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Montag, 23. Oktober 2017 4

Fussball

Die Fakten zu Schobers Anteilskauf

Präsident Hans Rothammer und Investor Philipp Schober wollen sich treffen. Eine Bestandsaufnahme rund um den Anteilskauf
von Christine Straßer, MZ

Vor dem Saisonstart der zweiten Liga haben der Jahn-Präsident und der neue Investor noch einiges zu klären. Foto: dpa

Wie ist der Profifußball beim SSV Jahn organisiert?

Der SSV Jahn Regensburg hat – wie viele Fußballvereine – den Profibereich in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. Geschaffen wurde dafür die SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA. Dadurch konnte sich das Management über Investoren frisches Geld besorgen. Die Kommanditgesellschaft auf Aktien ist eine Kapitalgesellschaft mit Merkmalen einer Personengesellschaft. Seit 1997 können GmbHs als persönlich haftende Komplementäre der Kommanditgesellschaft auf Aktien eingesetzt werden. Bei der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA ist das die SSV Jahn 2000 GmbH Marketing und Verwaltung. 100 Prozent der GmbH-Anteile sind im Besitz des Vereins. Über die KGaA können sich Kommanditaktionäre an dem Unternehmen beteiligen. Sie haften in Höhe ihrer Einlagen.

Wie konnte Global Sports Invest Jahn-Anteile kaufen?

90 Prozent der Kommanditanteile an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA besaß die BTT Bauteam Tretzel GmbH. Sie bot als Eigentümer ihre Aktien zum Verkauf an. Es gab mehrere Interessenten. Auch der SSV Jahn Regensburg e.V. gab ein Angebot ab. Den Zuschlag bekam jedoch die Global Sports Invest AG.

Welchen Kaufpreis hat Global Sports Invest bezahlt?

Darüber haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Global Sports Invest soll aber ein deutlich höheres Angebot abgegeben haben als der SSV Jahn Regensburg. Informationen unseres Medienhauses zufolge sollen 4,2 Millionen Euro geflossen sein. Bei Global Sports Invest wollte man dazu keinen Kommentar abgeben.

Gab es noch weitere Transaktionen?

Neben den Beteiligungen hat die BTT Bauteam Tretzel GmbH nach Informationen unseres Medienhauses offensichtlich auch ein Darlehen, das der SSV Jahn zurückzahlen muss. Es soll sich um 800 000 Euro handeln. Rückzahlungen sollen frühestens Mitte 2019 fällig werden. Auch dazu wollte Global Sports Invest keinen Kommentar abgeben.

Wer vertritt die SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA?

Geschäftsführung und Vertretung obliegen der GmbH. Diese gehört zu 100 Prozent dem SSV Jahn Regensburg e.V. Der Geschäftsführer organisiert mit seinen Mitarbeitern den Spielbetrieb und er entscheidet, welcher Spieler oder Trainer verpflichtet wird.

Welche Einflussmöglichkeiten hat Global Sports Invest?

Als Kommanditaktionär kann Global Sports Invest die Geschäfte des SSV Jahn über die Hauptversammlung beeinflussen. Als Mehrheitseigner der Kapitalgesellschaft ist Global Sports Invest hier tonangebend. Im Interview mit unserem Medienhaus („Der Jahn ist kein Laufsteg der Eitelkeiten“/MZ vom 30. Juni) schilderte Jahn-Präsident Franz Rothammer: Philipp Schober „kann sich laut Satzung natürlich in den Aufsichtsrat der KGaA wählen lassen und dort abstimmen, wenn wir Darlehen von mehr als 50 000 Euro aufnehmen, wenn wir uns an anderen Unternehmen beteiligen, Unternehmensanteile veräußern oder Schuldverschreibungen ausgeben möchten. All das haben wir nicht vor, und es wird auch nicht passieren.“

Womit verdient Global Sports Invest Geld?

Gegenstand des Unternehmens ist laut Satzung der Erwerb und die Verwaltung von Beteiligungen an Unternehmen, die Verwaltung von Vermögen sowie die Beratung im Bereich Marketing, insbesondere Sportmarketing. Die Beteiligung an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA nennt das Unternehmen auf seiner Webseite als Kernprojekt.

Hat Philipp Schober Geldgeber im Hintergrund?

Philipp Schober ist Vorstand der Global Sports Invest AG, die 90 Prozent der Jahn-Aktien erworben hat. Schober sagte im Interview mit unserem Medienhaus („Sehe ich aus wie eine Heuschrecke“/MZ vom 24. Juni), dass er einen Geldgeber habe. Wer das ist, gab er nicht preis. Global Sports Invest wurde erst im Mai dieses Jahres gegründet. Offenbar eigens für den Anteilskauf. 100 Prozent der Namensaktien übernahm zumindest bei der Gründung zunächst ein Münchner Rechtsanwalt. Im Interview mit unserem Medienhaus sagte Schober, dass er selbst alle Aktien halte.

Was ist über Schobers Werdegang bekannt?

Als seine bislang wichtigste berufliche Station nannte der 31-Jährige den VW-Konzern. 2014 machte sich Schober selbstständig. Das Unternehmen mainspo war im Bereich Sportmarketing und Sportrechte tätig. Kooperationsverträge schloss mainspo unter anderem mit den Eishockeyprofis der Kölner Haie und den Fußballern der Würzburger Kickers. Zu möglichen Erfolgen dieser Zusammenarbeit wollte sich dort gegenüber unserem Medienhaus niemand äußern. Unter dem Dach der mainspo gründeten die Ex-Fußballnationalspielerinnen Navina Omilade und Conny Pohlers eine Agentur, um Spielerinnen zu beraten. Das Ganze zerschlug sich aber Navina Omilade zufolge, weil Conny Pohlers schwanger wurde. Heute habe sie keinen Kontakt mehr zu Philipp Schober, sagte sie.

Was macht den Fußball interessant für Investoren?

Im deutschen Fußball können Investoren bislang noch nicht die Kontrolle über einen Klub übernehmen. Sollte dies einmal möglich werden, können strategisch denkende Investoren, die bereits jetzt eingestiegen sind, gutes Geld mit ihren bereits erworbenen Anteilen verdienen. „In Europa ist der deutsche Fußballmarkt der mit der größten Fanbasis und meines Erachtens auch der mit dem größten Wachstumspotential“, sagt Matthias Lehleiter, Leiter des Teams Sportler in der Londoner Niederlassung der Privatbank Berenberg. Für den deutschen Fußball spricht unter anderem: Die meisten Klubs sind in finanzieller Hinsicht solide aufgestellt. Viele Stadien sind groß und modern. Das Drumherum ist für Grundstücksinvestoren interessant. Die Nachwuchsarbeit in den deutschen Vereinen ist hervorragend – und Jugendspieler sind Vermögenswerte, die in der Bilanz noch nicht auftauchen. Auch im Ausland – insbesondere Asien – sind die deutschen Ligen beliebt. Für die Zukunft werden steigende TV-Einnahmen erwartet. Lehleiter führt aber auch aus, dass es Investoren nicht nur um Geld geht. „Solange man absteigen kann und die Spielergehälter nicht gedeckelt sind, kann man eigentlich keinen Profit herausholen“, ist der Experte überzeugt.

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