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Mittwoch, 21. Februar 2018 3

Fussball

SSV Jahn: Das Leid mit den Träumen

Achim Beierlorzer will nichts von Aufstiegsspekulationen hören. Der Jahn-Trainer fordert vorm Spiel in Kiel Realismus ein.
Von Jürgen Scharf

  • Im Hinspiel wehrt sich der Jahn (weiße Trikots) nach Kräften, zieht am Ende jedoch verdient den Kürzeren. Foto: Brüssel
  • Alexander Nandzik (rechts) ist gesperrt. Foto: Nickl

Regensburg.Der französische Dichter Jules Renard hat einmal gesagt, dass der Traum der Luxus des Denkens ist. Dass der Mitte des 19. Jahrhunderts geborene Renard dabei in irgendeiner Form die Situation des SSV Jahn im Frühjahr 2018 im Blick gehabt hat, scheint ausgeschlossen. Und doch passt der Ausspruch wunderbar auf die Situation beim Fußball-Zweitligisten aus der Oberpfalz – insofern, als dass Coach Achim Beierlorzer nun klargestellt hat, dass seiner Ansicht nach derlei Luxus im Profi-Fußball fatal ist: „Ich möchte keine Träumer auf dem Platz haben. Wir brauchen Männer auf dem Platz.“

Kann Achim Beierlorzer mit seiner Mannschaft am Samstag wieder jubeln? Foto: Nickl

Wer zu viel träumt, den bestraft irgendwann die Tabelle, findet Beierlorzer. Seine Truppe steht mit 29 Punkten sensationell auf dem siebten Platz. Am Samstag fährt sie zum Top-Spiel nach Kiel, dem Tabellendritten. Mit einem Sieg könnte der Rückstand auf Holstein auf drei Punkte verkürzt werden. Derlei Rechenspiele scheinen Beierlorzer aber nicht die Bohne zu interessieren. Und wenn er – wie schon zuletzt – auf etwaige Aufstiegshoffnungen angesprochen wird, wird er deutlich: „Wir bleiben bei unserem Ziel, dem Klassenerhalt. Wer von was anderem träumt, soll zu Bayern München gehen, aber nicht beim Jahn.“

Hier sehen Sie ein Video von der Pressekonferenz:

Video: MZ

Der Traumstart ins neue Jahr hat eine Euphorie rund um den Jahn erzeugt. Ein Remis beim 1. FC Nürnberg, ein umjubelter Last-Minute-Sieg daheim gegen Ingolstadt – das waren insgesamt satte vier Punkte gegen zwei Top-Teams der Liga, und in zwei Derbys noch obendrauf. Vom dritten Aufstieg in Folge ist der Jahn Beierlorzer zufolge aber weiterhin nicht nur weit entfernt, er sei überhaupt kein Thema. Alleine am Samstag in Kiel werde es sich zeigen, prophezeit Beierlorzer, worauf es auf dem Rasen wirklich ankommt: „Wir brauchen Realisten“ – und keine Träumer, die an die Bundesliga denken.

Revanche für Hinspielpleite?

Dass der Jahn auch schon ein paar Spiele in dieser Saison verloren hat, ist derzeit fast in Vergessenheit geraten – hat er aber. Gegen Holstein etwa gab es in der Hinrunde daheim eine vollauf verdiente 1:2-Niederlage. Die Kieler hatten in der Continental-Arena ihre ganze Klasse gezeigt. Ohnehin schwebt Holstein fast bereits die gesamte Saison auf Wolke sieben. Die Mannschaft von Trainer Markus Anfang setzte sich früh in der Spitzengruppe fest und behauptet sich dort. Zuletzt lief es mit sechs Spielen ohne Sieg zwar nicht optimal und auch der Start ins neue Jahr war mit zwei Unentschieden nicht glorreich, dennoch steht der Klub, der gemeinsam mit Jahn im Sommer aufgestiegen war, immer noch auf dem dritten Platz.

