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Freitag, 22. September 2017 21° 1

2. Liga

Keine Punkte für den SSV Jahn gegen Kiel

Für die Regensburger gibt es im Heimspiel nichts zu holen. Die Gäste gewinnen mit 2:1. Für den Jahn traf Marvin Knoll.
Von Heinz Gläser, MZ

Die Spieler des SSV Jahn Regensburg – hier Jann George – waren am Samstagnachmittag den Gästen aus Kiel in allen Belangen unterlegen. Foto: Gatzka

Regensburg.Der SSV Jahn hat den Schwung des ersten Erfolgserlebnisses in Ingolstadt nicht ins nächste Spiel mitnehmen können. Im Aufsteigerduell der 2. Fußball-Bundesliga unterlagen die Regensburger am Samstag Holstein Kiel völlig verdient mit 1:2 (1:2). Vor 8600 Zuschauern in der Continental-Arena traf Marvin Knoll (43.) per direkt verwandeltem Freistoß für die Oberpfälzer, während sich die überzeugend auftretenden Kieler für ihre starke Vorstellung am vierten Spieltag mit Toren von Kingsley Schindler (20. Minute) und Marvin Duksch (30.) belohnten.

Die Schützlinge von Jahn-Trainer Achim Beierlorzer wirkten dagegen vor allem in der ersten Hälfte seltsam verunsichert, und trotz einer Steigerung nach der Pause blieb vieles Stückwerk. Die Regensburger, die bei drei Pluspunkten in der Tabelle verharren und vor den Sonntagsspielen der 2. Liga auf Rang 13 rangieren, haben nun in der Länderspielpause fast zwei Wochen Zeit, um diesen Rückschlag zu verarbeiten. Die Niederlage hätte auch deutlich höher ausfallen können. An dieser Analyse gab es nichts zu deuteln.

„Wir hätten den Sack deutlich früher zumachen müssen“, stöhnte denn auch Kiels Coach Markus Anfang, der bis zum Schluss um die drei Punkte zittern musste. Anfang bilanzierte: „Wir sind richtig gut in die Partie gekommen, haben viele Chancen herausgespielt und konzentriert verteidigt.“ Beierlorzer gab derweil unumwunden zu: „Ich bin natürlich enttäuscht. Wir haben es Kiel viel zu leicht gemacht. Wenn wir so viele individuelle Fehler machen, wird es natürlich schwierig.“ Der 49-Jährige forderte seine Spieler auf, aus dieser Partie „Lehren zu ziehen“ und fügte hinzu: „Eines ist klar: Wir müssen immer an unsere Leistungsgrenze gehen.“ Beierlorzer deutete zudem an, dass er bei manchen seiner Spieler in der starken Kieler Anfangsphase den Willen vermisst hatte, entsprechend dagegenzuhalten. Namen wollte er indes nicht nennen.

Marvin Knoll statt Gimber

Beierlorzer hatte im Vorfeld angekündigt, intensive Gedanken an die Aufstellung zu verschwenden. Dann beließ er es doch bei der einen, der erwarteten Änderung im Vergleich zum 4:2-Sieg in Ingolstadt. Knoll hatte seine Hüftprellung aus dem Pokalspiel gegen Darmstadt auskuriert und kehrte an Stelle von Benedikt Gimber in die Innenverteidigung zurück – an der Seite von Asger Sörensen. Ein „Duell auf Augenhöhe“ und eine „harte Nuss“ erwartete der Jahn-Coach gegen die „Störche“, die sich schon in der vergangenen Drittliga-Saison bei ihrem 3:0-Erfolg als äußerst spielstarker Gegner in der Continental-Arena präsentiert hatten.

Stürmer Marco Grüttner konnte sich nicht wie gewohnt durchsetzen. Foto: Gatzka

Die vor dem Anpfiff in der Tabelle einen Punkt und vier Plätze besser platzierten Norddeutschen legten vor ihren rund 100 mitgereisten Fans beherzt los. Zum Abwarten waren sie nicht in den tiefen Süden gekommen. Folgerichtig eröffnete sich Kiel die größte Chance in einer beschwingten Anfangsphase. Kingsley Schindler übersprang Alexander Nandzik im Kopfballduell und legte für Stürmer Duksch auf. Dessen Schuss blockte Sörensen gerade noch zur Ecke ab.

Kantiger Abwehrblock

Und der SSV Jahn? Entwickelte mit dem Erfolgserlebnis des Ingolstadt-Spiels im Rücken nur sehr zaghaft die Initiative und blieb meist am kantigen Abwehrblock hängen. Der vor seinem Comeback in der armenischen Nationalmannschaft stehende Sargis Adamyan tat sich mit Einzelaktionen hervor, und Marvin Knoll zimmerte einen 25-Meter-Freistoß über den Kasten.

Weitaus mehr Torgefahr ging von den Gästen aus. Und das fast im Minutentakt. Knoll hätte mit einem Querschläger nach Schindler-Flanke beinahe seinen Torhüter Philipp Pentke überwunden. Alsdann kullerte ein Ball des frei zum Schuss gekommenen Duksch knapp am Pfosten vorbei. Die Kieler Sturmspitze blieb ein steter Unruheherd, leistete sich aber auch eine üble Schwalbe im Strafraum. Pentke hatte Duksch, der immer hart an der Grenze zum Abseits unterwegs war, in dieser Szene kaum berührt.

