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Dienstag, 21. November 2017 7

Fussball

Jahn-Investor verklagte die MZ

Philipp Schober wollte eine Berichterstattung verhindern. Gerichtlich wurde vereinbart, dass er sich zu zwei Themen äußert.
von Christine Straßer, MZ

Philipp Schober beklagt, dass er von Jahn-Fans belästigt und beleidigt wird. Archivfoto: Lex

Regensburg.Es ist eines der derzeit vielleicht meistdiskutierten Themen in Regensburg: der Einkauf des Unternehmers Philipp Schober beim SSV Jahn Regensburg. Seit Monaten bemüht sich unser Medienhaus vergeblich, Antworten von Schober zu seinen früheren geschäftlichen Aktivitäten, zu seinen Geldgebern sowie zu seiner beruflichen Tätigkeit bei Volkswagen zu bekommen. Am Dienstag trafen sich die Mittelbayerische und der Investor in dieser Angelegenheit vor dem Regensburger Landgericht. In zwei Verfügungsverfahren ging es um Unterlassungsverlangen Schobers gegen die Mittelbayerische sowie um eine Gegendarstellung, die Schober erwirken wollte. Nun wurde gerichtlich vereinbart, dass Schober zu zwei Themenkomplexen, seiner Tätigkeit bei Volkswagen und zu dem Verkauf seines früheren Unternehmens mainspo, in der Mittelbayerischen Stellung nimmt.

Gegenstand des Unterlassungsverlangens Schobers ist es, eine Berichterstattung der Mittelbayerischen in mehreren Punkten auf Dauer zu verhindern und die hierzu veröffentlichten Onlineartikel zu löschen. Unterlassen soll unser Medienhaus die Verbreitung von Zitaten ehemaliger Angestellter bei Schobers früherem Unternehmen mainspo. Die beiden Männer hatten unter anderem geschildert, dass die Finanzlage in der mainspo GmbH, die später in Phyllos Sports Marketing GmbH umbenannt wurde, „stets prekär“ gewesen sei. Gerichtsvollzieher sollen tätig geworden sein, wütende Anrufer ihr Geld gefordert haben. Schober sieht hierin eine Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und Geheimhaltungspflichten. Beide Männer gaben außerdem an, dass Schober von sich behauptet habe, bei Volkswagen mit Managementaufgaben betraut gewesen zu sein. Auch gegen diese Aussage verwahrt sich Schober: Er habe von sich selbst nie behauptet, bei Volkswagen mit Managementaufgaben betraut gewesen zu sein. Nicht mehr berichten soll unser Medienhaus außerdem, dass die Frage offengeblieben sei, woher Schober das Geld für sein Investment beim SSV Jahn genommen hat. Schober wendet hiergegen ein, dass er die Frage in dem Interview mit unserer Zeitung seines Erachtens hinlänglich beantwortet habe. Auch die Aussage, er habe sein früheres Unternehmen ins Ausland verkauft, soll unterlassen werden. Diese Behauptung ist Schober zufolge falsch. Der polnische Geschäftsmann, an den er die Firma verkauft hat, sei schließlich in Deutschland geschäftsansässig.

Schober prangert Anfeindungen an

Schober beklagte vor Gericht, dass er, obwohl er „voller Überzeugung und voller Ideen“ 90 Prozent der Anteile an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA erworben habe, heute nicht einmal ins Stadion gehen könne. Ihm sei davon eindringlich abgeraten worden, ein Spiel zu besuchen, weil er sonst womöglich zusammengeschlagen werde. Der Unternehmer schilderte zudem, dass er, wenn er morgens zum Bäcker gehe, von grölenden Fans des SSV Jahn belästigt werde. Nicht einmal beim Abendessen stehe sein Telefon still, weil Anhänger des Zweitligisten anriefen, um ihn zu beschimpfen. Die Frage, warum das so sei, beschäftige ihn sehr, brachte Schober zum Ausdruck. Im Zuge des gerichtlichen Vergleichs hat die Mittelbayerische mit Schober vereinbart, ein Redaktionsgespräch zu den Hintergründen der Diskussion um sein Engagement beim SSV Jahn zu führen. Die Redaktion setzt darauf, dass der Unternehmer im Zuge dieses Gesprächs weitere Fragen dazu beantwortet und Fakten liefert.

