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Jahn-Nachrichten
Donnerstag, 27. April 2017 7

Brandl contra SSV: Das kann teuer werden

Ex-Jahntrainer klagt vor Arbeitsgericht / Es geht um 162000 Euro / Noch gütliche Einigung?

Da zog man noch an einem Strang: Günter Brandl mit Jahn-Fußballboss Heinz Groenewold (l.) Foto: Archiv

REGENSBURG (ohr). Am Samstag (14.30 Uhr) erwartet Fußball-Regionalligist SSV Jahn Regensburg zum letzten Vorrundenspiel den FC Augsburg, der mit etliche Akteuren kommt, die in der vergangenen Saison noch das Jahn-Trikot getragen haben. Gestern, 15 Uhr, hatten die Jahn-Verantwortlichen eine andere Verpflichtung. Dabei trafen sie auch auf einen Ehemaligen vor dem Arbeitsgericht und nicht auf dem grünen Rasen. Gütetermin, so heißt das im Juristendeutsch, weil der ehemalige Coach Günter Brandl auf Lohnfortzahlung klagt und die fristlose Kündigung seines Zwei-Jahresvertrages, der eine einjährige beidseitige Option beinhaltete, nicht akzeptieren will.

Rückblende: April 2004, der SSV Jahn hatte in der 2. Liga gerade Titelaspirant 1. FC Nürnberg (2:1) geschlagen, sieben Runden vor Saisonende schien der Klassenerhalt bei 36 Punkten greifbar nahe. Günter Brandl, der Ende November 2003 für den zurückgetretenen Coach Ingo Peter zunächst als Interimstrainer eingesprungen war, wurde Jahn-Chefcoach mit Zwei-Jahresvertrag. Ihm fehlte zwar die für die Liga erforderliche Fußballlehrerlizenz, doch der SSV Jahn beantragte für Brandl eine Ausnahmegenehmigung und erhielt sie. Im Februar 2004 meldete der Verein dann Brandl an der Sporthochschule Köln an, damit der 42-Jährige diese Lizenz erwerben konnte. Im Mai 2004 stieg der SSV Jahn ab und verpflichtete für die neue Regionalligasaison Mario Basler als Trainer.

Brandl sollte Baslers Co-Trainer werden. Doch sein Lehrgang für die Trainerlizenz startete im Juli und dauert bis Dezember. Brandl konnte deshalb seinen Dienst bei uns nicht antreten. Also sehen wir auch nicht ein, dass wir ihm für die Lehrgangszeit das Gehalt zahlen, sagte Jahn-Fußballboss Heinz Groenewold. Die Vorstandschaft sprach alsbald die fristlose Kündigung aus und begründete dies folgendermaßen: Brandl hat zum geforderten Termin seinen Dienst bei uns nicht angetreten. Indes versichert Brandl, dass seine Lehrgangsbeteilung mit dem Jahn mündlich vereinbart gewesen sei. Ein gegenteiliger schriftlicher Beweis kann vom Verein denn auch nicht angetreten werden.

Nur 35 Minuten, also nicht mal eine ganze Halbzeit im Fußball, dauerte vorerst nun die erste Verhandlung in dieser Angelegenheit. Am Ende gab Arbeitsrichter Thomas Holbeck beiden Parteien bis Mitte Dezember 2004 Zeit, um sich gütlich zu einigen. Ist man bis dahin nicht kompromissbereit, kommt es zu einem Prozess mit Urteilsspruch. Dann wird es teuer. Es kann um ein Vermögen gehen, merkte der Richter an.

Es geht insgesamt um rund 162000 Euro, die Brandl fordern kann, klärte dessen Anwalt Dr. Michael Bachner aus Frankfurt später auf. Der Jurist verwies auf die zweijährige Laufdauer des Trainervertrages, den sein Mandant im April 2004 unterzeichnet hatte. Der Kontrakt beinhaltet auch noch ein Jahr beidseitige Option.

Falls mein Mandant die Option zieht, steht ihm Gehalt bis zum 30. Juni 2007 zu, sagte Dr. Bachner. Nach Auskunft des Juristen wären bei der Summe von 162000 Euro aber noch gar nicht die Punkt-, Sieg- und Aufstiegsprämien berücksichtigt, die ebenfalls vertraglich fixiert seien. Das bedeutet: Wenn der Jahn bis 2007 den Wiederaufstieg in die 2. Liga schafft, steht dem geschassten Coach bei Gültigkeit seines Vertrages sogar die Aufstiegsprämie zu.

Für die Jahn-Verantwortlichen hat der Kontrakt aber keine Gültigkeit mehr. Brandl habe ganz klar die Vertragsbedingungen nicht erfüllt, betonte Rechtsanwalt Ernst Bäumel. Derweil wurde von Brandls Seite schon Entgegenkommen gezeigt. Das monatliche Gehalt (ursprünglich 4500 Euro) wollte er zumindest für die Lehrgangszeit auf 2500 Euro reduzieren.

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