mich darauf, am Sonntag dort zu sein.“

Aias Aosman über die neue Regensburger Fußball-Arena

Als der Jahn in den Amateur-Fußball musste, suchte sich Aosman einen neuen Klub. Zunächst deutete vieles darauf hin, dass er zum TSV 1860 München in die 2. Liga wechseln würde. Zwei Wochen lang trainierte er bei den Löwen mit. Es war sogar schon ein Termin für eine Vertragsunterschrift festgesetzt worden, im letzten Moment entschied sich Aosman jedoch anders. „Ich bin ein Spieler, der muss sich immer wohlfühlen. Als ich bei 1860 mittrainiert habe, habe ich mich nicht so wohlgefühlt. Bei Dynamo war das sofort anders, deswegen bin ich nach Dresden gegangen“, erzählt er.

Alles richtig gemacht

Heute kann Aosman sagen: alles richtig gemacht. Der TSV 1860 ist in die Regionalliga abgestürzt, Aosman stieg mit Dresden dagegen 2016 in die 2. Liga auf. In der vergangenen Saison stand Dynamo am Saisonende auf einem überragenden fünften Platz. Aosman, mit 30 Einsätzen einer der Dauerbrenner im Team, hatte viel zu diesem Erfolg beigetragen. Und auch in dieser Saison scheint er wieder ein Fixpunkt in den Planungen von Trainer Uwe Neuhaus zu sein. Wegen einer Verletzung fiel er zwar in der Vorbereitung aus und war auch bei den ersten Saisonspielen noch nicht richtig fit, mittlerweile steht er aber wieder voll im Saft: „Es läuft alles gut, eigentlich bin ich sehr zufrieden. Wir müssen aber wieder mehr gewinnen.“

Geburtsurkunde wieder da

  • Aias Aosman

    wurde in Qamischli in Syrien geboren. Als er fünf Jahre alt war, flüchtete seine Familie nach Deutschland. Da zunächst keine Geburtsurkunde vorhanden war, wurde beim Asylantrag der 1. Januar 1993 als Geburtsdatum festgelegt.

  • Im vergangenen Frühjahr

    konnte nun doch Asomans Geburtsurkunde ausfindig gemacht werden. Diese weist den 21. Oktober 1994 als Geburtsdatum aus. Aosman ist sowohl syrischer wie auch deutscher Staatsbürger.

Mit den fünf Punkten aus fünf Spielen, die Dynamo bisher holte, ist in Dresden keiner richtig zufrieden. Ausgerechnet bei Aosmans Ex-Klub soll die Bilanz nun aufpoliert werden. Am Sonntag gastieren die Sachsen in Regensburg. „Mir ist es egal, wie es ausgeht, Hauptsache wir gewinnen, weil wir brauchen die Punkte unbedingt“, sagt Aosman. Die neue Arena hat er bei mehreren Besuchen in der alten Heimat übrigens bereits ausgiebig inspiziert. Sie gefällt ihm sehr: „Das Stadion ist super. Klein, kompakt, schön. Ich freue mich darauf, am Sonntag dort zu sein.“

Vielleicht ist Aosman im Regensburger Stadion irgendwann ja auch sogar wieder im Jahn-Trikot zu sehen. Derzeit fühlt er sich bei Dynamo aber pudelwohl. Zur neuen Saison hat er sogar die legendäre „10“ als Rückennummer erhalten – eine deutliche Ansage, dass die Verantwortlichen auf ihn bauen. Bereits vergangenes Jahr wurde sein Vertrag vorzeitig bis 2019 verlängert. Und wer weiß: Vielleicht können die Dresdener im kommenden Sommer sogar mit Stolz verkünden, dass ihr Aias Aosman bei der Weltmeisterschaft in Russland spielt.

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