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Jahn-Nachrichten
Mittwoch, 18. Oktober 2017 20° 2

Die MZ verleiht den Doktor humoris causa

Von Helmut Oertel, MZ

Wir drucken heute das Faksimile der Pressemitteilung, die der SSV Jahn am Dienstag verbreitete. Wir drucken das Original, damit niemand sagt: Das haben die sich bei der Mittelbayerischen Zeitung ausgedacht. Wir drucken es auch, um zu zeigen: Es ist kein Niveau so tief, dass es nicht noch unterschritten werden könnte.

Die Vorgeschichte: Jahn-Präsident Richard K. Seidl garnierte sich eine Zeit lang öffentlich mit schönen Titeln: Professor, Doktor, Ingenieur. Er vergaß dabei allerdings den Hinweis, dass der Professor nur ehrenhalber verliehen war, der Doktor aus Bratislava stammte und der Ingenieur von der Fachhochschule. Das alles ist nicht ehrenrührig nur: Man muss es halt angeben, wenn man mit seinen Titeln angibt. Wer es vergisst, wird bestraft: Paragraf 132 a des Strafgesetzbuchs ist außerordentlich humorlos und verspricht Leuten wie Seidl Haft bis zu einem Jahr.

Der Jahn-Präsident kam preiswerter weg: 90 Tagessätze Geldstrafe. Weil ihm 300 Euro pro Tagessatz zu viel vorkamen, legte er Einspruch ein; das Gericht reduzierte den Tagessatz in öffentlicher Verhandlung auf 250 Euro. Das akzeptierte Seidls Anwalt. Die Angelegenheit kostete ihn mithin 22500 Euro Geldstrafe und den Professoren-Titel, im Tausch erhielt er zwei schöne Zusätze, die er dem Doktor und dem Ingenieur hinfort beigeben muss. Man muss nicht Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Bratislava studiert haben, um zu erkennen: unter dem Strich ein Zusatzgeschäft.

Die Mittelbayerische Zeitung berichtete über den Prozess. Unsere Leserinnen und Leser haben schließlich einen Anspruch zu erfahren, wer einen der wichtigsten Vereine unserer Stadt führt.

Nachdem er sich nunmehr erfolgreich ins linke Knie geschossen hatte, verfasste Seidl, um sich auch noch das rechte gründlich zu ramponieren, besagte Pressemitteilung und ließ sie von vier Herren des Präsidiums unterschreiben (das jedenfalls erklärte einer der Unterzeichner gegenüber der MZ). Dieses Ding muss man lesen, Satz für Satz. Ein Genuss!

Eine jahrelange Hetzkampagne mit Serieneinbrüchen... na und? Darf man sich zum Trost mit falschen Titeln schmücken, Herr Seidl?

eine beispiellose Verurteilung des Jahn-Präsidenten ah ja! Wir wollen dran erinnern: Der Anwalt des Herrn Seidl hat zugestimmt und auf Rechtsmittel verzichtet.

Übrigens: Der Jahn-Präsident heißt in der Pressemitteilung Richard K. Seidl der Titel-Firlefanz ist weg. Ja, der Mann ist lernfähig!

Der Verleihung der Honorarprofessur und der Promotion liegen Originalurkunden zu Grunde das ist ja interessant! Wenn der Herr Seidl zum Prozess gekommen wäre, hätte ihm die Richterin gewiss gerne erklärt, dass es darum gar nicht geht. Vielleicht kann der Anwalt das noch nacharbeiten. Man soll ja auch verstehen, warum man verknackt worden ist. Wegen der Resozialisierung.

Das gesamte Präsidium spricht seinem Präsidenten das vollste Vertrauen aus warum auch nicht? Er hat niemandem etwas angetan, er hat nicht gestohlen, er ist nicht betrunken Auto gefahren. Er hat nur ein bisschen mit seinen Titeln rumgeschummelt. Da haben andere mehr auf dem Kerbholz.

Das Präsidium ist entsetzt über diese Art dilettantischen Journalismus fein, damit können wir leben. Wir werden, wenn mal wieder etwas beim Herrn Seidl im Unreinen sein sollte, erneut fleißig dilettieren, versprochen!

Der Verfasser der Pressemitteilung hat einen Titel verdient. Wir verleihen ihm den Dr. h.c. (Doktor humoris causa). Aber bitte nur mit Zusatz verwenden. Wir haben bei Zeiten gewarnt.

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