„Das ist eine Mannschaft, die auch gewachsen ist und vom Teamgeist her lebt“, sagt Beierlorzer über den Gegner. Kiel sei eine „sehr aggressive Truppe“. Und nicht zuletzt habe Holstein mit Marvin Ducksch einen „ganz gewieften Torjäger“. Der scheint zudem nicht nur gewieft zu sein, sondern auch noch selbstbewusst. „Wenn ich spiele, garantiere ich gegen Jahn Regensburg ein Tor von mir“, sagte er den Kieler Nachrichten.

Die Abwehrspieler des Jahn werden versuchen, das zu verhindern. Wer hinten in der Viererkette aufläuft, steht allerdings noch nicht fest. Außenverteidiger Alexander Nandzik ist gesperrt, weil er gegen Ingolstadt die fünfte gelbe Karte gesehen hat. Für ihn könnte Marcel Hofrath ins Team rücken. Mit Benedikt Gimber und Benedikt Saller hat Beierlorzer zudem zwei weitere Kandidaten, die auf dieser Position spielen könnten – dann bräuchte es wiederum einen Ersatz auf ihren eigentlichen Einsatzgebieten auf der rechten Abwehrseite und im zentralen Mittelfeld.

„Ich glaube, da haben wir die letzten Jahre immer auf die Mütze bekommen. Ich hoffe, dass wir jetzt den Bock umstoßen können.“

Marvin Knoll zum Spiel in Kiel

Ein Fragezeichen steht Beierlorzer zufolge hinter dem Einsatz von Albion Vrenezi. Dessen Knie sei nach einem Zusammenprall im Training „noch etwas dick“. Sollte er nicht mehr fit werden, wäre Jonas Nietfeld ein denkbarer Nachrücker in der Sturmmitte. Endgültig entscheiden wird sich Beierlorzer wohl erst nach dem Abschlusstraining in Kiel. Am Freitag ging es davor erst einmal mit dem Flieger nach Hamburg und dann mit dem Mannschaftsbus weiter zum Spielort.

Vom Kieler Coach gibt es übrigens ein ausdrückliches Lob für den Jahn. „Richtig gute Fußballer“ sieht Markus Anfang in der Mannschaft des SSV. Überhaupt spiele „Regensburg in dieser Saison eine sehr gute Rolle“.

Nette Worte aus Kiel

Von den netten Worten aus Kiel werden sich die Regensburger vermutlich aber nicht einlullen lassen. Es gibt schließlich eine große offene Rechnung. Beierlorzer weist darauf hin, dass der Jahn seit 2014 – wenn beide Teams in einer Liga waren – kein Spiel gegen Holstein mehr gewonnen hat. „Jetzt wollen wir da auch mal was mitnehmen“, sagt er. Innenverteidiger Marvin Knoll sieht es genauso: „Ich glaube, da haben wir die letzten Jahre immer auf die Mütze bekommen. Ich hoffe, dass wir jetzt den Bock umstoßen können.“

Voraussichtliche Aufstellungen

  • Holstein Kiel:

    Kruse – Herrmann, Schmidt, Czichos, van den Bergh – Kinsombi – Schindler, Mühling, Weilandt, Lewerenz – Ducksch

  • SSV Jahn Regensburg:

    Pentke – Saller, Nachreiner, Knoll, Hofrath – Gimber, Lais – Stolze, Adamyan – Nietfeld (Vrenezi), Grüttner; Weis (ETW), Palionis, Sörensen, Hoffmann, Geipl, George, Mees; Hein (Wadenverletzung), Nandzik (fünfte Gelbe Karte)

Wenn der Jahn den Bock wirklich umstößt und gewinnt hätte er bereits 32 Punkte auf sein Konto geschaufelt. Beierlorzer baut aber selbst für diesen Fall schon vor. Auch mit diesem Punktestand hätte der Jahn den Klassenerhalt noch lange nicht geschafft, sagt er. Nur um den gehe es schließlich, meint er – und lässt dann doch allen Träumern noch ein klitzekleines Hintertürchen offen: „Wenn wir acht Spiele gespielt haben, und alle gewonnen haben, dann sprechen wir wieder.“

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