Philipp Schobers Einstieg bei Jahn Regensburg: Eine Chronologie:

Über die vergangenen Monate hatte die Redaktion vielfach versucht, von Schober weitergehende Antworten zu seinem bisherigen beruflichen Werdegang und seinen Zielen zu erhalten. Einen ersten Fragenkatalog schickte unser Medienhaus am 8. Juni an die damals von Global Sports Invest beauftragte PR-Agentur. Schober wurde darin auf seine Tätigkeit bei der mainspo GmbH und der mainspo marketing GmbH angesprochen. Antworten blieben aus. Ein vereinbarter Interviewtermin wurde etwa eine Stunde vorher durch einen Vertreter der PR-Agentur telefonisch wieder abgesagt. Nach weiteren Recherchen ergaben sich immer mehr Ungereimtheiten. So stellte sich heraus, dass Schober eine Agentur für „professionelles Reputationsmanagement“ beauftragt hatte, um unerwünschte Online-Inhalte offline nehmen zu lassen. Eine Berichterstattung der Mittelbayerischen über Erfahrungen verschiedener Sportvereine bei Kooperationen mit der mainspo wollte Schober grundsätzlich unterbinden. Die Redaktion erhielt ein Warnschreiben von Schobers Anwälten, in der sie global zur Unterlassung einer Berichterstattung aufgefordert wurde.

Wie unser Medienhaus unter anderem herausfand, schloss Schober 2015 mit seinem damaligen Unternehmen mainspo einen Vermarktungsvertrag mit dem damaligen Zweitliga-Aufsteiger MSV Duisburg ab. Die Zusammenarbeit war nicht von langer Dauer. Duisburg klagte und erwirkte im September 2016 ein Versäumnisurteil. Bei einer Kooperation mit den Würzburger Kickers sei es „zu Zahlungsausfällen der mainspo GmbH gegenüber externen Dienstleistern wie einem Lieferanten von Werbebanden“ gekommen, teilte der Klub mit. Die Würzburger beendeten die Zusammenarbeit mit der mainspo rasch.

Bestenfalls ausweichende Antwort

Schober wurde seitens der Redaktion vor der Veröffentlichung mit diesen und weiteren Rechercheergebnissen konfrontiert. Seine Anwälte bekamen einen umfangreichen Fragenkatalog übersandt und in den vergangenen Wochen verschiedene Nachfragen. Zur Sache wollte sich Schober jedoch nicht äußern. Bestenfalls gab er ausweichende Antworten oder er machte allgemeine Ausführungen zur Verwertbarkeit von Informationen. In einem Interview mit unserem Medienhaus („Sehe ich aus wie eine Heuschrecke“ vom 23. Juni) war Schober nach Geldgebern gefragt worden. Er verwies damals auf einen langjährigen Partner und fast „väterlichen Freund“, der sich finanziell an dem Engagement beim SSV Jahn beteiligt habe. Der Mittelbayerischen ist der Name des Geldgebers inzwischen bekannt. Nachdem unser Medienhaus auf der Mailbox des Münchner Immobilienunternehmers eine Nachricht mit der Bitte um Rückruf hinterlassen hatte, schickte dieselbe Anwaltskanzlei, die Schober vertritt, erneut ein Warnschreiben an die Redaktion. Der Bitte der Anwälte um die Übersendung eines Fragenkatalogs, falls eine Berichterstattung geplant sei, kam die Mittelbayerische nach. Beantwortet wurde keine einzige der gestellten neun Fragen. Eine Berichterstattung soll nach Vorstellung der Anwälte unterbleiben.

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