Dann stellte Kiel das Ergebnis her, das dem Spielverlauf vollends entsprach. Patrick Herrmann flankte völlig unbedrängt von rechts auf den Kopf von Schindler, der aus drei Metern einköpfte. Die Jahn-Innenverteidigung weilte in diesem Moment offenbar gedanklich in der Sommerpause.

Die Jahn-Spieler in der Einzelkritik:

Einzelkritik: Jahn gegen Kiel

Hohe Bälle eine sichere Beute für die Gäste

Weiterhin fiel es den Hausherren sehr schwer, ihr Spiel aus der eigenen Hälfte zu strukturieren. Flache Anspiele nach vorne blieben im Gewirr der Abwehrbeine hängen. Hohe Bälle in die Spitze wurden zur sicheren Beute der Gäste. Die Trinkpause, zu der Schiedsrichter Patrick Alt nach 25 Minuten bat, kam wie gerufen.

Doch griff die Verunsicherung in den Reihen der Regensburger massiv um sich. Dominick Drexler spazierte ohne äußere Regensburger Einflussfaktoren bis zur Grundlinie und servierte Duksch den Ball, der mit einem Abstauber zum 2:0 seine bereits bis dahin starke Leistung krönte. Diesmal war nicht allein die Innenverteidigung indisponiert – die gesamte Defensive des SSV Jahn wirkte in dieser Szene orientierungslos.

Kiels Torwart Kenneth Kronholm, früher beim Jahn aktiv, hat das Spielgerät im Blick. Foto: Gatzka

Während die frustrierten Regensburger Fans Sprechchöre gegen den umstrittenen Investor Philipp Schober anstimmten, blieben die Kieler am Drücker. Jahn-Kapitän Marco Grüttner versuchte sich als Muntermacher, brachte aber nicht mehr als ein Schüsschen zustande. Auf der Gegenseite hatte Drexler das sichere 3:0 auf dem Fuß, das ihm Duksch auflegte. Doch spielte er den Ball Pentke in die Hände, statt zu vollenden. Auch Schindler hätte die Gästeführung vorentscheidend ausbauen können. Das Chancenverhältnis sprach Bände. Es zeugte von der mit Abstand schlechtesten Saisonleistung des SSV Jahn bis zu diesem Zeitpunkt.

Regensburger gingen mit Hoffnung in die Kabine

Knolls Anschlusstreffer resultierte denn auch nicht einer filigranen Kombination. Der Aufstiegsheld nahm bei einem Freistoß aus 20 Metern Maß und traf an der Mauer sowie am Ex-Regensburger Kenneth Kronholm im Kieler Tor vorbei in die lange Ecke. Das Halbzeitresultat von 1:2 spiegelte die Kräfteverhältnisse nur bedingt wider. Aber es ließ die Regensburger mit einem Funken Hoffnung auf massive Besserung in die Kabine gehen.

Beierlorzer reagierte auf die dürftige Darbietung und griff ins Personaltableau ein. Marc Lais und der schwache Joshua Mees (Beierlorzer: „Es war ein gebrauchter Tag für ihn“) machten Platz für Benedikt Gimber und Sebastian Stolze. Torschütze Knoll rückte ins Mittelfeld, der bislang dreimalige Saisontorschütze Jann George wechselte auf die linke Angriffsseite. Knolls Dynamik schlug sich sogleich in der ersten Ausgleichschance für den Jahn nieder. Doch da war auf der anderen Seite ja noch Duksch, der einfach nicht in den Griff zu bekommen war und abermals nur knapp verzog.

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Derweil häuften sich die Verletzungspausen und Gelben Karten, was für eine beiderseits härtere Gangart sprach. Beim Jahn griff zwar immer noch nicht ein Rädchen ins andere, doch er erarbeitete sich jetzt Chancen, die zuvor Mangelware waren. Grüttner grätschte an einer Nandzik-Hereingabe vorbei.

Heidenheim ist der nächste Gegner für den Jahn

Kiel ließ 20 Minuten vor Schluss bei einem Lattenschuss von Steven Lewerenz die Möglichkeit zur Entscheidung liegen. Da die Gäste nun ebenfalls ein wenig ihre spielerische Linie suchten, war die Partie zwar weiterhin unterhaltsam, aber nur bedingt technisch ansprechend. Mit Albion Vrenezi für den diesmal enttäuschenden George versuchte Beierlorzer der Begegnung eine Viertelstunde vor dem Abpfiff noch eine Wende zu geben. Vergeblich. Der eingewechselte Amara Conde vergab dagegen kurz vor dem Abpfiff fast schon fahrlässig den dritten Kieler Treffer.

 

Erst am Freitag, 8. September, greifen die Regensburger wieder ins Punktspielgeschehen ein, dann in Heidenheim, das Ende Oktober ja auch der Gegner in der 2. DFB-Pokal-Hauptrunde sein wird.

In unserem Liveticker können Sie nochmals das Spiel verfolgen:

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